06.03.2018 - 20:00 Uhr
Kemnath

Roland Krauß erzählt von seiner Rolle als Jesus bei der Kemnather Passion 2018 Wunden sind manchmal echt

Jesus verkauft Rasenmäher und Motorsägen. Gut, es ist nicht wirklich der Sohn Gottes, sondern Roland Krauß, der ihn bei der Kemnather Passion ab Samstag, 10. März, verkörpert. Für seine Rolle erhält er in den Proben von Spielleiter Thomas Linkel den Feinschliff.

Der neue und der alte Jesus: In dieser Szene probt Roland Krauß (rechts), der nach 2008 wieder den Sohn Gottes spielt, mit Thomas Schöcklmann. Er verkörperte den Heiland bei der Passion 2013 und steht diesmal als Jünger Judas Thaddäus auf der Bühne. Bilder: stg (2)
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Vor 16 Monaten hat Roland Krauß zugesagt, die Rolle zu übernehmen. Hätte er damals gewusst, dass er inzwischen als Geschäftsführer eines Motorgerätebetriebs in Amberg arbeitet, hätte bei den Aufführungen ein anderer seinen Platz am Kreuz einnehmen müssen. Am 2. Januar diesen Jahres hat er sein Geschäft eröffnet, einen Tag später war für den Jesus schon die erste Probe in Kemnath. "Ich habe sieben Kilo abgenommen", berichtet er - und schiebt gleich nach: "Aber nicht wegen der Passion", sondern wegen der Doppelbelastung. Doch mittlerweile habe sich alles eingespielt. Die Proben mit den Kollegen ("Wahnsinnige unter sich") seien für ihn nun "eine nette Abwechslung, die Spaß macht". Und auch die "hervorragende Freundin" mache alles mit. "Ich bin ja keinen Tag vor halb zehn abends daheim."

Das Gefühl, auf der Bühne zu stehen, wenn sich der Vorhang in der Mehrzweckhalle hebt, kennt Krauß bereits. Schon vor zehn Jahren war er in die Rolle des Jesus geschlüpft - allerdings unfreiwillig. Das Engagement hatte er seinem damaligen Arbeitskollegen zu verdanken, der damals den Judas spielte.

Eines Tages sei der frühere Spielleiter Albert Schneider zu ihnen in den Raiffeisenfachmarkt gekommen. Ihm fehlte immer noch der Jesus-Darsteller, und so habe sein Kollege ihn ins Spiel gebracht, erinnert sich Krauß. "Ich lass' mich von euch nicht ans Kreuz nageln", sei seine erste Reaktion gewesen, weiß der 33-Jährige noch. Doch Schneider ließ nicht locker. Eine Woche später sei er mit Pfarrer und Bürgermeister nochmals in den Markt gekommen. Der Oberwappenöster blieb bei seinem Nein, wollte aber "gern als römischer Soldat mitspielen". Schließlich kam die Versammlung mit der Rollenvergabe: "Und am Ende hat der Spielleiter gesagt: Den Jesus macht der Roland." Das sei so am nächsten Tag in der Zeitung gestanden: "Da kam ich nicht mehr raus."

Doch bereut hat er es nicht: Die Erfahrung sei so ergreifend gewesen, dass er beschlossen habe, es wieder zu machen, falls er gefragt werde. Bei der Passion 2013 musste er noch passen, weil er beruflich in Hamburg war. Im November 2016 war es schließlich so weit, als Schneiders Nachfolger Thomas Linkel auf ihn zukam. Groß seinen Text lernen musste Krauß nicht. "Was von vor zehn Jahren noch da war, hat fast gereicht."

Für eine Hauptrolle habe er eh wenig zu sagen. Das Einprägen sei nicht das schwierigste, "man muss auch Emotionen einbringen". Daran arbeitet er mit Linkel bei den mittlerweile fast täglichen Proben. Vor allem am Monolog in der Szene mit den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes, der ihm schwer falle. "Ich bin kein Jammerer, aber das Flehen und sich mit dem Schicksal abfinden, dass man sterben muss, ist eine Art Seelenstriptease." In diesem Gebet zu Gott müsse man seine Gefühle offenlegen. Aber dieser Teil "ist von den Emotionen her ganz wichtig". Wohler fühlt er sich an der Stelle, bei der sich Jesus mit den zwölf Aposteln auf dem Ölberg befindet. In dieser "lockeren Runde" habe er immer einen Dialogpartner, das mache es leichter.

Von der Zusammenarbeit mit Linkel ist der 33-Jährige begeistert. Man merke, dass der "Passions-Veteran mit dem Festspielhaus Bayreuth verbunden ist". Im Gegensatz zu 2008 gebe es jetzt bei der Neu-Inszenierung ein bewegtes Bühnenbild mit Beamer-Technik. "Die Star-Wars-Filme von damals sehen ja auch anders aus als die neuen", scherzt Krauß. Aber auch seine Maske ist aufwendiger geworden. Früher hätten ein paar Tropfen Kunstblut unter der Dornenkrone, an den Händen und Füßen gereicht. Doch jetzt sei das eine "blutigere Geschichte", weshalb er zwei Stunden beim Schminken verbringe und "nochmal eine Stunde, bis das Zeug wieder herunten ist". Manchmal aber sind die blauen Flecken und Schürfwunden echt. Wenn er als Jesus das Kreuz trage, "wird man wirklich geprügelt", wenn auch unabsichtlich. So sei einmal ein Darsteller eines römischen Soldaten just in dem Moment gestolpert, als dieser mit einem Stock gegen das Kreuz schlagen wollte. Statt das Holz traf er Krauß' Rippen. "Er hat sich dann nach der Probe gleich mehrmals entschuldigt." Dennoch möchte er nicht mit den Soldatendarstellern tauschen. Wegen der Scheinwerfer "schwitzen die wie die Ochsen", da "habe ich das bessere Outfit".

Besonders beeindrucken den 33-Jährigen die Emotionen bei den Aufführungen. In seiner Sterbeszene sei es damals zunächst so ruhig gewesen, "man konnte eine Stecknadel fallen hören". Aber auch Leute, die zu weinen angefangen haben. "Da dachte ich: Mensch, du hast deine Sache gut gemacht." Hintergrund

Ich lass' mich von euch nicht ans Kreuz nageln.Roland Krauß, der inzwischen zum zweiten Mal den Jesus spielt

Trotz aller Proben und Vorbereitungen, passieren kann immer wieder etwas Unvorhergesehenes. So auch in der letzten Gesamtprobe. Als der tote Jesus vom Kreuz genommen wurde und im Schoß von Maria lag, setzte sich die "einzige Fliege in der ganzen Mehrzweckhalle auf mein Knie und krabbelt in die Kniekehle", berichtet Roland Krauß. "Das hat gekitzelt ohne Ende." Auch wenn es "nur" eine Probe war, das Insekt vertreiben wollte er nicht. "Bei einer Aufführung kann ich ja auch nicht hinschlagen."

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