23.03.2018 - 16:52 Uhr
Kirchenthumbach

Erinnerungen an Hans Schuller Bestimmter Bürgermeister

Es ist jetzt 80 beziehungsweise 70 Jahre her. Für Kirchenthumbach sind es zwei historische Ereignisse, die sich damals - 1938 und 1948 - zugetragen haben.

Bürgermeister Hans Schuller verstand es auch, mit dem Taktstock umzugehen. Bilder: Privatarchiv Fritz Fürk (3)
von Autor ÜProfil

Vor 70 Jahren wurde Hans Schuller (CSU) zum ersten Bürgermeister des Markts Kirchenthumbach und zugleich in den Kreistag des Landkreises Eschenbach gewählt. Bereits zehn Jahre vorher, im Jahr 1938, wählten die Bürger der Gemeinde Treinreuth Hans Schuller, genannt "Blechmüller", zum Bürgermeister. Der Landgemeinde Treinreuth gehörten alle Orte um Kirchenthumbach an: Treinreuth, Ernstfeld, Sommerau, Röthenlohe, Oberröthenlohe, Görglas, Asbach, Burggrub, Fronlohe, Haselmühle und Zinnschacht sowie Grünthannmühle und Blechmühle.

Durch Anordnung von oben und unter Druck der US-Militärregierung, wurden die Gemeinden Treinreuth und Metzenhof 1945 in den Markt Kirchenthumbach eingegliedert. Doch die Bewohner dieser kleinen Orte wollten sich mit der Eingemeindung nicht anfreunden. Sie machten es ihrem einstigen Bürgermeister Schuller nicht leicht, der plötzlich zwischen zwei Stühlen saß. Sie forderten die Wiederherstellung der Autonomie der zwei Gemeinden.

Zu Amt verpflichtet

Ein Grund: In der Gemeinde Kirchenthumbach war die Grundsteuer ein paar Pfennige höher als in den früheren Gemeinden Treinreuth und Metzenhof. Das Ansinnen endete schließlich beim Verwaltungsgerichtshof in München, jedoch ohne Erfolg. Auch das Bayerische Innenministerium lehnte eine Rückführung in die Selbständigkeit ab. Der Kirchenthumbacher Gemeinderat hatte zunächst Verständnis und ließ 1952 eine Abstimmung zu.

Stimmberechtigt waren 354 Bürger, 246 Stimmen wurden abgegeben, davon votierten 213 mit "Ja" und somit für die erneute Unabhängigkeit, 33 stimmten mit "Nein". Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof stellte unter anderem fest: "Das Gebiet der Gemeinde Kirchenthumbach ist gesetzlich geschützt. Die Änderung steht - unter der genannten Voraussetzung - ausschließlich dem Staatsministerium des Inneren zu."

Bürgermeister Schuller teilte dem Landratsamt mit: "Verwaltungsmäßig gesehen ist der Markt Kirchenthumbach der Mittelpunkt der neu zu bildenden Gemeinde. Wie die Jahre seit der Eingemeindung gezeigt haben, hat sich der größte Teil der früheren Gemeindebürger bereits mit dieser Tatsache abgefunden, um so mehr als ein Bürger der früheren Gemeinde Treinreuth nunmehr schon in der 2. Amtsperiode Bürgermeister von Kirchenthumbach ist. Die Ausgemeindung aus Kirchenthumbach wird nur von einigen rückständigen Einwohnern der früheren Gemeinden Treinreuth und Metzenhof betrieben, welche der Meinung sind, dass sie bei Selbständigkeit weniger Grundsteuern zu zahlen hätten." Damit war das Thema vom Tisch.

Schullers politische Laufbahn begann schon in jungen Jahren. 1938 wurde er Bürgermeister der Gemeinde Treinreuth, dieses Amt übte er bis zu seiner Einberufung zum Kriegsdienst aus. Im Mai 1948 wurde Schuller in den Kreistag des Landkreises Eschenbach gewählt.

