12.10.2017 - 16:32 Uhr
Oberpfalz

AOVE-Tour durch Abbaugebiet bei Atzmannsricht Prunkstücke und Grand Canyon

Die Goldene Straße war vor 450 Jahren die Handelsroute zwischen Nürnberg und Prag - die Verbindung zwischen Böhmen und dem Westen unter Karl IV. . Nun führte Norbert Graf eine AOVE-Tour von Krickelsdorf zum Grand Canyon der Oberpfalz.

Günter Forster auf dem Schaufellader: Zur Geologie und zum Beginn des Sandsteinabbaus sprach der Leiter der Strobel Quarzsand GmbH. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

Atzmannsricht. "Richtung Westen gehen wir", hieß es an der kleinen Kapelle in Krickelsdorf. Norbert Graf braucht keinen Kompass - er kennt seine Goldene Straße und alle damit verbundenen Geschichten, vor allem die über Karl IV. . Als erste Zwischenstation wählte er das Steinerne Kanapee in Atzmannsricht. "Ein nettes Fleckerl zum Ausruhen - damals wie heute", sagte der Wanderführer und erzählte auch gleich die erste Anekdote vom besuch Karl IV. in Hirschau kam: Der Bürgermeister wollte den Kaiser würdig empfangen, indem er durch die Straße Teppiche verlegen ließ. Es stellte sich aber heraus, dass im ganzen Ort nur zwei davon würdig erschienen, vom Kaiser betreten zu werden.

Zwei Prunkstücke

Der Bürgermeister hatte deshalb die Idee, nur jene beiden Prunkstücke des Rathaussaales zu verwenden. Jedoch so, dass immer mehrere Männer den einen Teppich wieder schnell nach vorne tragen, während der Kaiser den zweiten überschreitet. Der Plan ging auf, bis der Kaiser ein Haus bewunderte und kurz stehenblieb. Doch dem gewohnten Tempo treu, rissen die Männer eilig den Teppich weg: Kaiser und Bürgermeister stürzten vorwärts zu Boden. Zwei große Pflastersteine schmücken heute die Stelle, an der Karl IV. den Boden geküsst haben soll.

Günter Forster, Leiter der Strobel Quarzsand GmbH, begleitete die Wanderung, um über die Entstehung des sogenannten Grand Canyon der Oberpfalz zu erzählen. Eigentlich handelt es sich hier um die Sandgruben zwischen Atzmannsricht, Kainsricht, Großschönbrunn bis kurz vor Ehenfeld. Selbst Forster schmunzelte angesichts des überzogenen Vergleichs zum Naturwunder in Arizona.

Aber immerhin beträgt die Sandstockhöhe, an der abgebaut wurde, etwa 32 Meter und zieht sich über ein acht Kilometer langes Terrain. Die Besonderheit des Quarzsandes in Süddeutschland: Er ist Schwermetallarm und deshalb leicht zu verarbeiten. Entstanden ist die Lagerstätte vor über 140 Millionen Jahren durch erodiertes Gesteinsmaterial, das über Flüsse ins tiefe Schelfmeer transportiert und weiter zerkleinert wurde. Die unterschiedliche Herkunft der Mineralien und die Dauer der Ablagerung führten zur Bildung der unterschiedlichen Schichten, die in der Grube zu sehen sind.

In 20 Jahren

In Atzmannsricht wurde 1957 mit dem Abbau begonnen. Heute wird das Rekultivierungskonzept umgesetzt, damit das Areal in etwa 20 Jahren wieder an Forst- und Landwirtschaft übergeben werden kann. Geplant sind Verwitterung der Natur und Steigböschungen. Nicht verwendbares Material wie Ton füllt die entstandenen Lücken, damit keine Kleingewässer entstehen.

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