Themenfrühstück im Familienzentrum Mittendrin
Trotzphase zum Trotz

Wutanfälle sind in der Trotzphase kein oppositionelles Verhalten, das bestraft werden muss, sondern sie sind notwendig, weil sie zur Entwicklung gehören“ betonte Andrea Gebhard.
Vermischtes
Kemnath
16.04.2018
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"Ich", "selber" und "nein" sind die Lieblingsworte vieler Kinder in der sogenannten Trotzphase. Warum das so ist, erklärt Andrea Gebhard beim Themenfrühstück im Familienzentrum Mittendrin.

"Wir frühstücken miteinander und tauschen uns zu Fragen der Erziehung aus", kündigte Mittendrin-Leiterin Jessika Wöhrl-Neuber den Vortrag zum Thema "Gelassen erziehen - auch in der Trotzphase" an.

Laut Andrea Gebhard lösen sich Mädchen und Buben im Alter zwischen zwei und drei Jahren "immer mehr aus der bis dahin lebensnotwendigen Abhängigkeit hin zu einem zumindest teilweise unabhängigen Individuum". Die Ich-Entwicklung vollziehe sich langsam vom "den Eltern ausgeliefert sein" bis hin zum "laufend die Welt erobern." Das Kind erkenne allmählich: "Ich kann ja selber was machen." Die Eltern sollten in dieser Entwicklungsphase den Nachwuchs selber handeln lassen, auch wenn es länger dauere und - oder noch - schief gehe, empfahl die Erzieherin. "Zeigen Sie ein entwicklungsförderndes Verhalten, indem Sie ihrem Kind nicht alles abnehmen."

Pädagogen der heutigen Zeit sprächen in diesem Zusammenhang nicht mehr von der Trotz-, sondern von der Autonomiephase. Das sei ein wichtiger Schritt für die Kinder zur Selbständigkeit, führte die vierfache Mutter aus. Zwischen ihnen und Eltern gehe es nicht ums Rechthaben, sondern darum, den Kindern die Möglichkeit zu geben, all das zu lernen, was sie in wenigen Jahren beherrschen sollten. Darum müssten sie auch Dinge ausprobieren dürfen, die noch nicht einwandfrei funktionieren.

"Unsere Kinder wollen uns in dieser schwierigen Phase nicht ärgern, blamieren oder tyrannisieren", betonte Gebhard, "sie kommen halt mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen noch nicht zurecht." Die Eltern sollten sich bewusstmachen, dass ihr Kind in diesen Momenten in einer echten Notlage ist. Es werde von seinen Gefühlen überrollt und habe noch keine anderen Handlungsalternativen als sich hinzuschmeißen und "Nein" oder "Ich will nicht" zu brüllen. Kinder benötigten einen Raum, in dem sie sich ausprobieren dürfen. Dazu sei am besten die Familie geeignet. Dort könnten sie erfahren, dass sie geliebt werden, auch wenn sie sich "unerwünscht" verhalten.

"Helfen sollte man ihnen erst dann, wenn sie darum bitten", meinte die Referentin. Die Eltern sollten das eigene Verhalten immer wieder überdenken, auf sich selbst achten und vor allem das aufmüpfige Verhalten nicht persönlich nehmen. "Gelassen bleiben, auch wenn das Kind bei einer Handlung noch überfordert ist", sollte die Devise von Vater und Mutter lauten.

In kleinen Gruppen sollten die Mütter anschließend ihre Erfahrungen austauschen, wie sie ihrem Kind in dieser Phase helfen könnten. In lockeren Gesprächen wurden dann die verschiedenen Handlungsweisen besprochen.
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