Am 20. Mai 1948 wurde er von Gemeindewahlleiter Josef Albersdorfer (Schlattermüller) in die Gemeindekanzlei Kirchenthumbach bestellt. Dort eröffnete ihm Albersdorfer, dass er am 10. Mai 1948 als Bürgermeister der Großgemeinde Kirchenthumbach gewählt worden ist. Nachdem er die Annahme der Wahl zweimal abgelehnt hatte, wurde er zum Amtsantritt und Übernahme der Bürgermeistergeschäfte verpflichtet.

In die Ära Schullers fiel der schwere Wiederaufbau der Gemeinde, vor allem der desolaten Infrastruktur. In seinem Rechenschaftsbericht für den Zeitraum 1948 bis 1952 schrieb Schuller unter anderem: "Durch die Währungsreform am 2. Juni 1948 wurden die Barmittel der Gemeinde restlos entwertet. An Erstausstattung erhielt die Gemeinde 3740 Mark. Gezwungen durch die bevorstehende Pflasterung der Ortsein- und Durchfahrten durch das Straßen- und Flussbauamt, musste die Marktverwaltung an das schon längst notwendige Problem einer Kanalisation herangehen."

"Daneben drängte die schon seit Jahren ungenügende Wasserversorgung des Marktes zur Inangriffnahme des Baues einer ausreichenden Wasserversorgungsanlage." Im Sommer 1951 feierten die Kirchenthumbacher unter Federführung von Bürgermeister Schuller eine Woche lang die 1200-Jahr-Feier der Gemeinde.

Tod durch Herzinfarkt

Am 24. Oktober 1954 wurde Hans Schuller kurz vor seinem 44. Geburtstag durch einen Herzinfarkt aus dem Leben gerissen. Schuller hinterließ seine Frau Anni und fünf kleine Kinder. Zu Schullers Nachfolger auf dem Rathaussessel wählten die Kirchenthumbacher Alois Lotter.

Hans Schuller war nicht nur ein engagierter Bürgermeister, er war auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Raiffeisenbank. Er bekleidete ferner das Amt des ersten Vorsitzenden des Verbandes der Landgemeinden. Zudem war er Kreisvorsitzender des Rot-Kreuz-Verbandes Eschenbach, Obermeister der Müllerinnung und Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes.

Unfall mit Zug

Am 14. Mai 1952 stockte den Bürgern von Kirchenthumbach der Atem: In den Morgenstunden fuhr Hans Schuller mit seinem "Brotlieferauto" nach Kirchenthumbach, um seine Kinder in den Kindergarten zu bringen. Beim Überqueren der Gleise in der Eschenbacher Straße erfasste ein Zug den Lieferwagen. Im Auto saßen Schullers Kinder Rosi (fünf Jahre), Anni (drei Jahre) und Hans (vier Jahre).

Bürgermeister Hans Schuller erlitt einen Oberschenkelhalsbruch, Tochter Rosi einen mehrfachen Armbruch. Verletzt wurden auch Tochter Anni und Sohn Hans. Wie sich bei der Unfallaufnahme herausstellte, war die Sicht durch eine Hecke in Richtung Eschenbach stark eingeschränkt. Hinzu kam, dass der Zug verspätet in den Bahnhof Kirchenthumbach eingefahren war. Der Bahnübergang hatte damals weder eine Blinkanlage noch eine Schranke. (ü)

Hans Schuller

Hans Schuller erblickte am 3. Dezember 1910 in Blechmühle als ältester Sohn der Mühl- und Bäckereibesitzer-Eheleute Georg und Margarete Schuller, geborene Röger, das Licht der Welt. 1917 bis 1924 besuchte er die Volks-, später die Volksfortbildungsschule in Kirchenthumbach. Nach der Schule lernte er das Müller- und später auch das Bäckerhandwerk bei seinem Vater. Es folgten in beiden Berufen die Meisterprüfungen. Zur Wehrmacht wurde Hans Schuller am 28. Februar 1943 eingezogen. Nach einem Kriegseinsatz in Norwegen geriet er in französische Gefangenschaft, aus der er am 20. März 1946 entlassen wurde. (ü)

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