08.05.2017 - 20:00 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

75 Jahre Kirche St. Georg: Bischof würdigt Pfarrer Zechmeier am "Gute-Hirte-Sonntag" als ... Den Hirtendienst ernst nehmen

"Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land", sangen die Gläubigen beim Einzug der Zelebranten mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer an der Spitze. Der Pontifikalgottesdienst zum Jubiläum der Kirche St. Georg wurde zu einem großen Glaubensbekenntnis - wie vor Jahrzehnten der Sakralbau selbst: Das schlichte Gotteshaus war im Dritten Reich errichtet worden.

Ganz Sassenreuth war am Sonntag auf den Beinen: Zusammen mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feierten Dorf- und Pfarrgemeinde das 75-jährige Bestehen der in der Zeit des Nationalsozialismus errichteten Kirche St. Georg. Dem Pontifikalgottesdienst ging ein Zug vom Feuerwehrhaus zur Kirche voraus, den die Blaskapelle Kirchenthumbach und die kirchlichen Würdenträger anführten. Bilder: ü (2)
von Autor ÜProfil

Sassenreuth. Das Kirchenjubiläum wird nicht unter der Rubrik "Normalität" in den Geschichtsbüchern Platz finden. Vor 80 Jahren wurde die Idee des Kirchenbaus geboren, vor 75 Jahren die Filialkirche Sassenreuth geweiht. Für Bischof Dr. Rudolf Voderholzer war dies Anlass, zu einem Pastoralbesuch in das Dorf zu kommen - zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. Die Eucharistiefeier zelebrierte der Regensburger Oberhirte zusammen mit Pater Dr. Benedikt Röder und Diakon Frater Johannes Bosco vom Kloster Speinshart.

In seiner Begrüßung ging Pater Benedikt kurz auf die Baugeschichte ein, stellt doch die Sassenreuther St.-Georg-Kirche im Bistum Regensburg eine Besonderheit dar. Unter schwierigsten Umständen habe sich Pfarrer Leonhard Zechmeier damals an den Kirchenbau gewagt, betonte Röder. Er sei ein ausgesprochen mutiger Bekenner für seinen Glauben gewesen und habe den Konflikt mit den Nazis nicht gescheut. Zusammen mit der Unterstützung und tatkräftigen Hilfe vieler Gemeindemitglieder habe er den Kirchenbau in schwerer Zeit gemeistert. Seiner Hartnäckigkeit sei es zu verdanken gewesen, dass das Bauwerk vollendet werden konnte.

Am 4. Oktober 1942 im Alter von nur 63 Jahren gestorben, habe Zechmeier die Einweihung nicht mehr erleben können. Auf seinem Sterbebild finde sich, berichtete Röder, ein Wort des Apostel Paulus aus dem zweiten Brief an Timotheus: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im Übrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt."

In seiner bewegenden Predigt erklärte der volksnahe Bischof, dass er schon vor drei Jahren bei seinem Pastoralbesuch beeindruckt von der Kirche gewesen sei. Dass er jetzt wieder Sassenreuth besuche, sei eine Wertschätzung für das kleine Gotteshaus und die gesamte Pfarrgemeinde.

Herzblut vergossen

In Anbetracht der Tatsache, dass sein Pastoralbesuch auf den "Gute-Hirte-Sonntag" fiel, spannte Voderholzer einen Bogen zu Pfarrer Leonhard Zechmeier, der ebenfalls ein guter Hirte gewesen sei. Er nannte ihn einen mutigen Mann, der sein Herzblut für den Kirchenbau vergossen habe. Dieser sei in Deutschland einmalig, und man könne nur staunen, wie Zechmeier dies alles bewerkstelligt habe. Wahrscheinlich sei der "angekratzte gesundheitliche Zustand" des Geistlichen der Grund gewesen, dass dieser nicht im Konzentrationslager gelandet sei.

Keimzelle des Glaubens

Den Menschen vor 75 Jahren sei es wichtig gewesen, einen Ort zu schaffen, an dem Religionsunterricht erteilt werden konnte, blickte der Festprediger zurück. Jetzt könne man das gute Miteinander zwischen Staat und Kirche genießen. Dafür gelte es, dankbar zu sein.

Die Gläubigen bat der Bischof, den Hirtendienst ernst zu nehmen. Auch in der Pfarrei Kirchenthumbach übten viele Laien einen qualifizierten Hirtendienst aus. Eltern und Großeltern seien ebenfalls Hirten, wenn sie ihre Kinder und Enkel zu christlichen Menschen erziehen. Die Familie sei die Keimzelle des christlichen Glaubens, hob Voderholzer hervor.

Musikalisch gestaltet wurde der Pontifikalgottesdienst von der Blaskapelle Kirchenthumbach unter Stabführung von Jürgen Böhme mit Stücken aus der Schubert-Messe. Das Harmonium spielte Kirchenmusiker Herbert Frauenhofer. Der Gottesdienst wurde via modernster Technik in Bild und Ton ins Festzelt und ins Freie übertragen. Die Kosten dafür übernahm die Sassenreuther Wehr.

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