11.12.2017 - 20:00 Uhr
KohlbergOberpfalz

Geburtshaus des Komponisten Anton Beer-Walbrunn: Ungewisses Schicksal

Der Marktrat ist sich unsicher, der Förderverein will es unbedingt erhalten: Es ist unklar, was mit dem Bowel-Haus passiert. Dabei ist es das Geburtshaus des berühmtesten Sohnes des Marktes.

Würde das über 150 Jahre alte Haus restauriert, wäre es mit Sprossenfenstern und Holzläden eine Bereicherung für das Kohlberger Ortsbild. Repro: jml
von Autor JMLProfil

Wahrscheinlich würde kein Hahn danach krähen, wenn der Altbau in der Weidener Straße nahe der evangelischen Kirche abgerissen würde. Wäre die lange leerstehende Ruine nicht der Geburtsort des berühmtesten Sohnes des Markts: Anton Beer-Walbrunn.

Am 29. Juni 1864 wurde er in diesem Haus geboren. Der zu seiner Zeit bekannte Lehrer, Komponist, Professor an der Münchener Akademie für Tonkunst erhielt zu Lebzeiten für sein Schaffen keine Anerkennung. Er wurde nach seinem Tod 1929 von der Musikwelt schnell vergessen. Überlebt haben ihn seine knapp 100 Werke. Aufgeführt wurden diese jedoch nicht mehr. Dass sich das in den letzten Jahren gewandelt hat, ist ein Verdienst von Pfarrer Martin Valeske und seinen Mitstreitern im Kunst- und Kulturverein Anton Beer-Walbrunn. Valeske gewann Leute für den Förderverein, begeisterte Musiker, die Stücke neu einzuüben und initiierte Konzerte.

So wurde die Idee geboren, das Geburtshaus von Beer-Walbrunn zu erhalten. Doch der Ankauf, die Renovierungsarbeiten und die Folgekosten der Gebäudenutzung sind teuer. Der Förderverein kann dies nicht stemmen, auch wenn er von der Hausbank Zuwendungen erhält. Ein privater Sponsor ist nicht in Sicht und die Kommune zögert. Die Meinung zum Erhalt ist im Marktrat gespalten. Bürgermeister Rudolf Götz, Gründungsmitglied des Kulturvereins, sagt: "Wir haben mit dem alten Feuerwehrhaus und dem Schulhaus zwei Objekte, die uns über 30 000 Euro im Jahr kosten. Wir können uns das nicht noch an den Hals hängen."

Die Zeit drängt, denn das Gebäude könnte mit in die Planung des nächsten Bauabschnittes der Dorferneuerung aufgenommen werden und für die Umbaukosten 60 Prozent Zuschuss erhalten. "Aber nur wenn ein schlüssiges Nutzungskonzept vorgelegt wird, bei dem ein öffentlicher Bedarf gegeben ist", sagt Projektleiter Ludwig Spiller vom Amt für ländliche Entwicklung. Es scheint, als würden Kommune und Förderverein darauf warten, dass eine Seite auf einen Gesprächstermin drängt. In der Januarsitzung wird laut Bürgermeister Götz entschieden, wie es weitergeht.

Geschichte des Hauses

Im April 1857 wurde der Bau einer Wohnung für den katholischen Schullehrer und Mesner genehmigt, 1858 das Wohnhaus mit Stall und Schuppen erbaut. Das Grundstück gehörte zuvor dem Tafernwirt Staufer. Als Eigentümer stehen die katholische Kirchen- und die Schulstiftung in den Unterlagen. Der Vater Beer-Walbrunns war von 1855 bis 1866 Lehrer und Kantor im Ort. Die Familie bezog mit ziemlicher Sicherheit den Neubau. Vier ihrer Kinder wurden dort geboren, bis sie 1866 nach Mantel und 1869 nach Neukirchen-Balbini weiterzogen. Ob sich der Komponist (1864 geboren) später noch einmal an seinem Geburtsort aufgehalten hat, ist unbekannt.

In den Jahren 1954 bis 1993 war das Gebäude im Besitz der Arztfamilie von Rudolf Bowel, von dem es den im Ort geläufigen Namen Bowel-Haus übernahm. Derzeitiger Inhaber ist die Familie Frieser, die jedoch für die Immobilie keine Verwendung hat und sie zu einem angemessenen Preis abgeben würde. Die Daten und Informationen stammen von einem Kenner der Kohlberger Marktgeschichte, dem ehemaligen Bürgermeister Karl Prösl. (bey

 

 

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