Furcht vor Mehrfachbelastung

Ina-Isabelle Haffke (Zweite von links) und Carolin Kürth von der Firma Tennet informierten bei der 7. Energiekonferenz der SPD Konnersreuth über den Neubau des Ostbayernrings und den geplanten Bau der Gleichstromtrasse. Mit im Bild SPD-Ortsvorsitzender Wolfgang Pötzl (links) und Moderator Edgar Wenisch. Bild: jr
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Konnersreuth
05.12.2016
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Alles drehte sich bei der 7. Konnersreuther Energiekonferenz um den Neubau des Ostbayernrings und die geplante Gleichstromtrasse. In einer munteren Frage- und Diskussionsrunde brachten vor allem Landwirte massive Bedenken vor.

Rund 40 Besucher hieß Lara Gradl, Vorstandsmitglied der SPD Konnersreuth, im Schiml-Saal willkommen. Referentinnen des Abends waren die Tennet-Vertreterinnen Ina-Isabelle Haffke und Carolin Kürth. Erstere erläuterte den Stand bei der Planung für den Neubau des Ostbayernrings. Hier müsse ein Mindestabstand von 200 Metern zur Wohnbebauung eingehalten werden. Für den 16. Januar kündigte Haffke eine Veranstaltung im Mitterteicher Rathaus an. Dabei sollen die aktuellen Pläne vorgestellt werden.

Bau ab 2020

Das Raumordnungsverfahren sei abgeschlossen, dem schließe sich jetzt ein Planfeststellungsverfahren an. Gehört werden dazu die Träger öffentlicher Belange sowie Privatpersonen. Tennet rechne damit, dass ab 2020 gebaut werden kann, die Inbetriebnahme der neuen Leitung sei für 2023 vorgesehen. Direkt im Anschluss erfolgt der Rückbau der bestehenden Leitung.

Erst am Anfang befänden sich die Planungen für die Gleichstromtrasse, wie Carolin Kürth berichtete. Ziel sei es, Versorgungslücken zu schließen. Dazu müsse Windstrom aus dem Norden in den Süden transportiert werden. Dies sei im Zuge der Energiewende mit Abschaltung der Atomkraftwerke so vorgesehen.

40 Meter breite Grube

Ausdrücklich betonte Kürth, dass die Gleichstromtrasse in der Erde verlegt werde. "Es wird keine Freileitung geben, es sei denn, einzelne Kommunen wünschen das." Ziel sei es, möglichst den direkten Weg von Norden nach Süden zu wählen. Jedoch müssten Schutzgebiete und Siedlungen umplant werden. Die Leitungen werden in einem 1000 Meter breiten Korridor verlegt. Die Baugrube selbst wird etwa 40 Meter breit und bis zu 2 Meter tief sein. Bis 2021 solle der Planfeststellungsbeschluss stehen, bis 2025 soll gebaut werden.

In der Diskussion meldete sich als erster Max Schiedeck zu Wort, der in Preisdorf zu Hause ist. Er befürchtet durch den Neubau des Ostbayernrings eine Wertminderung der Wohnhäuser und glaubt, dass der Immissionsschutz nicht beachtet wird. "Bleiben Sie auf der alten Trasse, wie Sie vorher angekündigt haben", forderte Schiedeck. Ina-Isabelle Haffke sagte dazu: "Wir können uns den Leitungsverlauf gerne nochmals anschauen." Sollten sich Leitungen zu nah an der Wohnbebauung befinden, dann werde man eine Lösung finden.

Moderator Edgar Wenisch wollte wissen, ob für den Ostbayernring auch Betonmasten in Frage kommen. Ina-Isabelle Haffke sagte, dass verschiedene Kriterien erfüllt werden müssten. In Betonmasten sehe sie keine Vorteile zu Gittermasten. Unter anderem würden Betonmasten wesentlich mehr kosten. Max Schiedeck warnte vor einer Doppelbelastung durch Ostbayernring und Gleichstromtrasse. "Ich sage Ihnen eins: Wenn sie uns zu nahe kommen, dann gibt's Action, das garantiere ich Ihnen", so Schiedeck.

Stellvertretender Bauernverbandsobmann Martin Härtl verwies auf die Dreifachbelastung, die durch Neu- und Rückbau des Ostbayernrings sowie den Bau der Gleichstromtrasse entstehe. "Wie können Sie das vertreten, dass immer nur die gleichen Menschen und die gleiche Region betroffen sind?", fragte Härtl. Ina-Isabelle Haffke räumte ein, dass man sich der Überschneidungen bei den Bauarbeiten bewusst sei. Allerdings versicherte sie, dass bestimmte Arbeiten gebündelt werden sollen. Carolin Kürth ergänzte, dass der genaue Trassenverlauf erst 2018 feststeht.

"Auf Kosten der Landwirte"

Martin Härtl ließ nicht locker. Er befürchtete einen massiven Wertverlust für die Landwirte. "Wenn sie auf den Grundstücken Dienstbarkeiten eingetragen haben, ist das Grundstück 30 bis 50 Prozent weniger Wert und das ist Fakt." Erneut wollte er wissen, warum die gleichen Besitzer mehrfach belastet werden sollen. Ina-Isabelle Haffke erwiderte, dass es Entschädigungen geben werde. Davon unbeeindruckt sprach Martin Härtl von einer "Energiewende auf Kosten der Landwirte". Ein anderer Landwirt sagte: "Alle verdienen, auch Tennet, und wir sollen mit einer Einmalentschädigung für unsere lebenswichtigen Flächen abgespeist werden."

Moderator Edgar Wenisch bat zum Abschluss, nochmals die Möglichkeit einer Verlegung der Gleichstromtrasse unter der Autobahn zu prüfen. "Es gäbe keine Ausgleichzahlungen und wir bräuchten keine Ausgleichsflächen." Die Tennet-Vertreterinnen versicherten am Ende, dass die Bevölkerung bei den verschiedenen Schritten mitgenommen werde.

Wenn sie uns zu nahe kommen, dann gibt's Action, das garantiere ich Ihnen.Max Schiedeck über die geplanten Stromtrassen
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