10.01.2018 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Veterinäramt und Jäger: Das bisher Nötige und Mögliche in die Wege geleitet Gegen die Schweinepest gewappnet

Ob und wann die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreicht - niemand weiß es. Jäger, Veterinäramt und Bayerischer Bauernverband (BBV) im Landkreis Tirschenreuth versuchen, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Für einen möglichen Ausbruch sind sie jedoch soweit wie möglich gerüstet.

Ein Wildschwein schaut im Wildschweingehege in Stuttgart zum Fotografen.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Seit etwa drei Jahren breitet sich die für Haus- und Wildschweine hochansteckende und tödlich verlaufende Tierseuche über Osteuropa aus. Als im Sommer 2017 der Virus in Tschechien und Polen auftrat, suchte BBV-Kreisobmann Ely Eibisch das Gespräch mit der Regierung in Regensburg und dem Landratsamt in Tirschenreuth. In einem ersten Schritt seien an der Grenze zu Tschechien Schilder mit Warnhinweisen des Veterinäramts in mehreren Sprachen aufgestellt worden. Dem Verband gehe es darum, die Menschen, zu sensibilisieren, zu informieren und Prävention zu betreiben.

In der verstärkten Bejagung des Schwarzwildes, "dass ein großer Verbreitungsfaktor ist", sieht Eibisch eine wichtige Maßnahme zur Prophylaxe. Die von der Staatsregierung zugesagten 20 Euro pro erlegtem Schwarzkittel sind für den Kaibitzer aufgrund der dafür erforderlichen Anträge auch eine Kontrollmöglichkeit für Behörden. Um die Waidmänner zu unterstützen, spricht er sich zudem für den Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten für Gewehre ("Die Schweine kommen meistens in der Dunkelheit"), Errichtung von Sauenfängen und für die Übernahme von Kosten, die durch das Erlegen des Wildes entstehen, aus. So könnten Regierung oder Landratsamt Ausgaben für die Trichinenschau übernehmen, "aber dafür gibt es noch keine Töpfe".

Sehr hoher Standard

Prinzipiell sieht Eibisch die Schweinehalterbetriebe im Landkreis - was die Hygienevorschriften angeht - "auf einem sehr hohen Standard". Problematisch seien die Freilandhaltung, bei der es zu einem Kontakt zwischen infiziertem Wild- und einem Hausschwein kommen kann, oder auch "das Heu oder Futter das von draußen in den Stall kommt". Sollte in einem Betrieb die Seuche ausbrechen, müssten dort die Bestände sofort gekeult werden. Finanziellen Ersatz gebe es dafür zwar aus der Tierseuchenkasse, "der züchterische Verlust" werde aber nur durch eine Risiko-Ertrags-Ausfallversicherung gedeckt, wozu er jeden Schweinehalter rät.

Wolfgang Schinner, Veterinär und Vorsitzender der Kreisgruppe Kemnath des Bayerischen Jagdverbandes, betont, dass "noch nie so intensiv auf Schwarzwild gejagt worden" sei. Eine Zulassung von "verbotenen" Nachsichtgeräten ist für ihn aber "der größte Krampf". "Die Schweine kriegen das mit", nach zwei bis drei Monaten sei der Effekt verpufft. "Mehr kann man fast nicht mehr tun, als derzeit geschieht", meint Schinner, der selbst in Veranstaltungen über die drohende Gefahr informiert.

Die von Eibisch ebenfalls für den Seuchenfall angesprochene Sammelstelle für Tierkadaver in Tirschenreuth sei in Vorbereitung, berichtet Dr. Klemens Dötsch. Laut dem Leiter des Veterinäramts läuft bei der Regierung der Antrag auf Zulassung. Im Auge behält er zudem die Möglichkeit, Schwarzwildaufbruch (Organe des Tieres) an anderen Stellen entsorgen zu können. Dieses Angebot sei aber nicht verpflichtend, "zur Prävention aber sinnvoll".

Das Veterinäramt stellt auf seiner Homepage neben allgemeinen Informationen zur ASP auch ein Merkblatt für Waidmänner zur Verfügung. Vor allem dürften sie weder Schwarzwildaufbruch, Speiseabfälle oder Schlachtreste zur Kirrung verwenden. Auch dürften keine Abfallprodukte bei der Schwarzwildverwertung ins Revier gebracht oder Ställe in Jagdkleidung und dergleichen betreten werden.

Sperrbezirke einrichten

Wird bei einem verendeten oder erlegten Schwarzwild die ASP festgestellt, richtet die Regierung einen sogenannten gefährdeten Bezirk ein, dessen Größe sich unter anderem nach geografischen Grenzen wie Autobahnen oder Nähe zu Ansiedlungen und Wäldern richtet und daher gegebenenfalls landkreisübergreifend sein wird. "Man kann aber von einem Mindestradius von zehn Kilometern ausgehen", meint Dötsch. Das Verbringen von Hausschweinen in und aus diesem Gebiet ist dann grundsätzlich verboten. Auf drei Kilometer schrumpft der Umkreis, wenn der Virus in einem landwirtschaftlichen Betrieb auftritt. Dessen Bestand wird getötet, innerhalb des Sperrbezirks ist der Transport von Tieren und deren Erzeugnisse in und aus Ställen untersagt. Ebenso würden alle Bestände und Wildschweine in diesen Zonen intensiv auf den Erreger hin untersucht werden.

Ob die von Eibisch beziehungsweise vom BBV geforderten Präventionsmaßnahmen zum Tragen kommen, lässt Helmut Völkl, Leiter des Sachgebiets Öffentliche Sicherheit und Ordnung, offen. Der Punkt "Nachtsichtgeräte" ist für allerdings ihn eine "unseelige Geschichte", die vom Landwirtschaftsministerium losgetreten worden sei. Für die Bekämpfung der Seuche werde jedoch ein Katalog erstellt, unter welchen Voraussetzungen Jäger welche Maßnahmen beantragen können. "Das soll aber oberpfalzweit einheitlich sein." Seite 3

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Weitere Informationen:

www.kreis-tir.de/verwaltung-organisation/fachbereiche/veterinaeramt/

Mehr kann man fast nicht mehr tun, als derzeit geschieht.Dr. Wolfgang Schinner, Veterinär und Vorsitzender der Jäger der Kreisgruppe Kemnath
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