03.03.2017 - 11:36 Uhr
Oberpfalz

Kann man vom Landkreis Amberg-Sulzbach aus die Alpen sehen? Den Großvenediger im Blick

Dass man vom Arber aus den Watzmann sehen kann, das wissen die Bergsteiger längst. Aber reicht die Fernsicht rund um Amberg, um noch die Alpen zu erblicken? Gut, dass es den Großvenediger gibt.

Je höher man steigt, umso weiter kann man schauen. Dieses Bild entstand genau über der Stadt Amberg von einem Segelflugzeug aus. Es zeigt die schneebdeckten Gipfel der Könige des Bayerwaldes: Osser und Arber. Bild: luf
von Uli Piehler Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. (upl/pkhl) 3657 Meter ist er hoch, der vergletscherte Hauptgipfel des Großvenedigers in den Hohen Tauern. Ganz, ganz blass dürfte er am Horizont zu erkennen sein, wenn man auf dem Johannisberg (605 Meter) bei Freudenberg steht und ein paar Umstände zusammenkommen. Es sollte glasklare Luft vorhanden sein, ein gutes Fernglas wäre nicht von Schaden und Bäume sollten die Sicht nicht versperren. Dann aber könnte der Blick zum Alpenhauptkamm möglich sein.

Wegen der Erdkrümmung

Und neben dem Großvenediger gibts dann gleich noch die Ackerlspitze (2329 Meter) im tirolerischen Kaisergebirge dazu. Sie lugt ein bisschen weiter links zwischen Himmel und Erde hervor, etwa dort, wo auch der Fernmeldeturm Ziegetsberg bei Regensburg zu erkennen ist. "Den Fernsehturm kann man mit einem Fernglas wahrscheinlich ohne Weiteres sehen", meint AZ-Wetterexperte Andy Neumaier. Beim Großvenediger ist er sich da nicht ganz sicher. Dazu muss die Luft glasklar sein", sagt er. "Weder Dunst, noch Feinstaub, noch irgendwelche Feuchtigkeit dürfen die Sicht vernebeln. Das kommt sehr selten vor." Auch vom Gipfel des 667 Meter hohen Hausbergs von Schnaittenbach, dem Buchberg, ist die Luftlinie bis zum etwa 270 Kilometer entfernten Großvenediger unversperrt. Die Glocknergruppe der Alpen mit dem 3798 Meter hohen Gipfel des Namensgebers und dem Großem Wiesbachhorn (3564 Meter), können beim Fernblick nach Südosten ebenfalls schemenhaft auftauchen. Etwas besser sollten die Fernglasgucker vom Buchberg aus den Sendeturm Hohe Linie erkennen können, der nordöstlich von Regensburg steht.

Die Alpen sind theoretisch auf den meisten Höhen des Naabgebirges um Freudenberg und Schnaittenbach zu sehen, weil diese über 600 Meter hoch sind und keine anderen Berge südlich davon das Panorama beeinträchtigen. Der Alpenblick hier dürfte bayernweit der mit der weitesten Entfernung sein. Weiter im Norden, am über 1000 Meter hohen Ochsenkopf etwa, ist die Alpenkette auch aufgrund der Erdkrümmung nicht mehr auszumachen.

Nicht nur Kümmersbruck

Auf den kleineren Bergen im Landkreis zeichnen sich immerhin die Könige des Oberpfälzer und des Bayerischen Waldes, des Fichtelgebirges und der Frankenalb deutlich am Horizont ab. Obwohl der Ossinger bei Königstein geografisch zur Fränkischen Alb gehört, ist er Teil der Oberpfalz. Der 651 Meter hohe Berg bietet einen ausgezeichneten Ausblick - aber nicht auf die Alpen. Die anderen Gipfel des Jura versperren die Sicht auf das alpine Hochgebirge. Dafür tritt an schönen Tagen im Südosten der 1092 Meter hohe Gipfel des Hirschensteins im Bayerischen Wald aus dem Dunst am Horizont hervor. Im Osten streckt sich der Signalberg mit seinen 887 Metern bei Winklarn gen Himmel.

