17.11.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Siemens-Betriebsratsvorsitzender Harald Tretter: Mit Kollegen in Sachsen solidarisch erklären Mit und für Kollegen kämpfen

Die am Donnerstag von Siemens angekündigte Schließung von Standorten in Görlitz und Leipzig sorgt auch am Standort Kemnath für eine gewisse Unruhe. Im Gegensatz zu den betroffenen Kollegen aus den Bereichen Kraftwerks- und Antriebstechnik "geht es uns als Healthineers sehr gut", doch die geplante Streichung von 920 Arbeitsplätzen in Sachsen und weiteren 2400 Stellen deutschlandweit "trübt trotzdem die Stimmung", berichtet der Kemnather Betriebsratsvorsitzende Harald Tretter am Freitag.

Harald Tretter, Betriebsratsvorsitzender bei Siemens in Kemnath, befürchtet eine Abkehr der Konzernleitung von einer geschlossenen Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Bild: stg
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Auch wenn die Medizintechniksparte seit gut zweieinhalb Jahren aus dem Konzern ausgegliedert ist, "sind wir noch immer ein Verbund". Daher sei es selbstverständlich zu helfen, wenn die Möglichkeit besteht, Leute aufzunehmen. Tretter ist aber Realist genug zu wissen, dass wohl kaum jemand nach Kemnath kommen wird, denn die beiden Standorte in Sachsen "sind zu weit weg".

Obwohl Kemnath selbst nicht betroffen ist, schrillen bei dem Mitglied des Konzernbetriebsrats die Alarmglocken. Es seien noch nie betriebsbedingte Kündigungen diskutiert worden, erinnert sich Tretter. Er befürchtet jedoch, dass es soweit kommen wird, weil in beiden Bereichen "die Zukunft verschlafen" worden sei: "Wie wollen sie die 3300 Stellen abbauen?" Nur mit Altersteilzeitlösungen und ähnlichem ist dies seiner Einschätzung nach nicht möglich.

Er und seine Betriebsratskollegen an den anderen Standorten pochen hier auf die vor rund 15 Jahren geschlossene Vereinbarung "Radolfzell" zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Auf deren Grundlage fordern sie ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Konzept für alle Standorte in Deutschland. Statt Arbeitsplatzabbau sollten hier Kompetenzen, Innovationen und Teamgeist eingesetzt werden. Einig sind sich Tretter und die weiteren Betriebsratsvorsitzenden bei ihren Solidaritätsbekundungen auch in ihrem Willen, "Radolfzell" mit aller Macht zu verteidigen. Schließlich seien aufgrund der Vereinbarung Standortschließungen überhaupt nicht zulässig, gibt der Oberpfälzer zu bedenken.

Veränderungen stehen dennoch auch bei rund 1100 Beschäftigten in Kemnath an. Schon vor einem Jahr hat Siemens den Börsengang für die eigenständige Sparte angekündigt. Wann der Schritt vollzogen wird, ist laut Tretter noch offen.

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