Angelika Huber und Kilian Sprau
Die tiefgründige Liedkunst des Anton Beer-Walbrunn

Kultur
Kohlberg
08.12.2016
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Gesellschaftliche, politische, künstlerische Gegensätze, Konflikte und Umbrüche prägen die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Strauss, Mahler, Reger, Schönberg, Strawinski legen ihre klingenden Statements zum Umgang mit Tradition vor, die Reaktionen sind ungekannt heftig und emotionsgeladen. Ein Komponist, der nicht nach weitgreifender Anerkennung und Ruhm um jeden Preis gierte, ist Anton Beer-Walbrunn (1864 bis 1929) aus Kohlberg (Kreis Neustadt/WN).

Er lernt wie der Vater den Lehrerberuf, setzt gegen beachtliche Widerstände der Familie seinen Kopf durch, Komponist zu werden und studiert bei Rheinberger in München - von dem er aber mehr und mehr abrückt. Ab 1901 unterrichtet er an der Musikhochschule München, ab 1908 als Professor. Er repräsentiert "einen Meister alter Schule mit großem Wissen und Können", wie es sein Schüler Carl Orff formuliert.

60 Lieder aus fünf Schaffensperioden umfasst sein Werk, die Sopranistin Angelika Huber und der Pianist Kilian Sprau (Augsburg) haben sich damit auseinandergesetzt. Es hat sich gelohnt: Die sorgsam und mit Herzblut musizierten 22 Welt-Ersteinspielungen begeistern. Sie provozieren aber auch die Frage, wie diese Musik derart in Vergessenheit geraten konnte. Immerhin war Beer-Walbrunn hoch angesehen, die zeitgenössischen Urteile (Wilhelm Zentner, Anton Würz) waren durchweg positiv.

Individueller Stil

Beer-Walbrunn hat bald zu einem individuellen Stil gefunden, der sich von dem der Kollegen wie Schumann, Brahms, Strauss, Wolf aber auch Reger abhebt. Das Flussbett der Tonalität hat er nicht verlassen, er weitet es behutsam. Anders als Reger springt er nicht so schnell den Quintenzirkel rauf und runter, geht sparsamer mit Chromatik um. Das macht seine Melodien memorabler.

Die CD spiegelt die Entwicklung des Kohlberger Meisters wider. Es finden sich Lieder aus den Opera 12, 24, 27, 37, 39 und 59 über Gedichte unter anderen von Eichendorff (Geistliche Gesänge), Schack, Lenau und Annette von Droste-Hülshoff. Als hochromantisch-dramatische Ballade bewegt sich deren "Der "Knabe im Moor" op. 37/4 schier in Rufweite des Schubert'schen "Erlkönig" oder des "Fliegenden Holländer", wenngleich mit Happy-End. Das Zentrum bilden die zehn "Shakespeare-Sonette" op. 34, allein schon deren delikate Texte sind hinreißend. Mit einem Klaviersatz hochgesteckten Anspruchs skizziert Beer-Walbrunn fein differenzierte Stimmungsbilder, Wortdeutung oder Klangnachahmung setzt er erfreulich gezielt, nie plakativ-platt ein. Allenthalben ist der Satz von fasslichen Melodien durchwoben. Er ist kunstvoll komponiert, wirkt aber wie improvisatorisch inspiriert auf das Notenblatt gestreut.

Lupenreine Sprünge

Angelika Huber singt selbst die artistischsten Sprünge lupenrein, Kilian Sprau leuchtet den dichten Klaviersatz gut aus. Kontraste zwischen rezitativisch und liedhaft, zwischen kraftvollem Klavier-Forte und mystischem Pianissimo erscheinen allerdings im Notentext klarer als auf der Einspielung. Die Zeit war überreif für diese verdienstvolle Rehabilitation Beer-Walbrunns.

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Die CD gibt es beim "Anton Beer-Walbrunn - Kunst- und Kulturverein", Telefon 09608/288, oder per E-Mail: anton@beer-walbrunn-kohlberg.de
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