28.02.2018 - 20:00 Uhr
Kirchenthumbach

Klirrende Kälte und meterhohe Schneemassen: Wie's früher im Winter war "Dumba" auf Eis

Klirrende Kälte von minus 20 Grad und meterhohe Schneemassen: Das, was heute als außergewöhnlich erscheint, war früher an der Tagesordnung. In Zeiten ohne Zentralheizung erstarrte alles zu Eis, was mit Wasser zu tun hatte. Frost und Kälte wurden manchmal allerdings auch heiß ersehnt: Bei den Brauereien war die Freude groß, ebenso bei Kindern und Wintersportlern.

Blieb der Lastwagen von Josef Weiß in den Schneemassen stecken, mussten von der Gemeinde verpflichtete Männer das Fahrzeug ausschaufeln.
von Autor ÜProfil

Um dem Schneechaos Herr zu werden, setzte die Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg die Arbeitslosen zum Schneeräumen ein. Der Lohn dafür war eher bescheiden, zumal die Gemeindekasse als Folge der Währungsreform leer war. Aber auch einfache Schneepflüge wurden verwendet. Dabei handelte es sich um V-förmige Holzgestelle, die von Pferden gezogen wurden. Später kam ein Lastwagen der Firma Prüschenk zum Einsatz, den Josef Weiß steuerte. Blieb der Lkw stecken, musste er mit Schaufeln aus der misslichen Lage befreit werden.

Auf der anderen Seite konnten die Brauereien endlich Eis für ihre Eiskeller brechen und mit Pferdefuhrwerken nach Hause fahren. Die Eisschollen vom Nickelsee und vom Rußweiher waren unbedingt notwendig, damit der Gerstensaft auch im Sommer ein Hochgenuss war. Dass das Eis so lange lagerfähig war, war den dicken Mauern und der Dachisolierung der Keller zu verdanken: Als Dämmung diente eine etwa halbe Meter dicke Humusschicht. Der Eiskeller der Brauerei Dobmann, der sieben Meter tief war, wurde 1988 zugeschüttet.

Bei knackigen Wintern jubelten Kinder und Wintersportler in "Dumba" ebenfalls. Auf den Weihern wuselte es nur so. Die Jugendlichen spielten Eishockey, wobei die Schläger aus Haselnussstecken bestanden und der Puck eine flach getretene Blechdose der Marke Bärenmilch war. Körperschutz kannte man damals nicht, wohl aber blaue Augen. Um Verletzungen kümmerte sich der "Doktor Schneider", der seine Praxis in der Lettengasse hatte und beispielsweise Risswunden wieder zusammennähte. Gejammert wurde dabei nicht, die Meinung war: "A Gscheida halt's aus."

Dachlatte als "Taube"

Hinzu kamen die Eisstockschützen, die ihr Domizil auf dem Nickelseeweiher eingerichtet hatten. Die Eisstöcke waren gedrechselt und handgefertigt, bevorzugt aus Kirschbaumholz. Die notwendigen Eisenringe zogen die Schmieden Lehner und Zeitlmann auf. Als "Taube" diente ein Stück Dachlatte. Gespielt wurde um Pfennige. Brillante "Stockerer" seinerzeit waren der "Trolln-Heiner", der "Hirsch-Xare", der "Fürk-Schorsch", der "Schödl-Kurt" und der "Seidl-Toni" (Förster).

Schnee war, als die Winter noch ihrem Namen gerecht wurden, nie Mangelware. Schlittenfahrten auf dem Marktplatz oder von der Bergkirche über die Kreuzwegstationen hinunter in den Ort gehörten damals unbedingt dazu. Gefährlich war das nicht: Ein Auto kam selten entgegen. Schlitten und Ski wurden nicht bei Amazon bezogen, die Sportgeräte fertigten die Thumbacher Wagnereien Schiener und Zeitler, und auch so mancher Schreiner verdiente sein Geld damit. Für die Lederriemen, heute würde man Ski-Bindungen sagen, zeichnete die Sattlerei Wilterius verantwortlich. Auch die Schuster beherrschten die "Riemerltechnik".

Kälte kriecht in Häuser

Das war die eine Seite der frostigen Medaille. Kälte konnte aber auch erheblichen Schaden anrichten. Das Einfrieren der Wasserleitungen in den Häusern gehörte dabei zur leidlichen Tagesordnung. Hatte es mehrere Tage unter zehn Grad Celsius, kroch die Kälte in die damals ganz und gar nicht isolierten Häuser. Die auf Putz verlegten Eisenrohre wurden oft mit Lumpen und alten Kartoffel- oder Getreidesäcken umwickelt, um sie vor Frost zu schützen.

Das Einfrieren war dennoch nur eine Frage der Zeit. Lief das Wasser nicht mehr, musste schnell gehandelt werden, um ein Platzen der Rohre und folglich eine Überschwemmung zu verhindern. Die Hausbesitzer behalfen sich mit Kienspänen. Das harzhaltige Holz war leicht brennbar und entwickelte viel beißenden schwarzen Ruß. Mit den Flammen wurden die Leitungen so lange erhitzt, bis das Wasser wieder lief. Vollbeschäftigt waren auch die Spenglereien und Wasser-Installationsbetriebe Heringklee und Rupprecht, die mit Petroleum-Lötlampen und strombetriebenen Auftaugeräten - eine Art Schweißgerät - dem Eis in den Rohren zu Leibe rückten.

Des Öfteren mussten die Mühlen im Winter ihren Betrieb einstellen. Beim "Schlattermüller" etwa war 1941 das Mühlrad mit dickem Eis belegt - nichts ging mehr. Warten auf das Tauwetter war angesagt, ehe sich das Mühlrad wieder drehen konnte. Als Müller fungierte damals ein einquartierter österreichischer Soldat namens Franz Langtaler. Er war abgestellt, den Mühlenbetrieb zu übernehmen, nachdem Müller Josef Albersdorfer zum Kriegsdienst eingezogen worden war. Langtaler blieb so der Russlandfeldzug "Unternehmen Barbarossa" erspart.

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