05.04.2018 - 15:36 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Schwerbehinderter bekommt Stelle im Theresianum Integriert nach über zehn Jahren

Schwerbehinderte sind voll leistungsfähige Arbeitskräfte, wenn sie auf einem passenden Arbeitsplatz eingesetzt werden. Bei Rollstuhlfahrer Matthias Plonner ist dies seit kurzem der Fall. Deswegen fühlt er sich auch "nicht behindert".

Matthias Plonner sorgt dafür, dass es den Heimbewohnern nicht langweilig wird. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Matthias Plonner aus Konnersreuth ist seit seiner Geburt im Jahr 1980 schwerstbehindert und sitzt seit Jahrzehnten im Rollstuhl. Über mehr als zehn Jahre hinweg waren alle Versuche gescheitert, ihn beruflich dauerhaft einzugliedern. Auch seine Ausbildung als Bürofachkraft half ihm dabei nicht dauerhaft, Arbeitsaufnahmen scheiterten immer wieder. Der einen Arbeitslosigkeitsphase folgte die nächste. Einen Schlusspunkt in diesem Teufelskreis setzte das berufliche Integrationsprojekt "Hand in Hand", in das Plonner vor knapp eineinhalb Jahren einbezogen wurde.

Damals nicht vorstellbar, doch heute Realität: Seine jetzige Chefin Margit Küspert, Heimleiterin des Theresianums in Konnersreuth, sagt wörtlich: "Matthias ist bei uns super integriert und macht eine wichtige Arbeit." Dass es so weit kam, verdankt Plonner dem Modellprojekt "Hand in Hand". Es wird seit 2015 von der Arbeitsagentur Weiden sowie den Jobcentern Tirschenreuth und Weiden-Neustadt gemeinsam mit ihrem Projektpartner Job-Trans GmbH als örtlicher Repräsentant des Integrationsfachdienstes durchgeführt. "Durch einen ganzheitlichen Ansatz einschließlich individueller Betreuung am Arbeitsplatz im Betrieb wollen wir Selbsthilfepotentiale der Bewerber aktivieren und fördern", erklärt Tamara Sommer von der Job-Trans gGmbH. Das Projekt ermöglicht den interdisziplinären fachlichen Austausch aller Beteiligten. Experten aus der Sozialpsychologie, der Medizin, der Arbeitswissenschaft und dem Arbeitsmarkt treffen zusammen und entwickeln individuelle Lösungsansätze.

Stelle "freigeschaufelt"

Bei Matthias Plonner lautete das Ergebnis dieses fachlichen Austauschs: "Er kann doch viel besser mit den Menschen als mit den Arbeiten im Büro umgehen." Während eines betreuten Praktikums im Senioren- und Pflegeheim des Klosters Theresianum hatte sich diese Erkenntnis rasch bestätigt. Deshalb besuchte Plonner eine knapp viermonatige Schulungsmaßnahme im Kolping-Bildungswerk in Weiden und wurde dort zur Betreuungsfachkraft ausgebildet. Es folgten der Arbeitsvertrag im Theresianum und das Lob der Heimleiterin: "Matthias macht etwas, was wir so nicht abdecken konnten." Auch die Leitung einer Gymnastikgruppe gehört dazu. Extra für ihn sei eine Stelle "freigeschaufelt" worden.

Der Rollstuhlfahrer, der nun endlich sein eigenes Geld verdient, bewege sich "auf Augenhöhe mit den Bewohnern", so Margit Küspert. Wie beliebt Matthias Plonner bei den Heimbewohnern ist, schildert er selbst mit dem Satz: "Die sind böse, wenn ich nicht komme." Und weiter berichtet er: "Mir erzählen die oft mehr als dem Pflegepersonal." Die Arbeit mit den Heimbewohnern sei "jeden Tag ein neues Überraschungsei". Auch Quiz-Runden und Rätselstunden gehören zum Betreuungsprogramm, damit die Heimbewohner geistig aktiv bleiben.

Hoffen auf Signalwirkung

Teamleiter Klaus Gredinger vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur in Weiden hofft auf eine "Signalwirkung des Falles Plonner auch für andere Arbeitgeber". Alleine im Landkreis Tirschenreuth gebe es derzeit 176 schwerbehinderte Arbeitslose. Zwei Drittel davon hätten eine abgeschlossene Berufsausbildung. Arbeitsvermittlerin Regina Ram verweist auf die zahlreichen Hilfen bei der Einstellung Schwerbehinderter "von Lohnzuschuss bis hin zur behinderungsgerechter Arbeitsplatzausstattung". Auch der erforderliche Aufzug für Rollstuhlfahrer ist schon finanziert worden.

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