Und was erblickt man vom Amberger Mariahilfberg aus, außer das Siemens-Werk und Kümmersbruck? Wer in den Genuss kommt, die Laterne des Kirchturms zu besteigen, sollte seine Augen dem Südosten zuwenden. Ungefähr 100 Kilometer entfernt sind die höchsten Berge des Bayerischen Waldes zu sehen. Unter anderem der Große Riedelstein (1132 Meter) und natürlich der Große Arber (1455 Meter). Im Norden ist dort, wo sich Himmel und Erde berühren, das Fichtelgebirge deutlich erkennbar mit dem Ochsenkopf (1024 Meter) und dem benachbarten Schneeberg (1051 Meter). Eine gut sichtbare Landmarke gibt vom Mariahilfberg aus der nur 18 Kilometer entfernte Sender Rotbühl (673 Meter) ab. Ihm leisten ja mittlerweile mehrere Windräder Gesellschaft.

Bis nach Tschechien

Der Gottvaterberg liegt bei Auerbach. Er ist nur 550 Meter hoch und eröffnet dennoch einen Blick bis ins Ausland. Der Havran (deutsch: Großer Rabenstein, 894 Meter) ragt im Osten aus der Bergkette hervor, sein Gipfel liegt bereits auf tschechischem Staatsgebiet.Und auch der Cerchov (1042 Meter) hinter der tschechischen Grenze mit seinen beiden Aussichtstürmen ist von Auerbach aus zu sehen. Selbst auf dem Annaberg in Sulzbach-Rosenberg tut sich bei Fernsicht ein tolles Bergpanorama auf. Nach Norden hat man die Sicht auf das Fichtelgebirge mit seinen 1000 Meter hohen Gipfeln. Im Osten sieht man den Großen Osser (1293 Meter) und das Mittagsplatzl (1340 Meter) im Bayerischen Wald.

Der Höhenglücksteig bei Hirschbach darf als Aussichtspunkt natürlich nicht fehlen. Von der Felswand aus ist im Westen der Nürnberger Fernsehturm erkennen - an schönen Tagen mit bloßem Auge.

Der Berg-Pogrammierer Ulrich Deuschle

Ulrich Deuschle hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem von beliebigen Punkten aus berechnet werden kann, welche Berge am Horizont zu sehen sind. Deuschle ist im schwäbischen Rudersberg aufgewachsen. Der naturverbundene Biochemiker arbeitet in Nürnberg und wohnt in Hersbruck. Hier lebt der 60-Jährige mit seiner Frau und zwei Kindern. In einem Zeitungsinterview erklärte er vor einiger Zeit, wie er auf die Idee kam, die Software zu basteln.

Im Sommer 2007 war der Hobbybergsteiger im Ortler-Massiv in Italien unterwegs. Mit Karte versuchte er verzweifelt, die umliegenden Bergspitzen zu benennen. Vergeblich. Die fixe Idee, per Computer und Koordinaten für Aufklärung zu sorgen, war geboren. Durch die Arbeit an seinem Bergpanorama-Projekt knüpfte Deuschle internationale Kontakte und ist unter Bergsteigern mittlerweile recht bekannt. Zuerst hat Deuschle Satelliten-Daten benutzt, um ein Panorama der Alpen zu erstellen und zu benennen. Danach kümmerte er sich um ein paar weitere Gebirge. Die Höhendaten der Alpen stammen von Jonathan de Ferranti und wurden in Abständen von einer Bogensekunde gemessen (entspricht etwa 30 Metern). Für die restliche Erdoberfläche benutzt Deuschle die Daten des SRTM 3 (Shuttle Radar Topography Mission) mit einer Auflösung von drei Bogensekunden. Beide Datensätze stehen frei zur Verfügung. Damit jeder Berg auch noch identifiziert werden kann, werden die Daten der Website geonames.org eingesetzt. Dieses Archiv wächst ständig weiter. Jeder kann Berge und Hügel markieren und benennen. Das Endprodukt des Hobby-Informatikers ist seit 2009 auf seiner Website verfügbar und steht zur privaten Nutzung kostenlos zur Verfügung. (pkhl)

Das Angebot im Netz: http://www.udeuschle.selfhost.pro/panoramas/makepanoramas.htm

Seltene Anblicke

Einen seltenen Alpenblick hat Hobby-Fotograf Wilfried Malz im Februar 2014 fotografisch vom Landkreis Cham aus festgehalten. Er hat am Altenschneeberg bei Tiefenbach die Venediger-Gruppe am Horizont gesehen und auf den Auslöser gedrückt. Wie das dann aussieht, sieht man hinter diesem Link in voller Pracht. Ähnliche Fotos sind ihm von Aussichtspunkten im Landkreis Neumarkt aus gelungen.

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