16.08.2014 - 00:00 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Thumbacher Märkte in früherer Zeit - Nachforschungen im Staatsarchiv "Gut Salben für die Läus, gut Pulver für die Mäus"

Den geschichtlichen Aufzeichnungen von Pfarrer Paulinus Fröhlich nach hat der deutsche Kaiser und böhmische König Karl IV. das Dorf Kirchenthumbach zum Markt erhoben und ihn mit zahlreichen Rechten und Freiheiten ausgestattet. Nachforschungen in jüngster Zeit haben allerdings ergeben, dass es nicht der böhmische König gewesen sein kann: Bisher wurde keine Urkunde gefunden.

Der Kirchweihmarkt in Kirchenthumbach vor 50 Jahren: Im Hintergrund ist die alte Pfarrkirche zu sehen, vorne der BMW-Kleinwagen von Sepp Rauch. Der junge Mann in kurzer Hose (links dahinter) ist Georg Lehner. Bild: ü
von Autor ÜProfil

Vor allem Norbert Wilterius, Michael Biersack und Fritz Fürk sind "an der Sache dran". Ihre Forschungen im Staatsarchiv Amberg sind bislang aber ohne Ergebnis geblieben.

Laut Fröhlich wird der Ort "Thumbach" neben Auerbach, Eschenbach, Parkstein und Weiden namentlich als Besitz aufgeführt, den Karl IV. seiner Tochter Margaretha als Heiratsgut gab, als sie 1375 Johann von Nürnberg, später Burggraf von Nürnberg und Markgraf von Brandenburg-Kulmbach, heiratete.

Wie dem auch sei: Mit der Verleihung des Marktrechts oder des Kaufleuterechts war natürlich in erster Linie das Recht zur Abhaltung von Märkten, kurz Marktsiegel, verbunden. In Zusammenhang damit stand die Ausstattung des Orts und seiner Umgebung mit dem "Königsfrieden".

Marktschreier in Aktion

Kirchenthumbach wurde jährlich mit drei Kirchweihen, drei Rossmärkten und einem Wochenmarkt privilegiert. Die Kirchweihen waren festgesetzt auf den Sonntag "Misericordias Domini" (zweiter Sonntag nach Ostern ), den Sonntag "Vocem Jucunditatis" (Sonntag nach der Kreuzwoche) und auf den Sonntag vor Sankt Bartholomä. Ein Kirchweihstandgeld ist für Kirchenthumbach im Jahr 1627 zum ersten Mal erwähnt.

Der Markt begann um 10 Uhr; ein Glockenzeichen kündete den Beginn an und die Marktschreier traten in Aktion. "Kommt herbei, kommt herbei, ich hab gute Arznei. Für die Feul (Fieber) und das Zipperlein. Für die blau Husten und Weinstein. Für die Eifersucht und das Sehnen. Für laufend Ohr, Krämpf und bös Zähnen. Dazu mancherlei Würz ich han: Ragwurz sonst und Enzian. Ich hab gut Salben für die Läus, gut Pulver für die Ratzen und Mäus. Und hab auch für die Flöh gute Schmer. Darum wohl her, darum wohl her!"

Auf den Thumbacher Märkten wurde früher auch viel Unfug zum Kauf angeboten. Eine bayrische Verordnung vom 12. August 1692 warnte: "Bei den gewöhnlichen Jahr- und anderen Jahrmärkten werden allerhand leichtfertige, buhlerische, unehrbare, ärgerliche Gesänge, Bilder, Büchlein in Menge in unser Land hineingebracht und ohne Scheu zum öffentlichen Verkauf vorgelegt - zum endlichen Verderben der Jugend. Auf den Märkten sollt ihr emsig und genau Obacht halten und den Krämern solche hinweg nehmen."

"Leibesstrafe" für Rauferei

Zum Zeichen, dass dem Markt der "Königsfriede" zukam, waren für alle sichtbar auf einem öffentlichen Platz einige Symbole - zum Beispiel ein Kreuz oder der Handschuh des Kaisers - ausgestellt. Solche Zeichen wurden "Marktfreyten" genannt.

In alten Unterlagen ist zudem nachzulesen, dass - obwohl "der Herr Pfarrer das Raufen und Saufen in der Predigt verboten hat" - Johann Schleicher aus Menzlasreuth den Kirchweihfrieden gebrochen hat, indem er eine Rauferei anzettelte. Dafür wurde er mit einer "Leibesstrafe" belegt. Außerdem musste er 40 Gulden und 14 Kreuzer Bußgeld zahlen.

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