02.07.2017 - 17:46 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Diözesanbischof in Konnersreuth Vielleicht gemeinsam zur Ehre der Altäre

Vor 83 Jahren ermordeten die Nazis im KZ Dachau Fritz Gerlich. Nun wurde dem Journalisten ein Denkmal gesetzt - aus gutem Grund in Konnersreuth.

von Josef RosnerProfil

(jr) "Beten wir, dass die Resl und Fritz Gerlich vielleicht gemeinsam zur Ehre der Altäre erhoben werden", sagte Diözesanbischof Rudolf Voderholzer zum Schluss seiner beeindruckenden Predigt. In der Pfarrkirche St. Laurentius zeigte er sich überzeugt vom Lebenszeugnis des Archivars und Widerstandskämpfers, der in der von ihm herausgegebenen Schrift "Der gerade Weg" konsequent gegen Hitler und die NSDAP eingetreten war. 1933 wurde er in München verhaftet. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 wurde er im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch im Konzentrationslager Dachau erschossen.

"Fritz Gerlich suchte Gott und fand ihn, inspiriert durch Therese Neumann", würdigte der Bischof am Freitagabend in Konnersreuth. Unter den Gästen zur Segnung des Denkmals waren auch Klaus Schumann, früherer Journalist der "Süddeutschen Zeitung" und Gründer der Fritz Gerlich-Ausstellung, Pastoralreferent Ludwig Schmidinger als Bischöflicher Beauftragter in der KZ-Gedenkstättenarbeit für München und Freising sowie Postulator Dr. Johannes Modesto. Dieser soll den Seligsprechungsprozess für Fritz Gerlich einleiten, der dem Vernehmen nach noch heuer starten soll.

Angeführt von der Konnersreuther Jugendblaskapelle zogen die Vereine vom Therese-Neumann-Platz zum Pfarrhaus. Dort sang der neu gegründete Kinderchor dem Gast ein Willkommensständchen. Den anschließenden Pontifikalgottesdienst in der Pfarrkirche eröffneten die Kinder mit Unterstützung des Kirchenchores mit dem Lied "Wer glaubt, ist nie allein". Von den Sängern unter der Leitung von Matthias Schraml war am Ende auch der Bischof beeindruckt.

"Ein herzliches Grüß Gott hier in Konnersreuth", hieß Pfarrseelsorger Pater Benedikt den Gast willkommen. Voderholzer war zuletzt vor drei Jahren in der Pfarr- und Marktgemeinde zu Gast. Der Bischof erinnerte daran, dass auf den Tag genau vor 83 Jahren Fritz Gerlich als erster katholischer Märtyrer von den Nazis ermordet worden sei. Der Konnersreuther Pfarrgemeinde dankte er, dass sie das Gedenken aufrecht erhält. Die Predigt war dem Widerstandskämpfer gewidmet, der am 15. September 1927 erstmals im Konnersreuther Pfarrhaus mit Therese Neumann zusammentraf. Gerlich war damals einer der bedeutendsten Zeitungsmänner Deutschlands und Chefredakteur der "Münchner Neuesten Nachrichten", erinnerte der Bischof. Vier Jahre nach der ersten Begegnung habe Gerlich geschrieben: "Ich habe vielerlei wieder gut zu machen, ich habe viele Fehler gemacht. Nur der Herrgott wird mir meine Fehler verzeihen." Am 2. April 1931 erschien der Artikel über Therese Neumann, der europaweit für großes Aufsehen gesorgt habe und in 26 Sprachen übersetzt wurde. "Gerlich wollte der Wahrheit auf die Spur kommen und reiste gleich mehrmals nach Konnersreuth", zitierte Voderholzer den Journalisten: "Es war meine Berufspflicht, mich mit Therese Neumann zu befassen. Ich wollte es mit eigenen Augen sehen. 1927 war ich drei Mal in Konnersreuth. Was ich hier erlebt habe, führte mich zu einer tiefen Freundschaft mit Pfarrer Joseph Naber und der Resl."

Der Bischof weiter: "Fritz Gerlich konnte keinen Schwindel entdecken, ganz im Gegenteil, er war vom Erlebten ganz fasziniert, wie die Resl ihren Heiland liebte. Fritz Gerlich lernte in Konnersreuth ganz intensiv den katholischen Glauben kennen." Am 29. September 1931 konvertierte Gerlich. Er wurde von Pater Ingbert Naab in Eichstätt getauft und erhielt am 9. November 1931 in München von Kardinal Faulhaber das Sakrament der heiligen Firmung.

Zu dieser Zeit hatte Gerlich seine Arbeit bei der Zeitung eingestellt, informierte der Bischof. Es sei Therese Neumann gewesen, die ihn 1930 aufforderte, dorthin zurückzugehen. "Du musst wieder zur Zeitung zurück, auch wenn es nicht helfen wird." Von da an habe der offene Kampf gegen den Nationalsozialismus begonnen, der für Gerlich im Kreuzweg geendet habe. Schon im Juli 1932 schrieb Gerlich: "Der Nationalsozialismus bringt Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlos Not." Gerlich, so der Bischof, war sich durchaus bewusst, dass er durch seine klaren Worte mit seinem Leben spielte. "Und doch, er ließ nicht davon ab. Am 9. März 1933 wurde Fritz Gerlich verhaftet. Er war bereit, mit Leib und Leben für die Wahrheit einzustehen." Am 29. Juni 1933 sei der Widerstandskämpfer noch einem Münchner Priester begegnet, der zeitlebens von diesem Treffen zutiefst beeindruckt gewesen sei. Einen Tag später wurde Fritz Gerlich in Dachau erschossen.

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