10.09.2017 - 20:00 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Montagstreff der CSU Unternehmer unzufrieden

Digitalisierung und technischer Fortschritt sind allgegenwärtig. Handwerkliche Fertigkeiten bleiben aber deshalb immer häufiger auf der Strecke, meinen zwei Konnersreuther Unternehmer. Kritik üben sie auch an unterschiedlichen Standards bei der Lehrlingsausbildung.

Gleich drei Firmen an der Industriestraße stattete die CSU Konnersreuth einen Besuch ab. Für die Einblicke in ihre Betriebe dankte CSU-Ortsvorsitzender Andreas Malzer den Unternehmern Raimund Pritzl, Siegfried Schiedeck und Willi Wenisch (von rechts). Bild: jr
von Josef RosnerProfil

Die Firmen HW-Bau (Willi Wenisch), Naturstein Pritzl (Bettina und Raimund Pritzl) und Schiedeck-Bau (Siegfried Schiedeck), die allesamt in der Industriestraße ansässig sind, standen jetzt auf einer Besuchstour des CSU-Ortsverbandes. Vorsitzender Andreas Malzer freute sich über das Interesse an der Reihe "Montagstreff" und stellte heraus, dass diese Konnersreuther Unternehmen kooperierten und sich ergänzten. "Arbeit ist genügend da, aber haben wir auch das Personal, um diese Arbeit bewältigen können?", fragte Malzer einleitend.

Keine Azubis gefunden

Erste Station war der Bauhof von HW-Bau. Aktuell beschäftigt das 1993 gegründete Unternehmen fünf Mitarbeiter und einen Auszubildenden. Inhaber Willi Wenisch kam gleich zur Sache und kritisierte, dass Maurerlehrlinge nach dem ersten Jahr an der Berufsschule Wiesau für das zweite und dritte Lehrlingsjahr nach Schwandorf in die Schule müssen. Dort sollen teilweise "unterirdische Voraussetzungen" herrschen, wie Wenisch sagte. "Die haben dort nicht mal das Geld, dass sie g'scheite Ziegel kaufen. Die arbeiten mit Material und Geräten wie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Dagegen ist die Ausstattung in Wiesau wie in einem Fünf-Sterne-Hotel", betonte Wenisch. Aufgrund dieser Probleme hätten bereits zwei junge Leute ihre Ausbildung abgebrochen, so Wenisch voller Bedauern. Weiter beklagte Wenisch, dass er heuer Auszubildende habe einstellen wollen, aber niemanden gefunden habe.

Die Auftragslage bezeichnete Willi Wenisch als sehr gut, auch der Ausblick auf das kommende Jahr sei angesichts der Nachfrage positiv. Wenisch stellte den Besuchern sein Unternehmen näher vor und informierte, dass sich auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Firmengelände neben einem Lagerplatz auch eine Halle für Innenarbeiten befindet.

Als nächstes schaute die Gruppe bei Bettina und Raimund Pritzl vorbei. Das noch recht neue Gebäude auf dem Firmengelände dient hauptsächlich als Lagerstätte. Raimund Pritzl hat sich mit Unterstützung der Firma Rappl aus Moosbach auf das Verlegen von Steinmaterialien spezialisiert. Die Firma Rappl, bei der Pritzl auch als Gebietsleiter tätig ist, beschäftigt aktuell 54 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende. Bei ihm zu kaufen gibt es neben einer Fülle von Steinmaterialien auch Kunstwerke und Brunnen aus Stein. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählt das steinerne Denkmal für Fritz Gerlich vor dem Konnersreuther Pfarrhaus. Raimund Pritzl, dessen Tätigkeitsgebiet bis nach Regensburg reicht, arbeitet bereits seit 41 Jahren in diesem Metier, wie er berichtete.

Zuletzt ging es auf das 2500 Quadratmeter große Betriebsgelände der Firma Schiedeck-Bau. Erweiterungsmöglichkeiten bietet ein noch vorhandenes rund 10 000 Quadratmeter großes Grundstück. Siegfried Schiedeck, der Maurer- und Betonbauermeister sowie Kachelofen- und Luftheizungsbaumeister ist, hat sein Unternehmen 1999 gegründet. Aktuell beschäftigt er zwölf Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende. Im Einsatz sei das Unternehmen zwischen Hof und Weiden. "Je älter unser Unternehmen wird, desto mehr Aufträge bekommen wir auch in unserer Heimat", sagte Schiedeck. Spezialisiert hat sich die Firma auf Innen- und Außenputz sowie Estrich- und Malerarbeiten. Ein weiteres Standbein des Betriebes, vor allem in den kälteren Monaten, ist der Kachelofen- und Kaminbau. Auf dem Firmengelände sind stets 10 bis 15 Öfen zu besichtigen.

Änderungen notwendig

Auch bei Schiedeck-Bau ging es um das Thema Ausbildung. "Kürzlich habe ich zwei Realschüler bekommen, die eine Ausbildung absolvieren. Da gibt es schon Unterschiede zu den Mittelschülern", berichtete Siegfried Schiedeck. Über die Zustände an der Schwandorfer Berufsschule könne auch er nur den Kopf schütteln. "Wenn das Handwerk wieder einen besseren Ruf erlangen soll, muss sich vor allem im Schulsystem einiges ändern." Die Verantwortlichen von Schiedeck-Bau und HW-Bau waren sich auch einig, dass angesichts der zunehmenden Digitalisierung und der ständigen Verbesserung der Technik die Arbeit mit den Händen und das Ausbilden von Fertigkeiten vernachlässigt würden. Dies dürfe nicht so weitergehen. Auch gegen den Fachkräftemangel müsse dringend gehandelt werden.

Am Ende bedankte sich CSU-Ortsvorsitzender Andreas Malzer mit kleinen Präsenten bei den drei Konnersreuther Unternehmern.

Die arbeiten mit Material und Geräten wie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Dagegen ist die Ausstattung in Wiesau wie in einem Fünf-Sterne-Hotel.Willi Wenisch (HW-Bau) über die Maurer-Ausbildung an der Berufsschule Schwandorf

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