22.03.2018 - 17:46 Uhr
Kemnath

Wetter und neue Düngeverordnung bereiten Landwirten Probleme Gülle in Hülle und Fülle

Bei einigen Landwirten sind oder werden die Güllegruben langsam voll. Die Gründe: das Wetter und die neue Düngeverordnung. Daher suchen die Bauern neue Lagermöglichkeiten. Eine davon ist eine Börse.

von Martin Maier Kontakt Profil

Der Frost hat in den vergangenen Wochen im Landkreis größtenteils verhindert, dass die Bauern ihr Gülle ausbringen können. Auch war das Zeitfenster im Herbst wegen der vielen Niederschläge schon eingeschänkt. Und die Mitte vergangenen Jahres in Kraft getretene neue Düngeverordnung (DüV) trägt ebenfalls zur Verschärfung der Situation bei. Das Ergebnis: volle Güllegruben.

"Wir sind selber betroffen. Ich habe schon Gülle beim Nachbarn eingelagert", erklärt Tobias Vogel aus Godas. Der Vorsitzende des "Rings junger Landwirte Kemnath" sieht besonders die Novellierung der Verordnung kritisch. "Ich bin mir selber manchmal unsicher, ob ich mit der Gülle noch raus aufs Feld darf." Sie darf nicht auf tiefgefrorenen, wassergesättigten oder schneebedeckten Boden ausgebracht werden. "Da bewegt man sich im Graubereich", stellt Vogel fest.

Eibisch: Landwirt entscheidet selbst

Auch Ely Eibisch macht darauf aufmerksam, dass jeder Landwirt für sich selbst entscheide, wann er die Gülle ausbringt. "Der Boden ist in einigen Bereichen schon gut aufgetaut. Es gibt aber örtlich große Unterschiede", erklärt der Kreisobmann des Bauernverbands Tirschenreuth. Letztendlich sei es oft eine Gratwanderung. Sein Betrieb habe ebenfalls Gülle auslagern müssen. Fündig wurde Eibisch bei einem drei Kilometer entfernten Kollegen.

Außerdem verweist er auf die Lagerraum- und Gülle-Börse des Maschinenrings und Bauernverbands, bei der die Landwirte freien Lagerraum und Gülle anbieten. "Die gibt es schon länger. Aber durch die neue Düngeverordnung ist sie wieder in den Vordergrund gerückt", erläutert Ulrich Härtl, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Tirschenreuth. Die Abgabe der Gülle an Biogasanlagen ist eine weitere Möglichkeit. "Aber auch da sind momentan viele am Anschlag", verweist Vogel auf ein weiteres Problem.

Zwischen 3 und 9 Uhr ideal

Dass manche Bauern um 3 Uhr ihre Gülle auf noch gefrorenen Boden ausfahren, ist laut Eibisch normal. "Zwischen 3 und etwa 9 Uhr ist oft der ideale Zeitpunkt." Dadurch würden die Maschinen auf dem Feld keine Spuren hinterlassen und auch die Straßen nicht verschmutzen. Voraussetzung sei natürlich, dass die Fläche tagsüber bei Plusgraden wieder aufnahmefähig werde. "Diese frühe Zeit wählen wir also nicht, weil wir etwas verstecken wollen", stellt der Kaibitzer klar.

Härtl ist sich sicher, dass sich die Landwirte in den nächsten Jahren auf längere Einlagerungszeiten bei der Gülle einstellen müssen. "Die Zeitfenster sind durch die Düngeverordnung einfach enger geworden." Viele Höfe würden daher ihre Lagerkapazitäten erhöhen. Allerdings dürfe man nie vergessen, dass es sich um wertvollen organischen Dünger handle. "Ein Betrieb, der keine Tierhaltung hat, ist froh, wenn er etwas abnehmen kann."

Kritik an Bürokratie

Kritische Worte zur DüV kann sich auch Eibisch nicht verkneifen. Sie erschwere die Arbeit der Bauern, denn auch der Verwaltungsaufwand sei enorm angestiegen. Dabei nennt der Kreisobmann die Düngebedarfsermittlung, die man mittlerweile komplett erfassen müsse. "Irgendwann dokumentieren wir uns noch zu Tode", kritisiert er die überbordende Bürokratie.

Mit Blick auf die Aussaat von Sommergetreide sieht der Kaibitzer noch keine großen Probleme. "Wenn Anfang April die Bodentemperaturen passen, schaut es gar nicht so schlecht aus. Damit sollten wir dann auch zurecht kommen."

Die Zeitfenster für die Gülleausbringung sind durch die Düngeverordnung einfach enger geworden.Ulrich Härtl, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Tirschenreuth

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