22.11.2017 - 15:38 Uhr
KemnathOberpfalz

Stadt Kemnath bemüht sich seit fast drei Jahren um einen Kinderarzt Warten, bis der Arzt kommt

Fast drei Jahre dauert die Suche nach einem Kinderarzt für Kemnath schon. Alle Versuche, einen Pädiater in die Stadt zu lotsen, sind gescheitert. Bürgermeister Werner Nickl gibt die Hoffnung dennoch nicht auf, zumal er noch zwei Asse in der Hinterhand hat.

"Eine glänzende Lösung." Zitat: Bürgermeister Werner Nickl über einen möglichen Kinderarzt aus der Ukraine
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Zur Zeit wartet Nickl auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Regensburg. Dort liegt der Einspruch eines Ukrainers gegen die Ablehnung seines Asylantrags. Der 46-Jährige lebt mit Frau und sechs Kindern in Tirschenreuth. "Er wäre topp und eine glänzende Lösung", meint Nickl. Er verfüge über Deutschkenntnisse und besuche in München Kurse für Medizindeutsch. Über die Kolpinghilfe in der Kreisstadt stehe er mit dem Osteuopäer in Kontakt. Doch solange die Richter nichts entschieden haben, erhalte der Mann keine Approbation.

Sollte der Einspruch abgelehnt werden, könnte ein sogenannter Headhunter zum Einsatz kommen. Es gebe Büros, die europaweit nach Personal, auch nach einem Kinderarzt, suchten, erklärt der Rathauschef. "Diese Karte haben wir noch nicht gezogen", wäre der Schritt doch mit Kosten "im sechsstelligen Bereich" verbunden. Zwar habe man hier eine "gewisse Erfolgsgarantie", doch schon alleine aufgrund der Ausgaben müsste man dann das Angebot auch annehmen. Der Kandidat müsste jedoch in den ländlichen Bereich von der Mentalität her passen und "gerade auf Kinder eine besondere Ausstrahlung haben".

"Es gibt einfach zu wenig Kinderärzte", zieht Nickl als Resümee aus den bisherigen Bemühungen. Und diejenigen, die es gebe, suchten sich aus, wo sie sich niederlassen. "Ohne Bezug zur Region hat man nicht die besten Karten." Kein Hinderungsgrund wäre, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mittlerweile den Kinderarztsitz in Kemnath eingezogen hat. Nachdem Ulrike Werner-Jung Ende 2014 ihre Praxis aus Altersgründen geschlossen hatte, hatte die KV bis vor etwa einem Jahr "Kulanzzeit" gewährt. Sollte sich aber einmal ein Pädiater finden, dürfte die Wiedergründung des Sitzes laut Bürgermeister kein Problem sein.

Schließlich ist Bedarf vorhanden. Permanent werde von Eltern nachgefragt, zuletzt in einer der Bürgerversammlungen, berichtet Nickl. Diese müssten für eine Behandlung ihrer Söhne und Töchter Fahrten nach Bayreuth, Weiden, Marktredwitz, Waldsassen oder auch Pegnitz in Kauf nehmen. Und längere Wartezeiten, da dort die Praxen entsprechend ausgelastet sind.

Eine glänzende Lösung.Bürgermeister Werner Nickl über einen möglichen Kinderarzt aus der Ukraine

International auf der Suche

Die Suche nach einem neuen Kinderarzt verlief bisher nicht nur aufgrund des möglichen Engagements eines Mediziners aus der Ukraine durchaus international und auf mehreren Kanälen. So entstand über einen Aufruf auf Antenne Bayern im Sommer 2015 die Verbindung zu einem Mediziner in Libyen. Doch dieser durfte das Land nicht verlassen. Am Ehemann scheiterte die Variante mit einer deutschen Ärztin in Bologna (Italien). Mit ihr stand Nickl "in intensivem Kontakt". Doch ihr Lebensgefährte wollte aus beruflichen Gründen in seiner Heimat bleiben. "Das wär's gewesen", trauert der Rathauschef dieser Lösung immer noch nach. Dabei seien nach dem Radio-Aufruf sogar Angebote von Firmen eingegangen, die die Praxisausstattung kostenlos gestellt hätten. Ebenfalls zerschlagen hat sich die Alternative mit einem Kinderarzt aus Bindlach, der in Kemnath an zwei bis drei Wochentagen Sprechstunden angeboten hätte. Mit ihm hatte Nickl bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung vorgesprochen, doch es fanden sich keine weiteren Pädiater aus der Region, die mit in eine Filialpraxis eingestiegen wären. "Das wäre eine elegante Zwischenlösung gewesen." Ebenfalls noch nichts gebracht haben Umfragen und Aushänge an Kliniken. "Dort weiß man, dass wir Bedarf haben", sagt Nickl, der selbst dem Aufsichtsrat der Kliniken Nordoberpfalz AG angehört. "Aber vielleicht kommt mal jemand zur Tür rein und sagt: Da bin ich." (luk)

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