Fasching in den 1950er Jahren: ein närrischer Blick zurück
"Bader" führt Polonaise an

Im 1947 eingeweihten Josefshaus feierten Kolping und Gewerbeverein sowie später auch der Sportclub ihre Faschingsbälle. Unser Bild stammt aus dem Jahr 1952 und zeigt den Kolpingball. Bilder: Archiv Fritz Fürk (4)
Freizeit
Kirchenthumbach
09.02.2018
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Rudolf Bernhardt, auch "Butzi" genannt, war ein Kirchenthumbacher Original. Hier posiert er mit Balbine Zeitler (links) und Anni Wilterius (rechts) im Hof der Gastwirtschaft "Bayerische Ostmark".

Lachen, fröhlich sein, Gaudi machen, tanzen und schunkeln sind keine Erfindungen der Neuzeit. Fasching, die fünfte Jahreszeit, wurde in Kirchenthumbach schon in früherer Zeit hochgehalten. Allerdings wurde nicht, wie in Karnevalshochburgen Düsseldorf, Köln und Mainz, vom 11.11. bis zum Faschingsdienstag gefeiert.

Hierzulande beschränkte sich die "Fosend" auf die letzten zwei Wochen der Faschingszeit. Es musste schließlich auch noch gearbeitet werden, denn Geld war knapp. Der "Dumbacher Gürzenich" befand sich im Saal der Gastwirtschaft "Bayerische Ostmark" beim "Maurer-Karl" und später bei seiner Tochter, der "Maurer-Toni". Dort erfolgten nach dem Zweiten Weltkrieg die Inthronisationen.

Anfang der 1950er Jahre bauten Resi und Josef Eisend ihre Scheune zu einem Saal um, der nicht nur zum Tanzen genutzt wurde. An den Wochenenden diente das "Biemichl"-Gelände als Kino. Als der Film "Die Sünderin" dort lief, wurden die Besucher sogar observiert. Die Folge war, dass ihnen am Sonntag darauf die Kommunion verweigert wurde. Der Grund: Für den Bruchteil einer Sekunde war in dem Film ein blanker Frauenbusen zu sehen. Das Tanzen im "Biemichl"-Kino bereitete allerdings Probleme: Der Boden war nach hinten aufsteigend und so musste das Tanzbein auf einer "schiefen Ebene" geschwungen werden, was zu Schmerzen in den Waden führte.

"Altweibermühle"

Der Wirt des "Biemichl"-Saales, der "Eisend-Sepp", trat im Fasching auch als Manager des Elferrats auf. Die wenigen noch lebenden älteren Herrschaften berichten aus dieser Zeit, dass die Kostüme nicht gekauft, sondern selbst geschneidert wurden. Zum Einsatz kam auch eine "Altweibermühle", ähnlich wie im "Moulin Rouge" im Pariser Vergnügungsviertel Pigalle. In einem Festwagen, der von Pferden gezogen wurde, wurden dabei ältere Weiber in junge hübsche Frauen umgewandelt.

Mit dem Umbau der Pfarrscheune zum Josefshaus mit einem kleinen und einem großen Saal verlagerte sich ab 1947 das Faschingsgeschehen dorthin. Unvergesslich geblieben sind die Kolpingbälle und die Bälle des Handwerker- und Gewerbevereins, die nur in eleganter Abendgarderobe besucht werden durften.

Auf der Bühne stand auch keine Band mit meterhohen Lautsprechern und Elektrogitarren: Für einen gepflegten Tanzschritt sorgte die "Edelweiß-Kapelle", eine Blasmusik- und Vorgängerkapelle der jetzigen Blaskapelle. Zur Eröffnung der Bälle war eine Polonaise ein Muss. Meist führte diese der approbierte "Bader" Josef Rupprecht an (1885 bis 1973), ein geachteter Gesellschafter. Mit dabei war stets auch Pfarrer Josef Bollmann (1899 bis 1964).

Als im Januar 1959 der Sportclub wiedergegründet wurde, erlebte auch der Sportlerball im Josefshaus eine Wiedergeburt. Zu verdanken hatten dies die Dumbacher Narren den Vorsitzenden Sepp Thurn und Bertl Kroher sowie Georg Paulus. Letzterer brachte sich als Organisator par excellence ein. Den Ausschank übernahmen zur damaligen Zeit abwechselnd die Kirchenthumbacher Wirte, wofür sie 30 Mark bezahlen mussten. Das Essen war eher bescheiden: Knacker oder eine heiße Stadtwurst reichten damals vollkommen aus.

Wechselnde Standorte

Als das Josefshaus 1974 der Abrissbirne zum Opfer fiel zogen Narren wie Tanzvolk in den Thumbecksaal um, 1990 dann in die Sporthalle. Auch die Bälle der Feuerwehr fanden im Thumbecksaal statt, später dann im Pfarrheim. In dieser Session steigt der Rosenmontagsball erstmals in der Heberbräuhalle, nachdem sich im vergangenen Jahr nach dem Faschingszug das närrische Volk dort vergnügt hatte und die Halle als "tauglich" eingestuft hatte.

Erwähnt werden muss auch die Faschingsgesellschaft "Biemichl", jahrelang geführt von Präsident Hans Kirsch. Sie bot mehrere Jahre jeweils zum Faschingsendspurt Spaß pur. Die jetzt aktive Interessengemeinschaft Faschingszug organisiert den Rosenmontagsball sowie alle zwei Jahre einen Faschingszug.
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