19.03.2018 - 15:36 Uhr
Kemnath

Vortrag beim HAK in Kemnath: Heimatpfleger Adrian Roßner spricht im Musikeum Die Pest im Fichtelgebirge

Die Pest stellte Adrian Roßner in seinem Vortrag im Musikeum in den Mittelpunkt. "Die Seuche zählt zu den größten Geißeln, die die Menschen heimgesucht haben." Mit einer Powerpoint-Vorführung unter dem Titel "Totentanz im Fichtelgebirge" erschloss der 25-jährige Kreisheimatpfleger für den Landkreis Hof den die Bedeutung der hochansteckenden Infektionskrankheit für die Region. "Bis heute ist nicht bekannt, wie viele Opfer die Pest forderte", erklärte Roßner. Die Seuche brach nicht nur einmal aus, sondern suchte Länder in Wellen über Jahrhunderte hinweg heim.

Mit seinem enormen Sachwissen und seiner humorvollen Erzählweise beeindruckte Adrian Roßner seine Zuhörer im Musikeum.
von Josef ZaglmannProfil

Dazu kam die Unsicherheit wegen der Ursache der Krankheit, die weder Medizin noch Religion eindämmen konnten. Zuerst wurde sie als Strafe Gottes gesehen, bald sollten die Juden die Schuld übernehmen. Man beschuldige sie, Brunnen zu vergiften oder die Luft zu verunreinigen. Auch im Fichtelgebirge gab es Judenverfolgungen, denen viele Unschuldige zum Opfer fielen. Es gab aber auch aus heutiger Sicht recht skurrile Versuche, die Gefahr zu bannen, etwa "den giftigen Pesthauch in Löcher zu locken und einzumauern".

Nach dem ersten Auftreten der Pestilenz verschwand sie um 1350 plötzlich, kehrte aber 1495 grausam wieder. Nun brachen Menschen überall zu Wallfahrten auf oder zogen als Geißler sich selbst züchtigend durch die Lande. Die Seuche machte vor niemandem Halt, verschonte die Adligen ebenso wenig wie die einfachen Bauern. Im Dreißigjährigen Krieg brach die Pestseuche wieder aus. Überall wurden Pestkapellen und -kreuze errichtet, um durch Frömmigkeit den zürnenden Gott zu besänftigen. In den katholischen Bereichen gelobten die Menschen die Aufführung von Passionsspielen, wenn ihr Ort verschont wird. Die Angst trieb die Menschen erneut, gegen alle vorzugehen, die anders waren. Jüdische Mitbürger fielen dem Morden ebenso zum Opfer wie angebliche Hexen oder sündige Ketzer. "Himmelbriefe" wurden verkauft, die den giftigen Pesthauch am Eindringen in das Haus hindern sollten.

1628 bis 1637 war im Fichtelgebirge die letzte Pestwelle. Nach 1700 trat die Seuche kaum mehr auf. Damals wurde beispielsweise die Quarantäne eingeführt. Vierzig Tage musste isolierst bleiben, wer eine Stadt betreten wollte. Heute gilt die Pest in Europa als ausgerottet - dank besserer Hygiene und Fortschritte der Medizin. "Wir sollten aber nicht vergessen, welche Auswirkungen sie auf unsere Region hatte", mahnte Roßner. Museumsleiter Anton Heindl bedankte sich bei ihm mit einem Präsent.

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