03.04.2017 - 21:02 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Kirchenthumbacher Markträte entsetzt Standesamt vor der Scheidung

In keinem anderen Amt liegen Freud und Leid so nah beisammen wie im Standesamt. Geburten werden dort ebenso beurkundet wie Todesfälle. Beides soll bald in Kirchenthumbach nicht mehr möglich sein. Einige Markträte sind entsetzt und laufen dagegen Sturm.

Wie lange kann man im Rathaus in Kirchenthumbach noch Geburten und Todesfälle beurkunden lassen? Bild: rfü
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Bürgermeister Jürgen Kürzinger (SPD) als Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach hat den Punkt am Donnerstag, 6. April, auf die öffentliche Tagesordnung der Gemeinschaftsversammlung gesetzt. Der Vorsitzende möchte, dass die Aufgaben des Standesamtes an die VG Eschenbach übertragen werden.

Mitarbeiterin wechselt

Den Stein ins Rollen gebracht hat dem Vernehmen nach eine langjährige Mitarbeiterin aus dem Standesamt der VG Kirchenthumbach, die nach 38 Jahren Dienstzeit gekündigt hat und zur VG nach Pressath wechselt. Damit müsste die VG sich auf die Suche nach einer neuen zweiten Kraft im Standesamt machen. Die drei Gemeindechefs liebäugeln stattdessen damit, die Gunst der Stunde zu nutzen und Aufgaben an das Standesamt nach Eschenbach zu übertragen. Mit der vorgeschlagenen Vereinbarung könnten die Mitgliedsgemeinden Synergieeffekte nutzen und eine ganze Ecke sparen. Dem Vernehmen nach rund 25 000 Euro im Jahr allein an Personalkosten.

Unter einigen Kirchenthumbacher Markträten sorgt diese Information für helle Aufregung. Die Fraktionen der SPD und der CWG haben postwendend Eilanträge formuliert, in denen sie Bürgermeister Kürzinger auffordern, das Thema zuerst im Kirchenthumbacher Marktrat zu behandeln. Der tagt am Mittwoch, 5. April.

Die CWG- und SPD-Räte sind nach eigener Auskunft aus allen Wolken gefallen, als sie von den Plänen erfuhren und wollen die Umsetzung verhindern. Die CWG wettert in einer Pressemitteilung über eine "Nacht- und Nebelaktion" und sieht darin einen "Ausverkauf der Kommune". Die Rathauspolitik finde "in hintersten Nebenzimmern, selbst unter Ausschluss der Öffentlichkeit" statt. Das Thema komme für den Marktgemeinderat Kirchenthumbach völlig überraschend und sei bisher in keinster Weise behandelt, diskutiert oder beschlossen worden.

Muss es wohl auch nicht. Beim Standesamt handle es sich um Aufgaben des übertragenen Wirkungskreises, über die nicht ein Gemeinde- oder Marktrat entscheide, weiß der Vorbacher Bürgermeister Werner Roder (FWG), der ein klarer Verfechter der Übertragung ist. Die Zahlen sprächen für sich, so der Vorbacher Gemeindechef. In den vergangenen beiden Jahren seien im Schnitt nur noch je 16 Sterbefälle pro Jahr bekundet worden. Geburt habe es die vergangenen beiden Jahre nur eine einzige gegeben. Der Grund sei ganz einfach, dass die Beurkundungen jeweils in dem Ort erfolgen, in dem ein Kind geboren wird beziehungsweise ein Einwohner stirbt. Das seien meist die Krankenhausstandorte.

Nach einer kritischen Betrachtung der standesamtlichen Beurkundungen sei unter den derzeitigen Vorzeichen eine Übertragung nach Eschenbach die beste Lösung. "Der Bürger wird davon kaum etwas merken", ist Roder sicher. Urkunden könnten auch telefonisch angefordert werden. Und heiraten könnten die Leute doch weiter bei "ihrem" Bürgermeister. Die Vorteile lägen auf der Hand.

Synergieeffekte nutzen

Schützenhilfe gibt es auch aus Schlammersdorf. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", fragt der dortige Bürgermeisterkollege Gerhard Löckler (UWG). Er hat seinen Gemeinderat vor einer Woche über die geplante Übertragung informiert. Die Ankündigung habe keine Proteste ausgelöst. Die Vereinbarung sei ein Gebot der Stunde. Die Kommunen seien angehalten, Synergieeffekte zu nutzen. In Kirchenthumbach biete sich diese Zusammenlegung geradezu an.

Das Standesamt in Eschenbach hatte in den vergangenen Monaten schon mehrfach krankheitsbedingt die Vertretung für Kirchenthumbach übernommen. Allerdings fanden da regelmäßige Standesamtstermine in Kirchenthumbach statt. Das soll künftig nicht mehr der Fall sein.

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