06.09.2014 - 00:00 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Rorate-Ämter auf dem "Berg" waren früher eine Buße für alle Besucher Ohne Strom und eiskalt

Mit "300 Jahre Bergkirche" steht derzeit das bedeutendste der Jubiläen, die Kirchenthumbach heuer feiern kann, im Mittelpunkt des örtlichen Geschehens. Ein Festgottesdienst mit Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer am Sonntag, 14. September, ist dabei der kirchliche Höhepunkt. An der Lichterprozession nimmt mit dem Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick ein weiterer Oberhirte teil.

Wer entlang der 14 Kreuzwegstationen zu den adventlichen Rorate-Ämtern ging, tappte völlig im Dunkeln. Eine Beleuchtung erhielt der Weg erst viel später.
von Redaktion OnetzProfil

Zum Geburtstagsfest des Mariahilf-Kirchleins erinnere ich mich an die Zeit Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Wer damals im Advent eines der Rorate-Ämter in der Bergkirche besuchte, hat viel Buße getan. Erst hieß es, früh aus den Federn, da die Gottesdienste schon um 6 Uhr früh begannen, und dann musste man oft durch hohen Schnee stapfen.

Strom gab es im Gotteshaus auch noch nicht. Die Beleuchtung des Wegs entlang der Lindenallee und der Kreuzwegstationen sowie auch eine Straße wurden erst viel später geschaffen.

Hatten Rorate-Besucher schon mit diesen winterlichen Problemen zu kämpfen, so war es für Mitglieder des Kirchenchors noch schlimmer. Beim Schein von Kerzen zu singen, mag romantisch sein, nicht aber in einem eiskalten Gebäude. Noch dazu sparten die Herren Kapläne bei den Rorate-Ämtern nicht mit Weihrauch, was bei einigen Sängerinnen einen Hustenreiz auslöste.

Läuten für Kaugummi

Wir "Nachwuchskräfte" des Chors (Josef Schuller, Siegfried Iberl, Ludwig Lindner und ich) waren stolz, bei diesen Rorate-Ämtern mitsingen zu dürfen. Von den erfahrenen Sängern waren wir damals nur geduldet, weil "es in der Bergkirche net so auffällt, wenn da a mal a paar falsche Töne drunter san", sagte unser Chorregent einmal. Doch bald waren wir fester Bestandteil des Ensembles.

Da es an Strom mangelte, war für die Orgel ein "Blasbalgtreter" nötig. Diese Arbeit hat uns Jungen besser gefallen als die lateinischen Messen. Auch hat sie im eisigen Kirchlein schön warm gehalten.

Die Empore hatte hinter der Orgel noch eine Besonderheit zu bieten. Dort hingen die Seile zum Läuten der Glocken herab. Zwei Ministranten mussten dazu auf die Empore. Die "Lausbuben Gottes" bewiesen uns dabei, dass sie nicht nur das "Suscipiat Dominus" runterrasseln konnten, sondern auch ziemlich schlaue Geschäftsleute waren und uns den Glöckner-Dienst schon mal für einen Kaugummi verkauft haben.

Waren Rorate-Ämter schon sehr gut besucht, so bekam man bei den Maiandachten, wenn man nicht frühzeitig im Kirchlein war, nur noch Stehplätze. Wir Kinder mussten sowieso in den Altarraum, links die Mädchen, rechts die Buben. Wöchentlich dreimal war in der Bergkirche Maiandacht, oft mit dem Kirchenchor. Eines der Lieder, an das ich mich noch gut erinnere, "Blick vom Himmelsthron, dem Reinen, o Maria nur einmal", hatte ein Tenorsolo, das Anton Böhm (Saler-Toni) immer gesungen hat.

Zündeln statt beten

Als Kinder freute uns am Bergfest besonders die Lichterprozession, aber nicht wegen des Betens und Singens. Wichtiger waren die Kerzen mit den rot-, blau- und gelbleuchtenden Lampions. Weil unterwegs viel gezündelt wurde, hatte manches Kind bei der Ankunft auf dem Berg nur noch ein Fragment seines schönen Lampions in der Hand. Als die Predigt und die Andacht beendet waren, blieb nur noch ein Kerzenstummel übrig.

Weil jedes Patrozinium mit einer weltlichen Kirchwa verbunden ist, wurde auch beim Patrozinium der Bergkirche Kirchwa gefeiert, die "Krawan-Kirwa", benannt nach Kirchenthumbachs Ortsteil rechts des Thumbachs ("Krawandorf"). Direkt am Thumbach standen die Hafenkneipe von Alois Friedl senior ("Melber Alois") und die "Bayerische Ostmark", Wirtin war die "Maurers Toni". Die "Bayerische Ostmark" ist jetzt ein Wohnhaus, die "Hafenkneipe" wurde abgerissen.

Die "Krawandorfer Kirwa" ist trotzdem nicht untergegangen. Alois Friedl junior und Ehefrau Sandra halten sie in der neuen "Hafenkneipe" in der Görglaser Straße ebenso in Ehren wie Franz Sporer im Heberbräu in der Auerbacher Straße.

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