05.02.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Landkreis Spitzenreiter bei FSME-Erkrankungen: Deutschlands Gefahrenzone

von Uli Piehler Kontakt Profil

Schon seit vielen Jahren gilt der Landkreis Amberg-Sulzbach als Risikogebiet für die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die neuesten Zahlen des Robert-Koch-Institutes allerdings rütteln die Experten des Gesundheitsamt auf. Amberg-Sulzbach belegt in der Krankenstatistik, die im März veröffentlicht wird, bundesweit den ersten Platz. Nirgendwo anders in Deutschland infizierten sich 2013 mehr Menschen mit dem FSME-Virus.

"Wir hatten im vergangenen Jahr 16 Infektionen - so viele wie noch nie", berichtet Dr. Roland Brey, der Chef des Gesundheitsamtes am Landratsamt. "Und das ist nur die Spitze des Eisberges." Denn eine FSME-Erkrankung sei relativ schwer zu diagnostizieren.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin dokumentiert seit 2002 jeden einzelnen FSME -Fall in Deutschland. Dabei bezieht das RKI die gemeldeten Fallzahlen auf je 100.000 Einwohner. 2013 ergab sich für den Landkreis Amberg-Sulzbach eine Rate von 13,4 pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Die Rate für den Landkreis Neustadt/WN liegt bei 9,3, für den Landkreis Schwandorf bei 4,2 und für Bayern nur bei 1,4. Die natürlichen Gegebenheiten bieten dem FSME-Virus und seinen Wirtstieren (vor allem Mäuse, Igel, Vögel, Reh- und Rotwild) im Kreis Amberg-Sulzbach ein ideales Lebensumfeld. Hinzu kommt aktuell der relativ milde Winter. "Wenn es draußen sieben oder acht Grad plus hat, dann werden die Zecken aktiv - auch schon im Januar", erklärt Dr. Brey. Die Zeckensaison beginne also mitnichten erst im Frühjahr. "Zeckenbisse gibt es mittlerweile fast das ganze Jahr über."

Vier Todesfälle seit 2001

Das Robert-Koch-Institut betreibt seinen Forschungsaufwand nicht umsonst. Denn FSME gilt als brandgefährlich. "Wir hatten im Landkreis seit dem Jahr 2001 bei 96 gemeldeten Erkrankungen 4 Todesfälle", sagt der Leiter des Gesundheitsamts. Die Infektion kann zu einer Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen, Fieber, Erbrechen und vereinzelt auch zu Lähmungen, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma führen. Männer ab 50 Jahren sind von der FSME-Erkrankung besonders häufig betroffen.

"Die Problematik ist seit Jahren bekannt", erklärt Dr. Brey. "Die Leute ziehen daraus aber leider nicht die Konsequenz, sich impfen zu lassen." Der Mediziner appelliert eindringlich, das Angebot zu nutzen. Ein sicherer Schutz vor der Erkrankung sei nach drei Impfungen innerhalb eines Jahres zu erwarten. Danach müsse die Impfung alle drei Jahre aufgefrischt werden. "Die Kosten übernimmt bei uns - anders als in anderen Ländern - die Krankenkasse."

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