21.07.2005 - 00:00 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Betriebs- und Geschäftsausstattung der Rollladenfabrik versteigert - Bieter aus ganz Nordbayern Eine komplette Küche für fünf Euro

So ein Spektakel gab es in Konnersreuth schon lange nicht mehr: Wortgewandt und immer mit einem Schuss Humor auf seinen Lippen versteigerte Auktionator Peter Hämmerle im vollbesetzten Schiml-Saal die Betriebs- und Geschäftsausstattung der ehemaligen Rollladenfabrik Gleißner.

von Josef RosnerProfil

Mit dem Erlös zeigte sich der Auktionator sehr zufrieden. Pünktlich um 12 Uhr eröffnete Hämmerle die Versteigerung. "Zum Ersten, zum Zweiten und zum Letzten" - dieser Satz war von nun an ununterbrochen zu hören. Wer nicht aufpasste, der verpasste sein Schnäppchen.

Hämmerle hatte schon vorher angekündigt: für 200 Posten würde er eine gute Stunde brauchen. Er sollte Recht behalten. Die über 500 Versteigerungsposten brachte er in gut zweieinhalb Stunden an die Frau oder an den Mann.

Als erstes erklärte er die Regularien: Alle Preise verstehen sich zuzüglich eines Aufgeldes von 15 Prozent, hinzu kommt noch die gesetzliche Mehrwertsteuer von 16 Prozent. Die Höhe des Mindestgebotes wurde vom Versteigerer nach seinem Ermessen bestimmt. Man fühlte sich zuweilen auf den Hamburger Fischmarkt versetzt, so lautstark pries Hämmerle die versteigerten Waren an.

Die Interessenten bat er: "Kaufen sie nur, was sie auch im Betrieb an der Gesteinerstraße gesehen haben." Für die Sachen gebe es keine Gewährleistung, nach der Bezahlung sind sie gleich abzuholen.

Auftakt mit Grünpflanzen

Zu Beginn wurden Grünpflanzen angeboten, zehn Euro betrug der Ausrufpreis. Eine Dame schlug gleich zu. Natürlich brachte Hämmerle nicht alles an den Mann. Das was nicht ersteigert wurde, kommt jetzt ins Internet und ist dort erhältlich. Wenn mal wieder nichts wegging, sagte er: "Sehen Sie, das geht jetzt alles nach Kasachstan." Einige ganz Schlaue im Saal versuchten den Ausrufpreis zu unterdrücken, was Hämmerle zwar clever fand, aber oftmals auch nicht darauf einging. Er sagte dann, dass er diesen Ausrufpreis im Internet locker herausholen könne.

Kampf um Ein-Euro-Posten

Harte Kämpfe gab es in der Versteigerung meist um die Ein-Euro-Posten, als zum Beispiel ganze Aktenrollschränke und Registraturen für diesen Minipreis versteigert wurden. Da konnte es schon passieren, dass dann dafür das Zwanzigfache bezahlt werden musste. "Sie nehmen aber viele Erinnerungsstücke mit", so Hämmerle einem Interessenten, der viele Ein-Euro-Sachen ersteigerte.

Versteigert wurden auch komplete Büromöbel-Einrichtungen. Angeboten für 100 Euro wechselten sie für 330 Euro den Besitzer. Kein Interesse fanden meist alte und verbrauchte Computeranlagen. Ein Metallablageregal, für 30 Euro ausgerufen, erzielte satte 260 Euro. Erster größerer Posten war ein Gabelstapler, der schließlich für 3100 Euro ersteigert wurde. Ein Arretierautomat für 10 000 Euro ausgerufen fand dagegen keinen Abnehmer: "Ihr Pokerer, ich sage es euch: er wird später im Internet noch teuerer", so Hämmerle.

Ein Schnäppchen war eine komplette Einbauküche für den Angebotspreis von nur einem Euro. Für fünf Euro hat es schließlich einer ersteigert. Dabei waren immerhin eine vier Meter lange Einbauküche, ein Elektroherd, ein Kühlschrank, sowie diverse Hänge- und Unterschränke. Versteigert wurde auch diverse Fensterschnittmodelle mit etwa 20 Fenstern, fünf Türen, Markisen und vieles andere mehr. Ausgerufen für 5000 Euro fand sich ein Abnehmer für 3000 Euro, der dafür prompt den Zuschlag erhielt.

Vielen gelang ein Schnäppchen, andere aktive Teilnehmer der Auktion hatten weniger Glück. So wurde ein Rasenmäher, ausgerufen für 20 Euro, zum Neupreis von 200 Euro versteigert. Höhepunkt war die Versteigerung des Fuhrparks. Die drei Lkw gehen zum Preis von 80 000 Euro an einem Bieter aus dem Schwandorfer Raum. Den Eigentümer wechselten auch die anderen Autos. Den höchsten Preis erzielte ein VW-Transporter mit 6400 Euro.

Arbeitsmaterial am Hof

Nach gut zweieinhalb Stunden war Peter Hämmerle sichtlich froh, diesen Kraftakt geschafft zu haben. Mit dem Ergebnis zeigte er sich in einer ersten Stellungnahme zufrieden. Genaue Zahlen wollte er mit Hinblick auf seinen Auftraggeber aber nicht verraten. Auf dem Betriebsgelände lagern jetzt noch für rund 100 000 Euro Arbeitsmaterialien, die jetzt ebenfalls noch an die Interessen verkauft werden sollen.

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