23.11.2017 - 17:56 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Königsteiner mit Asylbewerbern gemeinsam am Tisch Begegnung beim Wort genommen

Nahezu komplett voll ist der Saal beim zweiten "Abend der Begegnung" mit Flüchtlingen und dem "Arbeitskreis Asyl", sowie der Bevölkerung. Es sind interessante Gespräche, die sich entwickeln - über die Heimat, die Flucht und die jetzige Situation. Am Ende gibt's würzige Kartoffel- und Gemüsesuppe.

Der Begegnungsabend im evangelischen Gemeindehaus sorgte für einen nahezu komplett gefüllten Saal. Bild: wku
von Autor WKUProfil

Eingeladen hatte der Arbeitskreis Asyl aus Königstein, der vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufen wurde. Zunächst begrüßte Pfarrer Konrad Schornbaum die Gäste. Der Abend galt jedoch den Flüchtlingen. Sie sollten berichten, woher sie kamen, wie Sie die Flucht erlebten, wie es ihnen heute ergeht und wie sie ihre Zukunft sehen. Den Anfang machte Alrai Ghaith. Er schilderte eindrucksvoll seine Situation in seiner Heimat Syrien. Dort, wo er einst flüchtete, stehe kein Stein mehr auf dem anderen. Ein Leben sei nicht mehr möglich, deshalb habe sich die ganze Region auf die Flucht begeben. Zunächst ging es ins benachbarte Ausland nach Jordanien und in die Türkei, von wo aus dann die Reise über das Mittelmeer nach Griechenland bis Deutschland begann.

Gründe zur Flucht seien verschieden: Bei dem einen seien es kriegerische Konflikte, beim anderen wirtschaftliche und beim nächsten klimatische, religiöse oder existenzielle Begründungen. Obwohl die Ursachen so unterschiedlich sind, stehen im Vordergrund all dieser Überlegungen ein Leben in Frieden und Freiheit, sowie eine Zukunftsperspektive.

Ghaith hat hier die deutsche Sprache und Schrift gelernt und kann sich inzwischen problemlos verständigen. Unterdessen ist er nach Regensburg gezogen, wo er sich auf sein in der Heimat begonnenes Psychologiestudium vorbereitet.

Auch Parhan erging es ähnlich auf seiner Flucht. "Ich bin glücklich, wieder eine Perspektive zu haben", erklärte er. Nachdem er seinen Deutschkurs absolviert hat, mache er nun eine Ausbildung als Drucker in einem Betrieb in Ursensollen. Auch wenn er an den Berufsschultagen schon um vier Uhr das Haus verlassen muss, um die Berufsschule in Regensburg zu erreichen, ändere das nichts an seiner Überzeugung, dass dies der richtige Beruf für ihn sei.

Auf die Frage von Pfarrer Schornbaum, welche Sprache schwieriger zu lernen sei, Deutsch oder Syrisch, antwortete Parhan: "Natürlich Deutsch, aber am schwierigsten ist für mich Bayerisch. Er erntete darauf kräftigen Applaus vom Publikum.

Auch Ali berichtete über ähnliche Fluchterfahrungen. Er konnte in Deutschland Fuß fassen und arbeitet inzwischen als Dachdecker in einem Kalchsreuther Zimmereibetrieb. Da er momentan noch keinen Führerschein besitzt, fahre er täglich mit dem Rad von Königstein nach Kalchsreuth und zurück. Bei schlechtem Wetter kümmere er sich um eine Mitfahrgelegenheit. Deshalb suche er nach einer kleinen Wohnung in Kürmreuth oder Kalchsreuth. Ihm mache die Arbeit viel Spaß und er sei glücklich, langsam auf eigenen Füßen stehen zu können.

Auch drei junge Eritreer stellten sich kurz vor, gaben aber zu erkennen, dass Sie derzeit noch Deutsch lernen und sich deshalb noch schwertun, sich zu verständigen.

Am Ende stellte des Vorsitzende Nannette Lorenz ihren neu gegründeten Verein "Wir helfen Dir" vor, der sich mit Bedürfnissen und Sorgen der Flüchtlinge beschäftigt. Hauptbetätigungsfeld sind derzeit Übersetzungsarbeiten sowie Fragen zu Behördenangelegenheiten im Jobcenter oder auch bei der Caritas und andere begleitende Tätigkeiten, mit denen sich die Flüchtlinge konfrontiert sehen. Dadurch gebe es für sie Rat aus erster Hand Rat, damit Integration schneller und leichter vonstatten gehe als bislang. Lorenz sowie Alrei Ghaith und 17 weitere Ehrenamtliche kümmern sich um diese Anliegen und würden sich über jegliche Unterstützung sehr freuen.

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