Vor 60 Jahren eröffnete Hans Hering seinen Laden am Königsteiner Marktplatz
Fast rund um die Uhr ins Schuhgeschäft

Andreas Hering (links) trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters Hans Hering. Gemeinsam mit ihm ist er hier in der Schusterwerkstatt in den 80er Jahren zu sehen. Bild: Archiv wku
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Königstein
24.12.2016
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Einer der häufigsten Berufe in Königstein war früher der des Schuhmachers. Mindestens zehn Bürger übten ihn zur gleichen Zeit aus. Und die reparierten Schuhe nicht nur.

Nach dem Ersten Weltkrieg blühte die Fertigung von Schuhen in Königstein noch einmal auf. Der hohe Schnürschuh war --auch für Frauen - gang und gäbe. Dann allerdings wurden Modelle aus der Fabrik auch auf dem Land zu einer immer stärkeren Konkurrenz. Die Schuhmacher besetzten allmählich die Stelle des Flickschusters.

Die Familie Hering-Pirner lässt sich bis 1834 als Schuhmacher zurückverfolgen. Sie betrieb im Pfarrweg in Königstein eine Werkstatt, in der die Königsteiner Schuhe nach Maß bestellen, aber auch reparieren lassen konnten.

Im Jahr 1956 übernahm Hans Hering das Elternhaus seiner Mutter am Marktplatz. Von da an sprach ihn jeder mit dem Hausnamen des Anwesens, "Hensereidl", an. Die gute Lage mitten in Königstein war ein idealer Standort für ein Schuhgeschäft. Hans Hering riss das alte Haus ab, baute ein neues und richtete gleich einen modernen Schuhladen ein. 60 Jahre ist das nun her. Das Geschäft lief sehr gut. Hans Hering bezog seine Ware im Großhandel und führte seiner Kundschaft stets eine große Auswahl vor. Auf Bestellung fertigte er anfangs auch noch selbst Schuhe an und reparierte sie.

Nebenbei betrieb er - wie fast alle Königsteiner damals - eine Landwirtschaft. Daher erstaunt es nicht, dass die ersten Kunden schon frühmorgens um halb sechs nach der Stallarbeit kamen, um eine Schuhcreme oder Schnürsenkel zu kaufen. Fast immer war jemand zu Hause, und so ging das Geschäft zu jeder Tageszeit - auch am Heiligen Abend.

"Bis halb sechs Uhr abends kamen die Kundinnen und kauften schnell noch ein Weihnachtsgeschenk für ihren Mann", erinnert sich Käthe Hering. Passten die Schuhe nicht, tauschten sie diese am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags gleich wieder um. Und das, obwohl Käthe einen Festtagsbraten vorzubereiten hatte und die beiden Kinder auch beschäftigt sein wollten.

Üblich war es, dass viele Männer nie selbst ein Schuhgeschäft betraten. Auch der Bäcker Roth schickte seine Tochter zum "Hensereidl". Das Paar, das sie brachte, probierte er und entschied, ob er es kaufte. Es kam vor, dass die Tochter mehrmals Schuhe zurücktragen und andere holen musste. Das geschah so lange, bis ihrem Vater welche gefielen.

Andreas Hering, der Sohn von Hans Hering, ist in die väterlichen Fußstapfen getreten. Er erlernte aber nicht nur den Beruf des Schuhmachermeisters, sondern ist auch Orthopädieschuhmachermeister. Seit 1990 betreibt er die Orthopädieschuhtechnik und die medizinische Fußpflege neben dem Schuhgeschäft.

Dennoch wird Andreas Hering aller Voraussicht nach der letzte Schuhmacher von Königstein sein; ebenso wie sein Schuhgeschäft das letzte dort ist. Dann endet ein traditionsreicher Beruf im Marktort.
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