15.01.2018 - 22:02 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Spätberufenenschule im Kloster Fockenfeld schließt spätestens 2021

"Einmal Fockenfelder, immer Fockenfelder", schwärmen die Ehemaligen. Die Spätberufenenschule - das kleinste Gymnasium Bayerns und eine der letzten kirchlichen Einrichtungen dieser Art in Deutschland - schließt 2021: Ein Schlag nicht nur für die Gemeinde Konnersreuth, sondern für das Bistum Regensburg.

Spätestens in drei Jahren nur noch Geschichte: Die Spätberufenenschule mit Seminar St. Josef zählt seit 1951 am Standort Fockenfeld bei Konnersreuth insgesamt mehr als 1500 Schüler, von denen über 1000 das Abitur machten. Viele Hundert Absolventen wirken als Geistliche. Bild: jr
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Annähernd 600 Geistliche gingen aus der Spätberufenenschule St. Josef im Kloster Fockenfeld hervor. Bei den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen im September 2016 äußerte Bischof Rudolf Voderholzer große Dankbarkeit, denn Fockenfeld sei es hauptsächlich zu verdanken, "dass unser Bistum mit Priestern so gut aufgestellt ist. Da sind wir Spitze in ganz Deutschland". In der Tat ist das Bistum Regensburg nur zu etwa zehn Prozent auf auswärtige Priester - etwa aus Indien oder Polen - angewiesen.

Die Hiobsbotschaft löste in Regensburg enorme Bestürzung aus: "Wir sind den Fockenfeldern einerseits sehr dankbar, bedauern aber die geplante Schließung zutiefst", erklärte gegenüber Oberpfalzmedien Clemens Neck, Leiter der Presse- und Medienabteilung des Bistums.

Orden dünnt aus

Es kam zu zahlreichen Unterredungen, wie die Diözese die Spätberufenenschule (finanziell) unterstützen und damit erhalten kann. Sogar eine Trägerschaft durch die Diözese war dem Vernehmen nach im Gespräch. Die Mitteilung der Spätberufenenschule vom Montag klingt resignierend (siehe Infokasten unten). In ihrer Blütezeit, in den 60er und 70er Jahren, zählte die Spätberufenenschule bis zu 140 Schüler mit jährlich 20 bis 25 Abiturienten; derzeit sind es lediglich noch 26 Schüler, davon 11 im Abiturjahrgang. 2017 kam Fockenfeld auf 4 Abiturienten - nach 7 in 2016 und 9 in 2015.

Ebenso eklatant trifft der Mangel an Ordensleuten die Spätberufenenschule. Lediglich noch zwei Patres und ein Bruder betreuen die Seminaristen; das Kloster weist zusätzlich vier Patres und einen Bruder auf: von einer Ausnahme abgesehen, alle über 80 Jahre alt. Nach Auskunft von Markus Adelt zählt sein Orden im gesamten deutschsprachigen Raum mit Deutschland, Schweiz Österreich nicht einmal mehr 70 Mitbrüder. Seminarleiter Bruder Markus fühlt sich wie eine Art "Dinosaurier" ...

Generalsanierung überfällig

Die Ordensgemeinschaft der Oblaten des hl. Franz von Sales, Träger der Spätberufenenschule, soll als "Kommunität" über das Jahr 2021 hinaus in Fockenfeld verbleiben und sich der Pfarrseelsorge widmen, versichert Markus Adelt. Der umfangreiche Gebäudekomplex von Fockenfeld befindet sich dazu in einem baulichen Zustand, der dringend nach einer Generalsanierung ruft. Deren Kosten werden auf mindestens 22 Millionen Euro geschätzt.

Die Spätberufenenschule ermöglicht Schülern zwischen 15 und 30 Jahren im "familiären und christlichen Umfeld" das Abitur. In das "humanistische Profil" (Option Latinum und Graecum) sind religiöse, naturwissenschaftliche und musische Bildung eingebettet - mit den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Physik. Seminarfach in der Oberstufe ist katholische Religionslehre.

Der Schul- und Seminarbetrieb wird "spätestens mit Ende des Schuljahres 2020/2021" eingestellt. "Allen derzeitigen Schülern der vier Jahrgänge soll so die Möglichkeit gegeben werden, ihre in Fockenfeld begonnene Schullaufbahn mit dem Abitur abzuschließen. Zum kommenden Schuljahr 2018/2019 werden lediglich neue Schüler in die 10. und 11. Klasse aufgenommen. Ein neuer Vorkurs wird nicht mehr eingerichtet", heißt es in der Mitteilung.

Niedergang als Volkskirche

Das Aus der Spätberufenenschule Fockenfeld im Jahre 2021 setzt den beschleunigten Exodus von bedeutenden Einrichtungen der Kirche in der Region fort. Zuletzt machte 2010 das Studienseminar St. Augustin in Weiden dicht. 1989 musste das Bischöfliche Knabenseminar (heute Wirtschaftsschule) in Weiden schließen. Daneben zogen sich zahlreiche Orden in der nördlichen und mittleren Oberpfalz zurück.

Die "Erosion des Glaubens" (Papst Franziskus) spiegelt sich in der Zahl der katholischen Gottesdienstbesucher: Sie schrumpfte seit 2009 um ein Drittel - von 21,5 auf 15 Prozent in der Diözese Regensburg. Selbst an Weihnachten gehen nicht einmal mehr 50 Prozent in die Kirche, am Hochfest Ostern weniger als 30 Prozent. Dabei liegen die ostbayerischen Katholiken im deutschlandweiten Vergleich ganz vorne - was am (traurigen) Niedergang als Volkskirche nichts ändert.

Stellungnahme der Spätberufenen-Schule

"Nach einer eingehenden Prüfung durch die Diözese ist immer deutlicher geworden, dass die über 70-jährige geistig-geistliche Prägung der Oblaten des hl. Franz von Sales - sozusagen das Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal von Fockenfeld - durch ein Bemühen diözesaner Angestellter nicht zu ersetzen ist.

Unsicher ist außerdem die weitere Entwicklung der Schülerzahlen. Das bayerische Schulsystem kennt inzwischen andere Wege zum Abitur und die besondere geistliche Prägung des Hauses wird von immer weniger jungen Männern angenommen. Auch wenn durch verbesserte Werbemethoden in den letzten Jahren der Schülerrückgang auf niedrigem Niveau stagniert, stellt sich die Frage, wie lange und ob diese Bildungseinrichtung noch pädagogisch sinnvoll und finanziell angemessen ist." (cf)

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