Stadt verteidigt "Anlieger frei" Tafeln in Oberndorf und Höflas
Schilder erzürnen Autofahrer

Aus Sicht der Stadt war Eile geboten, um die Ortsverbindungsstraße vor weiteren Schäden zu schützen. Daher waren die "Anlieger frei"-Schilder in Höflas und Oberndorf zunächst Marke Eigenbau. Mittlerweile sind sie durch Blechtafeln ersetzt worden.
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Kemnath
06.07.2017
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Drei Meter breit und nur noch für Anlieger frei, ist die Straße von Höflas (Bild) nach Oberndorf. Dass dort während der Baumaßnahme am Kreisverkehr an der Hegele-Kreuzung nur Anwohner, Müllabfuhr, Postbote, Schulbusse, für die es eine Sondergenehmigung gibt, und weitere Berechtigte fahren dürfen, gefällt nicht allen Autofahrern. Bilder: jzk (2)

Der Bau des Kreisverkehrs an der sogenannten Hegele-Kreuzung verläuft problemlos. Für Ärger sorgt dagegen die dafür nötige Umleitung der Staatsstraße 2168. Um genauer zu sein, "Anlieger frei"-Schilder in Höflas und Oberndorf.

Diese hatte die Stadt vergangenen Freitag in der Ortsmitte von Höflas sowie bei der Brücke in Oberndorf angebracht, um die Benutzung der Ortsverbindungsstraße nur noch auf Anlieger zu beschränken. Die Maßnahme erfolgte zehn Tage nach Beginn der Arbeiten für den Kreisverkehr.

Sehr zum Unmut vieler Autofahrer, die die Strecke bislang als Schleichweg benutzt haben, um unter anderem schneller zur Staatsstraße 2655 zu kommen. Die Redaktion erreichte deshalb schon ein Schreiben, aber auch ein Anruf eines erbosten Autofahrers aus Neustadt am Kulm. Dieser hatte den drei Meter breiten Weg am Dienstag benutzt, um seine Enkelin aus Kemnath abzuholen. Dafür bat ihn die Polizei mit 20 Euro zur Kasse, "so wie 20 bis 30 andere auch", berichtet er.

Zu wenig informiert

"Rein rechtlich ist es ganz klar, wenn das Schild dort ist", haben die Beamten richtig gehandelt, gibt der Anrufer zu. Er hätte sich jedoch gewünscht, besser über die geänderte Regelung informiert zu werden. "In dem Gesamtpaket mit dem Schilderwald" aufgrund der Umleitung "geht das unter". Vor allem, wenn man die Strecke regelmäßig benutzt, achte man nicht so darauf. Die Polizei hätte die Leute vor Ort öfter und länger auf die Neuregelung hinweisen sollen. Seines Wissens sei dies nur mal "eine halbe Stunde am Montag" der Fall gewesen. Und am Dienstag sei schon kontrolliert worden, was für ihn eine "Abzocke" sei.

Ein Vorwurf, den Polizeihauptkommissar Dieter Striegl zurückweist. Die Autofahrer seien vorab darauf hingewiesen worden. Seine Kollegen hätten jeden gefragt, "ob er ein Anliegen hat, dort zu fahren". Aussagen, wie nichts davon gewusst zu haben, lässt der stellvertretende Inspektionsleiter daher nicht gelten.

Für zusätzliche Irritation sorgte auch, dass die Zusatz-Tafeln die ersten Tage nicht aus Blech, sondern aus Kunststoff waren. So mancher vermutete daher schon einen "Schildbürgerstreich". Dass sich dahinter aber "kein Fake" verbarg, bestätigt Erster Polizeihauptkommissar Bernhard Gleißner. Das sei "rechtlich unbedenklich" gewesen".

"Straße schützen"

So sieht es auch der "Urheber" Ludwig Hafner. "Zusatzschilder darf ich selber mal schreiben", erklärt der Mitarbeiter von der Bauverwaltung der Stadt. Diese habe sich zu diesem Schritt entschlossen, "um die Straße zu schützen". Es seien immer mehr Fahrzeuge geworden. Aufgrund der geringen Breite "sind die Bankette eh schon kaputt". Die Autos müssten beim Begegnungsverkehr ja irgendwohin ausweichen.

Auch Bürgermeister Werner Nickl verteidigt die Beschränkung auf die Anlieger. "Es fahren ständig Leute durch", vor allem viele, die aus Richtung Eschenbach kommen und nach Bayreuth weiter fahren wollten. Die Straße sei für diese Belastung nicht ausgelegt. Aber auch wegen der betroffenen Anwohner habe sich die "Stadt entschlossen, dort dichtzumachen". Mit der Polizei seien "Vergrämungsaktionen" abgesprochen, ähnlich wie in Kulmain während der Erneuerung der Hauptwasserleitung. Die Beamten werden laut dem Rathauschef auch in Zivil kontrollieren.

Um ein Bußgeld zu vermeiden, "sollen sich die Leute an die Umleitung halten". Nickl appelliert nicht nur deshalb an die Vernunft der Autofahrer, denn für Schäden an der Straße könne das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach nicht Regress genommen werden, "da ja eine ordentliche Umleitung (von der Staatsstraße 2168 auf die Kreisstraße TIR 30 in Richtung Löschwitz) vorhanden ist". Diese zu benutzen "dauert nur drei bis fünf Minuten länger", meint Hafner.

Dass die Umleitungsmaßnahmen zu "einer gewissen Unruhe" führen, ist Gleißner klar. Der Inspektionsleiter verweist aber auch auf einen weiteren Sicherheitsaspekt. Als Beispiel führt er die Einmündung auf die B 22 bei Oberndorf an. "Wenn nur ein Drittel der Autofahrer durchfährt, sind das schon viele. Da ist dann gleich was passiert."
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