28.04.2017 - 20:10 Uhr
KemnathOberpfalz

Speichersdorfer Kirwaverein verärgert über Maibaumdiesbstahl der Kemnather Der Baum des Anstoßes

Brauchtum pflegen und einen Rekord brechen - mit diesem Vorsatz machte sich der Burschen- und Madlerverein Kemnath an die Arbeit. Inzwischen fehlen in acht Orten die Maibäume. Auf gar kein Verständnis stoßen die Diebe allerdings zumindest in Speichersdorf.

Das Streitobjekt: In der Nacht auf den 21. April stahlen die Kemnather Burschen und Madler (Bild) den Maibaum der Speichersdorfer Kirwaburschen- und madla. Über die Auslöse und ob das regelkonform war - darüber sind sich beide Seiten uneinig. Bild: exb
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Kemnath/Speichersdorf. (luk/hai) Auch am Freitag weigerten sich die dortigen Kirwaburschen und -madla, die Ablöse zu zahlen. Die Mitglieder um Vorsitzenden Patrick Pfau halten die Forderungen der Kemnather "Kollegen" zum einen für überzogen, zum anderen werfen sie ihnen vor, sich nicht an die für einen Maibaumklau gültigen Regeln gehalten zu haben. "Das hat nichts mehr mit Brauchtum zu tun", schimpft der Speichersdorfer. Er und sein Stellvertreter André Hofmann sind der Meinung, dass maximal eine Woche vor dem 1. Mai geklaut werden dürfe, aber keine vier Wochen vorher. Ebenso berufen sie sich auf eine Zusage des Kemnather Vorsitzenden Kevin Schraml, nicht zwei Mal hintereinander heimgesucht zu werden.

Dieser gibt zwar zu, heuer früher losgelegt zu haben, um den vom Wolframshofer Haisl gehaltenen Rekord von fünf Stämmen zu brechen, doch einen Verstoß gegen das Brauchtum kann er nicht erkennen. Es gelte, "sobald der Baum innerhalb der Ortsgrenzen ist", dürfe man zuschlagen. Als neuer Verein wolle man sich nichts nachsagen lassen: "Wir halten uns an die Regeln." Außerdem sei der Baum erst in der Nacht auf den 21. April geholt worden. "Fünf Wochen vorher macht man es nicht, zwei Wochen sind aber okay." Auch gebe es die Vorgabe, dass man nicht hintereinander den gleichen Ort aufsucht, gar nicht. Als er noch beim "Haisl" gewesen sei, habe es diesen Kodex gegeben, doch nicht nur die Speichersdorfer seien in der Vergangenheit wiederholt im selben Dorf auf Beutezug gegangen.

Vor einem Jahr hatte die Truppe um Pfau noch 70 Liter Bier, 30 Liter Spezi und vier Laibe Leberkäse mit Semmeln für die Auslöse gezahlt. Diese auch diesmal für den 28-Meter-Stamm zu leisten, lag ihnen fern, zumal der Diebstahl erst durch "Insiderwissen" möglich gewesen sei: "Das Klauen ist dann doch nur billig und brotlose Kunst." Für Schraml sind die Kemnather dagegen regelrecht eingeladen worden. "Die haben das Versteck nicht geheim gehalten." Schon im Vorjahr habe der Immenreuther ihnen geraten, den Baum zu bewachen. Auf die bisherige Beute, die acht Stämme, werde "rund um die Uhr" aufgepasst.

Gestoßen haben sich die Speichersdorfer zudem daran, dass die Forderungen erst am Sonntag und nicht unmittelbar eingegangen sind: 100 Euro für die Kemnather Kindertagesstätte (und Zuzahlung seitens der Diebe in gleicher Höhe) sowie drei Kästen Bier. "Spenden ist nicht Sinn der Sache", erklärt dazu Pfau. "Seine" Burschen und Madla spendeten den Erlös ihres Maifestes den eigenen Kindergärten. Die Kemnather besserten daraufhin nach: 60 Liter Bier, 10 Liter Spezi und 50 Wurstsemmeln. Das sei für einen solchen Baum eh recht wenig, meint Schraml. Doch auch damit blitzten die Kemnather ab, ebenso mit dem letzten Angebot: 5 Kästen Bier und eine Brotzeit. Am Essen scheiterte schließlich eine Einigung. Darüber kann Schraml nur den Kopf schütteln: "Man sollte dazu stehen, dass der Maibaum geklaut wurde, man löst ihn aus und feiert zusammen".

Doch Pfau und seinen Mitstreitern ist dafür die Lust vergangen. Laut dem Vorsitzenden haben die Kemnather versucht, Druck aufzubauen und am Donnerstagabend gedroht, den Baum zu zersägen. Bis Freitagmittag sollte der Anruf erfolgen, doch "auf diesen können sie lange warten". Wie die Mockersdorfer und Altensteinreuther werden die Speichersdorfer hart bleiben. Sie wollen einen neuen Baum schlagen, schmücken und am Sonntag um 19 Uhr auf dem Dorfplatz vor dem Brunnen aufstellen. Zuvor soll es aber noch eine Spitze Richtung Kemnath geben, kündigt Hofmann an.

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