13.03.2017 - 20:10 Uhr
KemnathOberpfalz

Streit um Wildschäden entzweit Jagdvorsteher und Jagdpächter Vorstand wirft Flinte ins Korn

Die Jagdgenossenschaft Waldeck-Godas steht ohne eigenen, handlungsfähigen Vorstand da. Beide Vorsteher sowie erster und zweiter Beisitzer haben beim Landratsamt ihren Rücktritt erklärt. Richten muss es nun Bürgermeister Werner Nickl.

Die Wildschweine richten immer wieder große Schäden an. In Waldeck haben sie jetzt sogar den Jagdvorstand zerstört. Bürgermeister Werner Nickl muss nun als Notvorstand ran. Bild: exb
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Waldeck. Die Untere Jagdbehörde in Tirschenreuth hat den Kemnather Rathauschef als Notjagdvorstand eingesetzt. Davon habe er schriftlich am vergangenen Mittwoch erfahren, berichtet Nickl. Laut dem Schreiben sähen die Vorsteher "keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit mit dem Jagdpächter". Dass er erstmals ein solches Amt übernehmen muss, habe er vorab schon über einige Waldecker mitgekommen.

Nickls Aufgabe ist es, einen Vorstand zu bilden. Wie lange das dauert, weiß er nicht. "Damit habe ich keine Erfahrung", auch wenn er als Vertreter der Stadt als Grundeigentümer an Versammlungen teilgenommen hat. Der Bürgermeister befürchtet, "dass es sich zieht". Dennoch ist er optimistisch. Bei den Jagdgenossen "gibt es noch genügend Leute, die möchten, dass es mit einem eigenen Vorstand weitergeht". Bis dieser gewählt ist, muss Nickl kraft Gesetz Notjagdvorstand bleiben.

Die Ursache fürs Zerwürfnis sieht der bisherige Vorsteher Hans Schrembs in einem Beschluss in der Jagdversammlung 2015. Damals haben die Jagdgenossen entschieden, dass Jagdpächter Erwin Heindl nach 25 Jahren nicht mehr für Wildschäden aufkommen muss. "Seitdem haben sich die Bauern massiv beschwert." Der Vorwurf: Es wird viel zu wenig auf Wildschweine gejagt. Dies sei auch in der Versammlung im Vorjahr zur Sprache gekommen.

Da die Ersatzpflicht nicht mehr gilt, mussten laut Schrembs für die Schäden 600 Euro aus der Genossenschaftskasse gezahlt werden. Wenn diese einmal leer ist, würden die Grundstücksbesitzer, abhängig von der Größe ihrer Flächen, zur Begleichung herangezogen. Da die Landwirte die damals von Heindl genannte Zahl an geschossenen Schwarzkitteln anzweifelten, wollte Schrembs genaue Angaben. Heindl und die beiden Mitpächter sollten angeben, wer, wann, wo und was geschossen hat. Er habe angeboten, die erlegten Tier für sein Gasthaus abzunehmen.

"Das ist eine rechtswidrige Forderung", hält der Jagdpächter entgegen. Er schildert die Ereignisse vor einem Jahr etwas anders. Damals habe Schrembs von einem Bauern gesprochen, der sich über die Schäden beklagt haben soll. Dessen Namen wollte der Vorsteher zunächst nicht nennen, erinnert sich der Waidmann. Dies sei erst auf mehrmalige Nachfrage erfolgt. Dabei habe sich gezeigt, dass der Beschwerdeführer gar kein Mitglied der Jagdgenossenschaft war. Der Landwirt habe den Grund nur gepachtet. Zudem habe dieser die Vorwürfe an den zuständigen Mitpächter bestritten.

Die Vorfälle habe er einige Tage nach der Versammlung schriftlich der Unteren Jagdbehörde mitgeteilt, ebenso dem Schriftführer der Genossenschaft, erklärt Heindl. Alles unterzeichnet von den drei Jägern. Das Landratsamt hielt sich aus der Angelegenheit mit Verweis auf eine "Privatsache" heraus. In der Folgezeit habe er nichts mehr gehört, eine Entschuldigung seitens des Vorstehers, "weil er die Unwahrheit gesagt hat", sei ausgeblieben.

Aus Ärger darüber und über Schrembs' Forderung habe er Ende 2016 zwar den Vorstand - wie vertraglich zugesichert - für den 17. März zum Jagdessen eingeladen. Diesmal allerdings ins Sportheim und nicht in die turnusgemäß übliche Gaststätte. Danach habe es vier Wochen keine Reaktion gegeben. Erst dann habe sich der Vorstand bei ihm gemeldet, er sei aber nicht zu Hause gewesen, berichtet Heindl, dessen Jagdpachtvertrag noch bis 2024 läuft. Seitdem gab es keinen Kontakt. Er wisse jetzt nicht einmal, "wer am Freitag alles kommt".

Schrembs, der 12 Jahre Vorsteher und zuvor 20 Jahre Beisitzer war, beteuert, versucht zu haben, das Verhältnis "zu kitten". Doch nun sei der Punkt erreicht, "an dem ich mich nicht mehr abstreiten mag". Für ihn, seinen Stellvertreter sowie die beiden Beisitzer, die als einzige Vorstandsmitglieder in geheimer schriftlicher Wahl bestimmt werden, "war eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich". Jeder von ihnen habe deshalb dem Landratsamt gegenüber den Rücktritt erklärt.

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