12.02.2018 - 20:10 Uhr
Kirchenthumbach

Faschingsvergnügen der besonderen Art: das Gaudispiel 1963 Nix für "Weicheier": Das "Match im Matsch"

Es ist 55 Jahre her. Am Faschingssonntag 1963 wird ein Fußballspiel der besonderen Art ausgetragen. Auf dem zugefüllten Nickelseeweiher, dem heutigen Sportgelände, treten um 14 Uhr bei kaltem "Sauwetter" Bleichgesichter in Frauenkostümen gegen eine Mannschaft des schwarzen Kontinents an.

Einem besonderen Faschingsvergnügen stellten sich 1963 etliche unerschrockene Kirchenthumbacher. Das Archivbild zeigt, soweit erkennbar: (von links) Georg Paulus, Manfred Ibel, Martin Kohl, Georg Kausler (gest.), Fritz Fürk, Reinhold Bernhardt, Ludwig Schneider (gest.), Josef Kellner, Franz Schusser, Lorenz Kraus, Roland Lohner, Rainer Pfennig, Georg Bernhardt und Alfons Kausler. Andeutungsweise sind hinten zu sehen: Gerd Höllering, Josef Seidl und Georg Lehner (gest.). Bild: Archiv Fritz Fürk
von Autor ÜProfil

Eingefärbt waren die Spieler wahlweise mit Ruß oder mit Schuhcreme der Marke Nigrin. Schiedsrichter der Faschingsgaudi waren Georg Paulus und Manfred Ibel. Um die Neutralität auch nach außen hin zu dokumentieren, waren ihre Gesichter zur Hälfe schwarz gefärbt. Paulus leitete die Partie mit einem Chapeau claque, Ibel mit einem Stetson. Das Spiel des Jahres wurde beim Stande von 3:3 abgepfiffen.

Der im Werden befindliche Sportplatz verfügte über keinen einzigen Grashalm, wohl aber über Morast und Steine. Entsprechend sahen die Spieler nach 90 Spielminuten auch aus. Nach dem "Match im Matsch" fand die Säuberung von Körper und Klamotten mangels Duschen etc. in der Waschküche des Gasthofes Thumbeck statt. Dort spritzte man sich gegenseitig mit einem Gartenschlauch, aus dem eiskaltes Wasser kam, den Deck runter. Manche gingen auch nach Hause und setzten sich, soweit vorhanden, in die Badewanne. Aber auch da war das Wasser meist kalt.

Das größte Problem war, die Schminke wieder aus dem Gesicht zu bringen. Doch mit Feuerzeugbenzin oder grobkörniger Handwaschpaste, bestehend aus Schmierseife und Sägemehl, ließen sich hartnäckiger Ruß und Schuhcreme einigermaßen entfernen.

Dazu ist auch wichtig zu wissen: Erkältungen, wie Schnupfen, Husten oder Heiserkeit, gab es damals nicht. Und wenn bei dem ein oder anderen das Immunsystem geschwächelt hat, wurde dieses mit einem Schluck Melissengeist von Oma oder einem Stamperl Schnaps von Opa repariert. Schon damals galt: Lieber eine rote Nase vom Schnaps als vom "Katar". "Weicheier" und "Warmduscher" hatten zur damaligen Zeit auf den Fußballplätzen nichts zu suchen. Die saßen mit langen Unterhosen daheim bei Mama und spielten "Halma" oder "Mensch ärgere dich nicht". Ja, so war's!

Die Faschingsgaudi wurde nach dem Spiel fortgesetzt mit einem gemütlichen Beisammensein im Vereinslokal beim "Landrichter-Schorsch" (Gasthof Thumbeck). Das Seidl Bier kostete zur damaligen Zeit übrigens 55 Pfennige.

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