Eine Erstkommunion vor 70 Jahren - Erinnerungen
Gut genährt zur Dankandacht

Mit einer mit "Butterwährung" bezahlten Kommunionkerze, in einem Anzug mit kurzer Hose, in schwarzen Strümpfen und mit weißen Handschuhen: So musste ich mich bei meiner Erstkommunion 1947 widerwillig fotografieren lassen. Bilder: gpa (2)
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Kirchenthumbach
21.04.2017
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Pfarrer Josef Bollmann war nicht nur ein gütiger Priester: Er riskierte auch klare Worte gegenüber Nazis, schuf mit dem damaligen "Josefshaus" für Jahre ein kulturelles Pfarrzentrum, einen Ballsaal und war außerdem der Regisseur amüsanter Theaterstücke.

Der Vater in Gefangenschaft, die Kommunionkerze mit "Butterwährung" bezahlt. Zum Mittagessen einen Gockel und Guglhupf zum Malzkaffee: Das war vor 70 Jahren das Festmenü am Weißen Sonntag. Ein Erstkommunionkind von damals erinnert sich - und zieht Vergleiche zu heute.

In einem festlichen Gottesdienst am Weißen Sonntag oder an einem der Sonntage darauf empfangen jedes Jahr viele Kinder zum ersten Mal den Leib des Herrn. Nach der kirchlichen Feier dieses ersten Höhepunkts in ihrem Leben, folgt die weltliche Feier im Familienkreis und mit Verwandten - manchmal auch mit befreundeten Familien, oft sogar Geschäftspartnern.

Weil das Feiern zu Hause aus Platzgründen oft nicht möglich ist, weicht die Festgesellschaft gern in einen Gasthof aus. Um überhaupt einen Platz zu bekommen, muss dort oft weit im Voraus bestellt werden. Wenn in diesen Tagen "Geschlossene Gesellschaft" am Eingang so manches Lokales zu lesen ist, denke ich an den Weißen Sonntag des Jahres 1947 zurück. Damals war ich eines der noch sehr vielen Kirchenthumbacher Erstkommunionkinder - und damals war alles anders als jetzt, 70 Jahre später: sowohl bei der Vorbereitung des großen Tages, als auch bei der Feier danach.

1944, gegen Ende des Dritten Reiches eingeschult, war Pfarrer i. R. Dr. Dr. Karl Adolph unser Religionslehrer. Der "Doktorpfarrer", wie er bei uns genannt wurde, war im Rheinland ausgebombt worden und hatte bei Pfarrer Josef Bollmann im Pfarrhof Kirchenthumbach eine neue Heimat gefunden. Sein "Religionsunterricht" bei uns bestand aus einer Geschichte von Karl May: "Im Lande des Mahdi".

Ab September 1945 war in der zweiten Klasse der Prämonstratenserpater Josef Ubl unser strenger Religionslehrer und ab 1946 wurden wir von Pfarrer Josef Bollmann auf die Erstkommunion vorbereitet. Der Katechismus war sein Unterrichtsmaterial, aus dem er uns vortrug und uns gezielt von Eucharistie und Beichte erzählte. "Das nächste Mal frag ich euch aus. Wehe, wenn ihr nichts gelernt habt, dann könnt's was erleben", drohte er. Weil er dann aber in der nächsten Stunde und auch in der übernächsten nie jemanden ausgefragt hat, hat wahrscheinlich keiner aus der ganzen Klasse aus dem Katechismus gelernt.

Der Ernst des Lebens begann einige Wochen vor dem Weißen Sonntag mit dem Beichtunterricht. Von unserer Erstbeichte, die wir bei Pfarrer Bollmann ablegten, weiß ich noch, dass er uns in der nächsten Religionsstunde für die gute Erforschung unseres Gewissens und das Sündenbekenntnis lobte. Wir müssten keine Angst vor dem Beichten haben.

Probe mit Mädchenschule

Interessant wurde unser Erstkommunionunterricht einige Tage vor dem großen Tag: Zum Proben rückte damals die dritte Klasse der Mädchenschule mit Fräulein Fromeier, ihrer strengen Lehrerin, in der Pfarrkirche an. Gemeinsam übten wir unter der Leitung des Pfarrers die Platzordnung und das Schreiten zum Empfang der Kommunion.

Nach dem Willen Bollmanns sollte immer ein Mädchen von der "Weiberseite" zusammen mit einem Buben, der von der "Männerseite" kam, an die damals noch übliche Kommunionbank zum Empfang der geweilten Hostie treten. Es dauerte, bis alles so klappte, wie es unser Pfarrer wollte. "Merkt's eich eiern Platz, macht's ma koa Schand", schärfte er allen ein. Obwohl wir nur widerwillig mit einem Mädchen an der Seite mitmachten, hat alles geklappt. Schwerstarbeit musste auch Mesner Alois Sporer vor dem Festtag leisten: Um für die vielen Kinder das Gestänge für die Kommunionkerzen anzubringen, benötigte er viel Geschick.

Gockel und Guglhupf

Wie bei anderen Erstkommunionkindern auch verliefen zu Hause die Vorbereitungen auf den großen Tag ohne den Vater: Entweder war er gefallen oder, wie meiner, noch in Gefangenschaft. Zusammen mit mir feierte eine Cousine Erstkommunion. In Hannover bei einem Bombenangriff obdachlos geworden, hatte ihre Mutter mit den beiden Kindern bei uns Unterschlupf gesucht. Der Ehemann, ein Bruder meiner Mutter, galt im Osten als vermisst. Obwohl unsere Väter fehlten, sollten wir nach dem Willen meiner Mutter und der Tante einen Tag haben, an den wir später einmal gerne denken.

Es wurde auch ein schöner Tag - unter anderem weil ein Verwandter, mein späterer Firmpate, einen Gockel spendiert hatte. Gefüllt und gebraten, mit Knödeln und viel Soße serviert, dazu am Nachmittag einen Guglhupf zum Malzkaffee: Es war für uns Erstkommunionkinder, die Mütter, Geschwister und Omas wirklich ein Tag, den wir alle nicht vergessen haben. Gut genährt schafften wir auch die Andacht, zu der damals noch am Nachmittag in einer Prozession über die Kreuzwegstufen die Bergkirche erklommen werden musste. Das Verteilen der Erinnerungsbilder dort beendete die Feier.

Andere Geschenke oder gar einen Kommunionausflug gab es nicht, das gute Festessen war uns Lohn genug. Beim Vergleich mit jetzigen Erstkommunionfeiern hätte ich mir nur gewünscht, dass es damals schon die weißen Kutten gegeben hätte. Den Eltern wären manche Kosten erspart geblieben.
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