04.07.2017 - 19:06 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Pfarrer i. R. Helmut Süß begeht sein goldenes Priesterjubiläum "Hier bin ich" – auch im Ruhestand

Es ist ein großer Festtag für die Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt, als die Glocken zum Festgottesdienst rufen. An der gleichen Stelle, an der er vor 50 Jahren seinen Primizgottesdienst zelebriert hat, feiert Pfarrer i. R. Helmut Süß sein goldenes Priesterjubiläum.

Gläubige und Priesteramtskollegen feierten mit ihm: Mit einem festlichen Gottesdienst in der Kirchenthumbacher Pfarrkirche beging Pfarrer i. R. Helmut Süß (Mitte) sein goldenes Priesterjubiläum. Bilder: rfü (2)
von Autor ÜProfil

Neben dem Jubelpriester zogen weitere acht Geistliche unter Orgelklang in das Gotteshaus ein. Mit am Altar bei dem feierlichen Festgottesdienst standen Pater Dr. Benedikt Röder, Pater Samuel Patton aus Thurndorf, Prälat Dr. Willibald Meiler aus Kümmersbruck sowie die Pfarrer i. R. Josef Scher und Bruno Todt (beide Amberg), Georg Braun (Michelfeld), Alois Lehner (Weiden) und Wolfgang Traßl (Grafenwöhr).

Musikalisch ausgeschmückt wurde die Eucharistiefeier von der Gruppe "Augenblicke". Die Orgel spielte Herbert Fraunhofer.

Wunsch des Jubilars

"Priester helfen mit, dass der Weg zu Jesus weiter geführt wird", erklärte Pfarrer Helmut Süß in seiner Begrüßung und betonte: "Der Gottesdienst heute erfüllt mich mit Freude." Er ist zwar Ruhestandsgeistlicher mit Wohnsitz in Eschenbach, doch oft in Kirchenthumbach als Vertreter von Pater Dr. Benedikt Röder. Der Ortspfarrer hielt auf Wunsch des Jubilars auch die Festpredigt.

Grundlage war der Spruch "Hier bin ich", abgeleitet aus der Lesung aus dem ersten Buch Samuel. Diese handelte von der Berufung des jungen Samuel. Helmut Süß sei vor 50 Jahren von Bischof Rudolf Graber gerufen worden, und er habe geantwortet: "Hier bin ich." In der Taufe rufe Gott jeden einzelnen von uns bei seinem Namen, sagte Röder.

Der Prediger würdigte die "sensiblen Wegbereiter", die Süß gehabt habe - so wie in der Lesung Samuel: "Da waren deine Eltern, die gespürt haben, dass Gott dich ruft. Sie gingen zu Pfarrer Bollmann." So sei der junge Kirchenthumbacher ins Internat und anschließend ins Priesterseminar gekommen. "Ich frage mich, was wäre, wenn heute Gott einen jungen Menschen in Kirchenthumbach in seine Nachfolge ruft - und ich bin fest davon überzeugt, dass er das auch tut. Würden die Eltern heute auch noch so handeln?", fragte Röder.

Die Zeiten hätten sich jedoch gewaltig geändert. "Wenn ein junger Erwachsener erzählt, dass er Priester oder Ordensmann/Ordensfrau werden möchte, verursacht das oft bei vielen Eltern zunächst einen Schock. Und nicht wenige im persönlichen Umfeld reagieren mit Unverständnis." Bei Helmut Süß sei das damals noch anders gewesen. "Er durfte seinen Dienst als Priester in einer Zeit am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils antreten, die von einer Aufbruchsstimmung in den Gemeinden geprägt war."

Vorbild für junge Priester

Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand heiße es bei dem Priesterjubilar, "Hier bin ich". Süß sei nicht hierhergekommen, um sich auszuruhen, sondern um weiterhin für die Menschen da zu sein. Er habe "50 Jahre lang in allen Höhen und Tiefen treu und zuverlässig seinen Dienst versehen" und sei den jungen Priestern ein nachahmenswertes Vorbild.

Pfarrer Helmut Süß dankte abschließend allen, die den Festgottesdienst zu einem einmaligen Erlebnis gemacht haben. "Für einen Priester ist es das Höchste und Schönste, eine Messe feiern zu dürfen, und etwas Kostbares, dieser Kirche dienen zu dürfen."

"Wie wird es in Zukunft um Priester und Pfarreien bestellt sein?"

Klare und nachdenkliche Worte fand Pater Dr. Benedikt Röder in seiner Predigt zur Situation in den Pfarrgemeinden heute. "Uns bedrückt, dass die Frage nach Gott bei vielen Menschen hierzulande kein Thema mehr ist." Eine neue Begeisterung für das Evangelium, die Papst Franziskus initiieren wolle, scheine bisher nur wenige zu packen. "Das kann resigniert und müde machen."

"Es tut uns besonders weh, dass außerhalb der 'Erstkommunion-Saison' kaum noch Kinder und junge Familien zum Gottesdienst kommen", betonte Röder. Auch nähmen viele Jugendliche und Erwachsene, "wenn überhaupt noch, nur punktuell am Leben unserer Gemeinden" teil - "nachdem wir uns gerade für junge Familien jahrzehntelang engagiert haben". Das gelte nicht nur für Großstadtpfarreien, sondern inzwischen auch für Landgemeinden wie Kirchenthumbach.

Wenn Priester nach 50 Jahren Dienst resigniert und frustriert seien, "gilt es das so erst einmal zu respektieren. Dann aber zieht das auch keine jungen Leute mehr an. Wenn die Diözesanleitungen selbst nicht wissen, wo der Weg hingeht, dann schafft das ein Klima der Verunsicherung und schreckt eher von einem Beruf in der Kirche ab", sagte der Prediger.

"Wie wird es in Zukunft um die Priester, um die Pfarreien und die Seelsorge bestellt sein? (...) Braucht es künftig überhaupt noch flächendeckend Priester, wenn der Besuch des Gottesdienstes immer weniger wird?", fragte Röder mit Blick auf zunehmenden Priestermangel und "massiven Rückgang der aktiven Gläubigen". "Braucht es Priester in Zeiten, wo die einzigen Zahlen, die in einer Pfarrgemeinde noch steigen, die der Kirchenaustritte sind?"

Und: "Ist der Priesterberuf angesichts immer größer werdenden Pfarreien noch attraktiv und überzeugend? Oder sind wir Priester heute 'Nachlassverwalter' von sterbenden Gemeinden und einer Botschaft, die scheinbar keiner mehr hören will oder mehr braucht?" (ü)

Braucht es künftig überhaupt noch flächendeckend Priester, wenn der Besuch des Gottesdienstes immer weniger wird?Pater Dr. Benedikt Röder

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