10.11.2017 - 15:58 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Patrick Edl hält Laufvögel in Wölkersdorf Emu-tional

Die Edls haben nicht nur einen Vogel. Sie haben gleich mehrere. Diese können zwar nicht fliegen, aber dafür umso schneller laufen. Und auch sonst sind die Emus der Familie recht ungewöhnliche Haustiere.

von Anne Spitaler Kontakt Profil

Wölkersdorf. Es liegt nicht allein an den leckeren geschroteten Körnern, dass die vier Laufvögel Patrick Edl im Gänsemarsch quer über die Wiese folgen - das wird spätestens klar, als eins der Tiere seinen langen Hals an die Brust des 19-Jährigen schmiegt. "Das ist mein Lieblings-Emu", gesteht Edl und krault ihn unter dem Kinn. "Das mag er am liebsten." Der Vogel, der fast so groß ist wie sein Halter, reckt den Kopf geduldig in die Höhe. Seine Vogelfreunde streunen derweil über das Grundstück.

Für den Winter hat die Familie auf der Wiese neben dem Haus in Wölkersdorf bei Kirchenthumbach ein Zelt als Quartier für die Tiere aufgebaut. Aus dem können sie raus, wann sie wollen und auf der eingezäunten Wiese herumflitzen. Bis zu 50 Kilometer pro Stunde werden die Laufvögel schnell. Eine kleine Kostprobe davon geben die Emus, als Patrick Edl das Tor zum Gatter öffnet. Die Emus sprinten mit geducktem Kopf los und wollen ihn begrüßen. Durch die langen Beine und Hälse, die hin und her schwenken, wirken sie wie Betrunkene, die herumtorkeln. Das weiche Gefieder, das eher Haaren gleicht, wippt im Takt. Um die Tiere aus der Nähe betrachten zu können, braucht es erst einmal Gummistiefel. Mit den kräftigen Beinen, die in drei Zehen enden, haben die Vier am Eingang des Gatters alles zu Matsch getreten.

Steine zur Verdauung

Es ist eine kleine Rutschpartie bis zum Zelt. Dort, im Trockenen, liegt dann aber Heu, ein Bottich mit Wasser und eine Box voll geschrotetem Getreide stehen daneben. Die 1,40 Meter großen Vögel setzen sich vor das Futter und fangen an zu picken. Aber nicht lange, das Blitzlicht der Kamera interessiert sie. "Alles was glänzt mögen sie", weiß Papa Christian Edl. "Einmal hat einer einen Schlüssel gefressen", erzählt er. Ein Versehen - schlecht für die Tiere sei das aber nicht unbedingt. "Sie fressen Steine zur Verdauung." Deshalb schüttet Sohn Patrick gerne einen Haufen Sand oder Steine neben das Futter. Im Muskelmagen der Vögel zermahlen die Sandkörner dann das eigentliche Futter.

Als die Emus klein waren, haben die Edls ihnen Salat gefüttert - und gekochte Eier. "Denen kannst 30 Eier geben, die schlingen sie mit Schale runter", meint Christian Edl. Zuerst hat er die Eier noch akribisch geschält. "Sag auch, was du mit den Schalen gemacht hast", grinst Patrick. "Auf der Heizung getrocknet und die nächsten Tage verfüttert", lacht sein Vater. Im April haben die Edls die Tiere zu sich geholt, damals waren die vier Vögel sechs Wochen alt und sahen vom Gefieder her aus wie kleine Wildschweine. "Sie sind gewachsen wie die Steinpilze", berichtet Christian Edl.

Er war zunächst skeptisch wegen der neuen Haustiere. Mittlerweile gehören sie zur Familie. "Sie sind pflegeleicht. Mit Hühnern hat man mehr Arbeit", beschreibt sein Sohn. Der Vater hatte anfangs nicht gedacht, dass die Laufvögel so brav sind. Lärm machen die Emus nicht, nur ab und zu ist ein leises Fiepen zu hören. "Das machen sie, wenn sie die anderen nicht sehen", weiß Papa Christian. "Dumm sind sie aber schon ein bisschen. Als sie klein waren, war das Gras noch höher als sie", erzählt Patrick Edl, "da sind sie herumgesaust und haben geschrien, weil sie sich nicht gesehen haben." Dabei seien die Tiere nicht einmal einen Meter von einander entfernt gewesen.

Winterharte Vögel

Namen hat sich Patrick Edl für seine gefiederten Freunde vorsichtshalber nicht überlegt. Der Wölkersdorfer, der eine Ausbildung zum Landwirt macht, will die Tiere eventuell in ein paar Jahren schlachten. "Ich will aber auf jeden Fall sehen, wie sie im Winter rumstolpern", lacht sein Vater. Der Schnee mache den Tieren, die ursprünglich aus Australien stammen, nichts aus. Dort würden sie auch im Gebirge bei Minusgraden gut überleben. "Im Winter lassen sie sich einschneien, bis nur noch der Kopf raus schaut", erklärt Edl.

Ungewöhnlich an den Vögeln ist auch, dass das Geschlecht nicht auf den ersten Blick bestimmt werden könne. "Da müssen wir Federn ins Labor einschicken", erklärt Patrick Edl. Eierlegen können seine Emus aber sowieso noch nicht, dafür sind sie zu jung. Bis es soweit ist, haben die Edls noch ein paar Jahre Zeit, und vielleicht gesellt sich währenddessen noch der ein oder andere ausgewachsene Laufvogel dazu. Denn die verspielte, lebhafte Art der Tiere hat es den Wölkersdorfern angetan.

Sie sind pflegeleicht. Mit Hühnern hat man mehr Arbeit.Patrick Edl über seine vier Emus

Emus

Die Laufvögel stammen aus Australien und können bis zu 45 Kilogramm schwer werden, heißt es bei Wikipedia. Zwischen fünf und fünfzehn Eier legen die bis zu 1,9 Meter großen Vögel, die zwar nur Stummel-Flügel, dafür aber stark ausgeprägte Beine haben. Der australische Emu ist nach dem afrikanischen Strauß der zweitgrößte Vertreter der Laufvögel. Mit dem Strauß sind die Emus allerdings nicht näher verwandt - trotz optischer Ähnlichkeit. "Der Strauß ist größer und aggressiver", berichtet der 19-jährige Emu-Halter Patrick Edl aus Wölkersdorf. (spi)

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