01.03.2018 - 16:36 Uhr
Konnersreuth

Vortrag zum Thema Rechtsextremismus Den Bürgern Perspektiven geben

Welche Bedrohung stellen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus für die Demokratie dar? Und wie lässt sich das Problem effektiv bekämpfen? Antworten gibt es bei einem Vortrag in Konnersreuth.

"Die Leute wollen wissen, wie ihre Zukunft aussieht. Sie wollen eine Perspektive." Zitat: Martin Becher zum Kampf gegen Rechtsextremismus
von Josef RosnerProfil

Diplom-Pädagoge und Politologe Martin Becher, Leiter der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad, war auf Einladung der SPD Konnersreuth ins Gasthaus "Zum Kouh-Lenzen" gekommen. Dabei warb er für die Kampagne mit dem Titel "Demokratie find ich gut". Damit will das Bündnis für Toleranz, dem bayernweit mehr als 70 Verbände und Organisationen angehören, die Menschen sensibilisieren.

Gleich zu Beginn seines Vortrags malte Martin Becher einen Eisberg, wobei er mit der Spitze den harten Kern des Rechtsextremismus darstellte. "Diese Menschen sind hochgradig ideologisch und gewaltbereit, eben Neonazis und Rechtsextreme", betonte Becher und machte deutlich, dass Wunsiedel einer der wenigen Orte in Deutschland sei, an denen sich Rechtsextreme ihrer eigenen Wurzeln vergewissern könnten. Erst vor wenigen Jahren wurde eine neue Partei mit dem Namen "Der III. Weg" gegründet. "Parteien haben im Grundgesetz einen extrem hohen Stellenwert, sie können nur schwerlich verboten werden", so Becher. Das Besondere am "III. Weg" sei, dass es keine Ortsvereine, sondern nur Stützpunkte gebe. Auf einen Antrag der Grünen hin hat der Bayerische Landtag beschlossen, dem "III. Weg" die Parteiprivilegien zu entziehen. "Jetzt muss dieser Beschluss noch umgesetzt werden." Neben dem "III. Weg" ist laut Becher auch noch das "Freie Netz Süd" (FNS) aktiv, obwohl es seit 2014 verboten ist. Zurückgezogen habe sich diese Gruppierung mehr und mehr nach Sachsen und Thüringen.

25 000 Rechtsradikale

Becher bezifferte die Zahl der Mitglieder in der Neonazi-Szene in Bayern auf rund 2500 Leute, deutschlandweit gebe es rund 25 000 Personen, die rechtsradikal und auch gewaltbereit sind. Wichtigster Termin sei für die Rechtsextremen der 1. Mai, an diesem Tag gingen sie auf die Straße. In Wunsiedel kämen jeweils bis zu 200 Personen aus diesem Spektrum zusammen.

Ein besonderes Problem ist laut Becher, dass Neonazis zunehmend eigene Familien mit Kindern gründen. "Diese Kinder gehen in die Kinderhäuser und Schulen und schon beginnen dort die Diskussionen." Dies sei auch der Grund dafür, dass in der Neonazi-Szene verstärkt um junge Frauen geworben werde.

Immer wieder erstaunlich finde Martin Becher, dass rechtsradikale Parteien bei Wahlen viele Stimmen bekämen, die Wähler sich aber nicht zu erkennen gäben. Laut Becher haben diese Parteien ein Wahlpotenzial von bis zu einer Million Menschen. Wie stark die Rechtsradikalen mittlerweile seien, verdeutliche ein Blick ins Internet. Becher verwies auf eine hohe vierstellige Zahl an Homepages mit rechtsradikalem Inhalt. Weiter gab Becher zu bedenken, dass es laut einer Studie in Deutschland bis zu 16 Millionen Menschen mit antisemitischen Ansichten gebe. Täglich ereigneten sich drei Straftaten mit antisemitischem Hintergrund. Auch wenn diese Zahl früher noch höher gewesen sei, müsse man sich dieser Realität stellen. "Wir sollten die Ursachen bekämpfen, nur dadurch lässt sich dieses Phänomen in den Griff kriegen", mahnte der Referent.

Unmut und soziale Medien

Zu sprechen kam Becher auch auf die AfD. In dieser Partei spiegle sich der ganze Unmut der Bevölkerung wider. Eine große Rolle spielten hier auch die sozialen Medien. Im Zusammenhang mit dem Erstarken der AfD sieht Becher auch den Zulauf zu Gruppierungen wie Pegida oder zur Reichsbürger-Bewegung. Auch weil viele Nichtwähler plötzlich wählten, habe die AfD so stark werden können. Becher sprach sich dafür aus, der AfD allein mit parlamentarischer Arbeit entgegen zu treten. Für Martin Becher sei klar, dass Rechtspopulismus und Rechtsextremismus erst erfolgreich bekämpft werden können, wenn das politische Deutschland den Menschen eine Perspektive geben könne. "Die Leute wollen wissen, wie ihre Zukunft aussieht, sie wollen eine Perspektive."

Die Leute wollen wissen, wie ihre Zukunft aussieht. Sie wollen eine Perspektive.Martin Becher zum Kampf gegen Rechtsextremismus

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