Das Banner des Katholischen Burschenvereins Kirchenthumbach ist künftig im Pfarrheim zu sehen
Eine Fahne erzählt Geschichte

Aus dem Burschenverein hervorgegangen ist die DJK Kirchenthumbach. Das Bild, zeigte die Fußballmannschaft aus dem Jahr 1931 (hinten von links): Christian Popp, Quirin Seemann, Anton Strauß, Hans Kellner, Karl Friedl, Ludwig Sporer, Bernhard Rothmeier, Josef Lindner und Ludwig Kellner. (vorne von links): Martin Dobmann, Georg Strauß und Jakob Schuller.
Lokales
Kirchenthumbach
27.08.2014
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Im Keller der Pfarrkirche tauchte die Fahne des einstigen Katholischen Burschenvereins auf. Pater Dr. Benedikt Röder und Fritz Fürk nahmen sich ihrer an: Der Pfarrer kümmerte sich um die Restaurierung, der frühere Bürgermeister um die Erforschung der Geschichte, des guten Stücks.

Ein Haus verliert nichts, ein Gotteshaus schon gar nicht: Im Keller der Pfarrkirche lagerte die Fahne des Katholischen Burschenvereins. An das gute Stück hatte viele Jahrzehnte niemand gedacht. Jetzt erlebt die filigran verarbeitete und mit feinen Fäden gestickte Fahne eine Wiedergeburt: Pater Dr. Benedikt Röder hat das eineinhalb Mal eineinhalb Meter große Symbol von Schneiderin Elisabeth Lohner runderneuern lassen. Nun will er den einstigen Stolz der Thumbacher Burschen im Pfarrheim ausstellen.

Fritz Fürk hat sich mit der Geschichte des Vereins befasst. Im Bistum Regensburg gründeten sich ab dem 19. Jahrhundert Burschenvereine. 1903, so ist im Archiv nachzulesen, haben drei Geistliche einen "Dachverband der Katholischen Burschenvereine des Königreichs Bayern" gegründet, um die Ortsvereine zu unterstützen.

Wann der Kirchenthumbacher Verein entstand, verrät das Pfarrarchiv nicht. Fest steht dagegen, dass er sich wie die vergleichbaren Vereine um die Pflege von Tradition und Geselligkeit. Sie organisierten Kirchweihen, Faschingsbälle, musikalische Abende, Theateraufführungen, Johannisfeiern und Sportveranstaltungen kümmerte. All dies findet sich auch auf der Fahne wieder. Die Jahreszahl 1927 auf der Fahne steht vermutlich für das Jahr der Fahnenweihe. Damals wirkte Pfarrer Leonhard Zechmeier in Kirchenthumbach. Ihm lagen das gesellige Leben und die Vereine am Herzen. Ihm zur Seite stand Kaplan Max Iberl. Auf mehreren alten Fotos ist der Kooperator mit Theatergruppen abgebildet. Zechmeier war von 1925 bis 1942 Pfarrer in Kirchenthumbach. Der Bau der Filialkirche in Sassenreuth geht auf seine Initiative zurück.

Nur seriöse Mitglieder

Der Ortsverein legte großem Wert auf seriöse Mitglieder. Nur unbescholtene Burschen nahm er auf. Zum Vorstand zähle immer auch der Präses als Vertreter der Kirche. In der Regel war dies der Ortspfarrer. Die Kirche hatte dadurch viel Einfluss im Verein. Das Gegenstück zum Burschenverein war der Katholische Frauenbund, den es in Kirchenthumbach bis heute gibt.

Weltkriege und Nazi-Diktatur machten es den Burschenvereinen schwer. Junge Männer mussten in den Krieg und die Gleichschaltung bedeutete das vorübergehende Aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sich einige Burschenvereine neu, nicht aber der Dachverband. Stattdessen setzte die Katholische Kirche auf die Katholische Landjugend.

Georg Paulus kann erklären, weshalb die Fahne erhalten ist. Der Fritzl Franz, ein Original, Landwirt und Tubabläser, hat die Fahne im Stroh des Pfarrstadels versteckt. Weder Nazis noch US-Soldaten fanden sie dort. Der Burschenverein lebte wieder auf. Später wurde der Heu- und Strohstadel zum Pfarrsaal mit dem Namen Josefshaus. Pfarrer Josef Bollmann sowie Kaplan Johann Ascherl und vor ihm Pfarrer Leonhard Zechmeier mit Kaplan Max Iberl hielten den Burschenverein hoch. Beim Heimatfest 1951 war er noch aktiv. Die Vereinsmitglieder trugen grüne Baretts mit weißen Federn und marschierten im Festzug mit.

1954 ging der Verein in die Kolpingfamilie über. Daraus entwickelte sich Altkolping, Jungkolping Pfarrjugend und später die Katholische Landjugend. Aber die Burschen hinterließen auch anderweitige Spuren: Aus dem Burschenverein entstand eine Fußballmannschaft, aus der dann die DJK Kirchenthumbach entstand. Als katholischer Verein durfte die Mannschaft im Dritten Reich nicht antreten. Nach dem Krieg gründete sich der Verein als SC neu.

Auf der Bummelwiese

Fotos und Nachweise gibt es von Theateraufführungen des Vereins. Im Saal des Posthalters und im ersten Stock der Knabenschule, der heutigen Sparkasse zeigten sie Stücke wie "Henkerssohn und Zigeunerin", "Die Seemannsbraut" und "Die Räuber von Maria Kulm". Es existiert auch ein Foto der DJK-Mannschaft. Der Sportplatz war auf der Bummelwiese. Heute steht dort das Verwaltungsgebäude der Firma Autoteile Pöllath.
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