Von Meth bis Medien
Caritas hilft auch in Kemnath Süchtigen

Klaus-Georg Bär. Bild: jzk
Vermischtes
Kemnath
25.03.2018
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Zweimal die Woche bietet die Caritas in Kemnath Süchtigen Hilfe an. Aber auch Angehörige finden bei Klaus-Georg Bär Hilfe.

Zu Klaus-Georg Bär und seinen Kollegen kommen Menschen oft nach einem langen Leidensweg. Und es kommen viele Menschen: "Die Arbeit unserer Fachambulanz für Suchtprobleme ist geprägt von einer hohen Auslastung", sagt der Leiter der Caritas-Suchthilfe. Die Menschen kommen von selbst, oft auch auf Vermittlung durch eine Fachstelle", erklärt der Suchthilfe in Tirschenreuth, die auch für Kemnath zuständig ist.

Dabei sei der Begriff Sucht weit gefasst: Neben Alkohol, Nikotin, Medikamenten oder Drogen haben die Hilfensuchenden auch Probleme mit Essstörungen oder Glücksspielen. Relativ neu sei das Phänomen der Mediensucht, es betrifft Menschen, die nicht von Computer oder Handy lassen können. Am meisten befassen sich die Helfer aber mit den Klassikern: "Problem Nummer eins ist bei uns der Alkohol, gefolgt von Cannabis und Modedrogen wie Crystal Meth, Kräutermischungen oder Badesalzen", berichtet Bär. Auf dem Weg zur Besserung sei als erster Schritt wichtig, dass der Klient sein Suchtproblem erkennt. Erst dann geht es um die Frage, wie man vom Suchtmittel wieder loskommen kann. "Der Klient soll nach und nach befähigt werden, seine Lebenssituation zu ändern", betont Bär.

Die Fachambulanz bietet auch den Ehepartnern, Angehörigen oder sonstigen Bezugspersonen des Süchtigen Beratung und Begleitung. "Die Zusammenarbeit erfolgt auf freiwilliger Basis mit Einverständnis des Betroffenen", betont der Diplom-Sozialpädagoge. "Wir garantieren Verschwiegenheit, Kostenfreiheit und auf Wunsch Anonymität." Möglich sei auch ein offener Austausch in einer geleiteten Gruppe oder in einer Orientierungsgruppe für Menschen mit Alkoholproblemen. Ein Kooperationsvertrag regelt die Zusammenarbeit mit dem Bezirkskrankenhaus in Wöllershof.

"Wir nehmen uns Zeit für ein persönliches Gespräch", erklärt Bär. "Wir motivieren den Hilfesuchenden und erstellen einen Hilfeplan." Auch bei der Suche nach einem Therapieplatz können die Caritasmitarbeiter helfen. Unterstützung wird auch gewährt bei Kontakten zu Jugend- oder Sozialamt, zu Jobcenter, zu Kasse oder Rentenversicherung. Auch eine psychosoziale Begleitung bei der sogenannten Substitution, etwa einer Methadon-Therapie. Manchmal werden auch Hausbesuche oder Besuche im Krankenhaus angeboten. Sie können auch die Kontaktaufnahme erleichtern.

"Wir informieren über bestehende Selbsthilfegruppen, Unterstützungs- und Betreuungsmöglichkeiten", fährt Klaus-Georg Bär fort, "wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe an." Entscheidend sei allerdings die Einstellung des Hilfesuchenden: "Wer sich nicht ändern will, dem können wir schlecht helfen", weiß Bär aus Erfahrung. "Die meisten Klienten kommen aus eigenem Antrieb, weil es ihnen schlecht geht", erzählt Bär, "die anderen kommen als Angehörige." Außerdem suchen Vorgesetzte, Kollegen, Betreuer oder Erzieher die Fachambulanz auf. Für eine sinnvolle Therapie ist es nie zu spät. "Therapie ist in jedem Stadium möglich", lautet ein Grundsatz der Suchtberatung. Ausdrücklich lobt Bär die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus und den Ärzten in Kemnath. Wünschenswert wäre es seiner Ansicht nach, die Hemmschwelle für die Hilfesuchenden abzubauen, denn "je früher einer zu uns kommt, desto besser können wir ihm helfen".

ÖffnungszeitenDie Caritas Suchtberatung ist in Kemnath erreichbar am Montag von 8 bis 12.30 Uhr und am Donnerstag von 8 bis 12 sowie von 13 bis 17 Uhr, erklärt Sozialpädagoge Klaus-Georg Bär. Eine Terminvereinbarung mit der Hauptstelle in Tirschenreuth, Telefon 09631/798910, ist erwünscht. (jzk)
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