15.09.2017 - 16:02 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Überraschung aus Maria Taferl

Die Geschichte zur Entstehung der Bergkirche muss nicht grundlegend neu geschrieben, aber sie muss ergänzt werden. Recherchen haben ergeben, dass sich der Überfall auf Schneidermeister Friedrich Eisenhut nicht 1714 sondern bereits 1704 ereignet hat.

Norbert Wilterius wartete am Tag des offenen Denkmals mit wissenschaftlich neuen Erkenntnissen zur Entstehungsgeschichte der Bergkirche auf. Bilder Fürk (2)
von Autor ÜProfil

Zu dieser Beurteilung kam Norbert Wilterius bei einer Exkursion zur, an und in der Bergkirche Maria Zell. Anlass war der "Tag des offenen Denkmals". Der Kulturkreis (KKK) hatte dazu eingeladen und der Besuch war überwältigend (wir berichteten). Wilterius beschäftigt sich seit längerem intensiv mit der Historie der Bergkirche und war zu Forschungszwecken schon mehrmals in Wien, dem Lebens-, Wirkungs- und Sterbeort Eisenhuts.

Die Überlieferungen zur Gründung der einst kleinen Kapelle seien nach den Worten von Wilterius erst 1782 durch Pfarrer Franz Xaver Leuthäuser niedergeschrieben worden. Die zehnseitige Chronik über die Bergkirche befindet sich im Pfarrarchiv und trägt den Titel "Ursprung und Aufnahme der Marianischen Kapelle, in welcher das Gnaden reiche Bild der Göttlichen Jungfrau und Mutter Mariä von Zell auf dem, an dem churfürstlichen Markt Kirchenthumbach gelegenen Berg andächtig verehrt wird. Mit beigefügten vielfältigen Guttaten, welche auf Fürbitten der gebenedeitesten Mutter, denen so ihr wahres Vertrauen zu diesen Gnadenort hatten, mildgnädigst zugeflossen sind".

Neben dieser Chronik berichtet ein Ölbild, das in der Bergkirche links vom Altar hängt, von der Schlüsselszene, die zum Bau der ersten Kapelle geführt hat. Dies ist der Raubüberfall auf Johann Friedrich Eisenhut, der sich vermeintlich am 17. Oktober 1714 zugetragen haben soll.

Aufhorchen ließen neue Recherchen von Norbert Wilterius. Diese haben ergeben, dass der Überfall auf Eisenhut wohl bereits 1704 stattgefunden hat. Gefunden wurde ein Bericht in einem Matrikelbuch des Jahres 1723 von Maria Taferl, die nach Maria Zell zweit bedeutendste Wallfahrtskirche in Österreich zur damaligen Zeit. Die Erkenntnis, dass sich der Überfall schon 1704 ereignet habe, erschließt sich aus der Jahreszahl 1706 auf dem Deckengemälde. Wilterius berichtete, das Gnadenbild in der Bergkirche trage die Jahreszahl 1706. Somit stimme der Kern der Legende zum Überfall auf Eisenhut überein mit der wissenschaftlich neuen Erkenntnis Maria Taferl und nicht Maria Zell.

Von einem Gelöbnis zu einem Kapellenbau sei in dem Matrikelbericht nicht die Rede. Diesen Entschluss muss Eisenhut erst später gefasst haben. Dennoch: Eisenhut habe sein Gelübde eingehalten und den Bau seinem Schwager Johann Vichtl aus Kirchenthumbach zur Betreuung übergeben. Vichtl habe alle Rechnungen nach Wien geschickt. Bald war die Kapelle wegen des großen Zulaufs zu klein, erklärte Norbert Wilterius weiter. 1756 wurde mit der Grundsteinlegung der heutigen Bergkirche begonnen, die Einweihung war 1760.

Wilterius wusste auch, dass der eigentliche Aufschwung der altbayrischen Mariähilf-Wallfahrten Ende des 17. Jahrhunderts begonnen hat. Auslöser seien die Türkenkriege gewesen. 1683 standen die osmanischen Heere vor den Toren Wiens. Am 12. September 1683 ist in der Schlacht am Kahlenberg das türkische Heer geschlagen worden. Für Europa sei Maria zur Helferin der Christenheit geworden. Papst Innozenz XI. hat am 12. September ein neues Marienfest eingeführt: "Mariae Namen". Wilterius erläuterte auch die Baugeschichte des Gotteshauses und führte die zahlreichen Interessierten durch die Bergkirche. Mit vielen neuen Erkenntnissen über die Entstehung des christlichen Kleinods gingen die hoch zufriedenen Teilnehmer über den 1852 errichteten Kreuzweg wieder in den Ort zurück.

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