19.05.2014 - 00:00 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Keine Revoluzzer: Junge Menschen übernehmen in Gemeinderäten Verantwortung Acht Beine auf dem Boden

Sie sind jung, aber alles andere als wild. Barbara Müller (40) aus Speinshart (Bündnis 90/Die Grünen), Tanja Renner (31) aus Schlammersdorf (CSU), Tobias Lautner (26) aus Vorbach (CSU) und Jan Wiltsch (32) aus Kirchenthumbach (SPD) sind neu in den Gemeinderäten ihrer Heimatorte. Nach Revolution steht aber keinem der vier der Sinn.

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von Autor LYProfil

Wobei: Ein klein wenig ist Tanja Renners Einzug in den Gemeinderat schon ein wenig Revolution. Vor ihr war in Schlammersdorf noch nie eine Frau in dem Gremium vertreten. Und nun haben sie ihre Ratskollegen gleich zur zweiten Bürgermeisterin gewählt. Vorbild für die Blitzkarriere der Realschullehrerin ist ihr Vater Hubert Schneider. Der hatte einst als Bürgermeister kommunalpolitische Verantwortung übernommen. "Ich bin mit der Überzeugung groß geworden, dass man die Welt in einem kleinen überschaubaren Kreis positiv verändern kann."

"An Papa sei Moidl"

Als "an Papa sei Moidl" habe sie sicher vom guten Ruf des Vaters profitiert. Und natürlich werde sie ihn um Rat fragen. Aber natürlich habe sie sich auch selbst informiert, Bücher zur Kommunalpolitik gewälzt. Erst vor einem Jahr ist sie mit ihrem Mann zurück nach Schlammersdorf gezogen. Ganz weg war sie trotz Studiums und Referendariats nie, sagt sie. Im Wahlkampf habe sie speziell Frauen angesprochen, etwa mit einem "Politischen Kaffeeklatsch". Dass diese Strategie zu einem so guten Ergebnis reicht, hätte sie aber nicht geglaubt.

Die Überraschung über die vielen Stimmen verbindet sie mit den andern jungen Neuen:. "Für mich war's überraschend, dass wir mit den Grünen zwei Sitze bekommen haben", sagt Barbara Müller. Grüne Gemeinderäte im schwarzen Klosterdorf waren vor nicht langer Zeit noch undenkbar. Grüne Parteipolitik wolle sie im Gremium aber gar nicht machen. Sie wolle den Stil ändern und Ideen sowie neue Meinungen einbringen. "Viel Spielraum gibt's nicht", weiß die Mitarbeiterin des Landratsamtes. Zur Vorbereitung war sie auf einem kommunalpolitischen Grundlagenseminar der Petra-Kelly-Stiftung.

Zurück in der Heimat

Ähnliches Seminar, andere Partei: Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung hat SPD-Marktgemeinderat Jan Wiltsch sich vorbereitet. Der Historiker, der derzeit promoviert, ist Stipendiat der Stiftung. Erst vor kurzem zog er aus Jena zurück. Hier war er schon immer politisch aktiv, war Juso-Mitgründer in Pressath und Kirchenthumbach. Kurz vor der Geburt des zweiten Kindes zog die Familie in die Nähe der Großeltern. Wiltsch ist überzeugt, dass sein "Super-Wahlergebnis" - von Listenplatz 14 ging es vor auf 5 - mit seinem Vater zu tun hat. Eckhard Wiltsch gehörte 26 Jahre dem Gemeinderat an - allerdings für die Freien Wähler.

Mit 26 Jahren ist Tobias Lautner jüngster Gemeinderat in Vorbach. Die Wahl habe ihn überrascht, vor allem weil er aus Oberbibrach und Vorbach gleichermaßen Zuspruch bekam. "Ich stehe in der Öffentlichkeit mit meiner Band Saggradi, und aus der Arbeit kennen mich auch viele."

Obwohl er seit acht Jahren CSU-Mitglied ist, nennt er sich "einen Frischling, der viel lernen muss". Das Einführungsseminar bei der Hanns-Seidel-Stiftung muss noch ein Jahr besuchen, in Kürze wird er zum ersten Mal Vater, das geht vor.

Familien im Mittelpunkt

Trotz unterschiedlicher politischer Lager: Die jungen Räte haben viel gemeinsam: Familie, Kinder und Jugendliche wollen sie im Gemeinderat in den Mittelpunkt stellen, sei es durch die Mitgliedschaft der Gemeinde Speinshart in der Musikschule Vierstädtedreieck oder den Erhalt von Schule und Kindergarten in Vorbach sowie Kirchenthumbach.

Renner möchte zudem den Radweg von Schlammersdorf bis Eschenbach verlängern. "Dann können die Jugendlichen mit dem Fahrrad zum Rußweiher fahren." Dass sie Probleme hat, sich in der Schlammersdorfer Männerwirtschaft durchzusetzen, befürchtet Renner nicht: "Ich muss in der Arbeit 30 Schüler im Zaum halten, da wird es im Gemeinderat nicht schlimmer sein."

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