Kümmersbrucker Modellprojekt bietet "Action for Men"
Karate Ü50? Kein Problem!

Trainer Josef Summerer (links) und seine Karate-Schüler üben sich nicht nur in Kampfkunst, sondern arbeiten auch an ihrer Fitness und Koordination. Klaus Stadler (rechts) hat besonders Letzteres motiviert, aus seiner Schnupperstunde mit der Sportcard ein dauerhaftes Eintauchen in diesen Sport zu machen. Bilder: Petra Hartl (3)
Freizeit
Kreis Amberg-Sulzbach
02.06.2017
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Immer schön locker: Was sich so leicht sagt und auch so aussieht, ist für die Sportler harte Arbeit. Karate ist Ganzkörpertraining.
 
JKC-Vorsitzender Lorenz Hirsch hat seine Judo-Schüler genau im Blick.

Immer schön locker bleiben, heißt die Devise. Für den Zaungast sieht das auch richtig geschmeidig aus. Für die Kümmersbrucker Karateschüler aber ist es harte Arbeit. Das lassen die Schweißperlen auf der Stirn erahnen. Klaus Stadler schwitzt hier gern mit. Er hat über das Modellprojekt "Action for Men" seinen neuen Sport entdeckt.

Kümmersbruck. Klaus Stadler ist quasi der perfekte Teilnehmer im Modellprojekt. Genau so, wie es bei ihm gelaufen ist, hatten sich die Verantwortlichen das gedacht, als sie die Kümmersbrucker Sportcard erfunden haben: Man kommt zu einem beteiligten Verein, absolviert eine Schnupperstunde - und hat dabei so viel Spaß, dass man danach gleich regelmäßig weitertrainiert.

Klaus Stadler hat "immer Sport gemacht", verrät er in einer Pause. Zuletzt war er "zwei, drei Jahre in der Rückenschule". Dann stellte sich die Frage: "Mach' ich was anderes - oder mach' ich weiter?" Er entschied sich für Ersteres. Bei der Wahl half ihm die Auftakt-Veranstaltung zur Vorstellung der Sportcard. In der Kümmersbrucker Dreifachturnhalle stellten sich damals die beteiligten Vereine vor und luden teilweise sofort zum Ausprobieren ein. "Das kam gerade recht", erzählt Stadler. Die Präsentation des Judo- und Karateclubs Kümmersbruck überzeugte ihn. Inzwischen hat er schon ein paar Mal mittrainiert im Dojo am Butzenweg - so nennen die Judokas und Karatekämpfer ihre Sporthalle.


Sport hilft dem Rücken

Warum ausgerechnet Karate? Da muss Stadler nicht lange nachdenken: "Was mir gut gefällt, ist die halbe bis dreiviertel Stunde gute Gymnastik. Der Kampf hätte mich nicht so angesprochen."

Der Neuzugang, genau im anvisierten Projekt-Alter "50 plus", hatte "immer Rückenprobleme: Aber wenn ich regelmäßig was mache, dann habe ich keine". Geschenkt bekommt man das aber auch beim Karate nicht. "Das ist schon anstrengend. Aber das ist ja so gewollt", sagt er lachend und reiht sich wieder ins Training ein. Ein bisschen Sprachkenntnis gibt's nebenbei dazu. Karate-Spartenleiter Josef Summerer, der das Training leitet, zählt die Wiederholungen der Übungen laut auf Japanisch mit. Unterhalten könnte er sich nicht in dieser Sprache. "Aber bis zehn zählen, das geht." Seine Schüler-Riege ist bunt gemischt. Die Männer sind zwar deutlich in der Überzahl, aber altersmäßig ist hier ein ganz bunter Haufen am Werk. Einsteigen bei Karate mit Ü50? Summerer lacht. Er weiß: "Ältere haben immer Probleme." Aber er ist selbst das beste Beispiel, dass sie das nicht abhalten muss vom Sport. "Ich habe einen Bandscheibenvorfall." Für ihn kein Problem. "Wir achten darauf, dass alles sehr korrekt ausgeführt wird - körpergerecht."

Die Knie stets im Blick

Im Gegensatz zum Judo gibt es im Karate keine Würfe, hier geht es mehr um "schlagende Tritte". Am wichtigsten aber ist: "Es soll nichts passieren." Deshalb achtet der Trainer auch immer sehr streng darauf, dass seine Schützlinge die Bewegungen sauber ausführen - und vor allem ihre Knie nicht falsch belasten.

Einsteigen kann man beim JCK jederzeit: Klassische Kurse, wie man sie aus anderen Sportarten kennt, gibt es hier nicht. Einsteiger, noch nicht sehr geübte Anfänger und echte Profis mit Gürteln in höheren Stufen trainieren hier gemeinsam. Eine Art von Learning by Doing - also Lernen beim Mitmachen. Hauptsache, immer schön locker. Dann, sagt Summerer, "geht es relativ schnell" mit dem Karate-Einstieg. Dranbleiben muss man natürlich auch. Denn auch bei diesem Sport macht erst die Übung den wahren Meister.


Neueinsteigen ist noch möglich

Noch können auch ganz Spätentschlossene einsteigen beim Projekt "Action for Men": Die Sportcard-Aktion in Kümmersbruck läuft bis Ende Juli. Wer sich die Karte bei der Gemeinde kauft, kann damit zehn Schnupperstunden bei den beteiligten Vereinen absolvieren - nach freier Wahl, entweder zehn verschiedene oder auch mehrere im selben Kursangebot. Gut 60 Karten sind nach Auskunft von Helmut Strobl vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Bayreuth, der das Modellprojekt begleitet, im Umlauf.Angesprochen sei natürlich ganz besonders die Zielgruppe des Modellprojekts: Männer jenseits der 50, vor allem solche, die entweder noch nie besonders sportlich aktiv waren - oder eine längere Sportpause hinter sich haben. "Ich bin sehr zufrieden", lautet Strobls Zwischenbilanz: Mitgemacht hätten bislang sowohl schon aktive als auch inaktive Männer. Seine Begeisterung gilt auch den lokalen Partnern, der Gemeinde Kümmersbruck und den beteiligten Vereinen und Institutionen. "Eine tolle Kooperation" sei das, in der man auf einem innovativen Weg "ein schönes Angebot" auf die Beine gestellt habe. Das sei "auf jeden Fall ein guter Anfang", dem eine Fortsetzung folgen sollte, meint Strobl. Tatsächlich gebe es erste Überlegungen, die eigentlich bis Ende Juli begrenzte Aktion zu verlängern. Darüber will der Arbeitskreis, in dem Vertreter aller beteiligten Institutionen vereint sind, bei seinem nächsten Treffen Ende Juni diskutieren.

Die Sportcard-Angebote

  • Aqua Circle - Fitnesstraining im Wasser (Schwimmschule AquaVitalis)
  • Sanftes Judo mit Selbstverteidigung (JKC Kümmersbruck)
  • Leichtes Karate (JKC Kümmersbruck)
  • Männeryoga (JKC Kümmersbruck)
  • Präzisionsarbeit Stockschießen (SV Club Hubertus Köfering)
  • "Sport und Natur": Outdoor-Aktivitäten, wie Radfahren, Boccia, Geocaching, Qigong, Wanderungen (TV 1861 Amberg)
  • Softball-Tennis für Power-Männer (TC Kümmersbruck)
  • Intensiv-Training für Tennis-Cracks (TC Kümmersbruck)
  • Volleyball (TSV Kümmersbruck)
  • Fitness-Mix für Männer (TSV Kümmersbruck)
  • Fußballtennis (TSV Kümmersbruck)
  • Fitness für Männer - Herrengymnastik (TSV Theuern).

Hintergrund

Kümmersbrucker bekommen die Sportcard zum Preis von zehn Euro bei der Gemeindekasse im Rathaus. Noch bis Montag, 31. Juli, kann man damit aus einem breiten Angebot insgesamt zehn kostenlose Schnupperstunden auswählen. Diese sind ausdrücklich auch für Anfänger geeignet. Alle Einzelheiten im Internet (www.kuemmersbruck.de).

Sport mit Werten

Judo und Karate können Kampfsport sein, müssen es aber nicht, erklärt Lorenz Hirsch, Vorsitzender des Judo- und Karateclubs Kümmersbruck (JCK), der auch die Judokas trainiert. "Man kann das auch ganz sanft gestalten, das lässt sich individuell steuern."

Neben dem Sport geht es darum, höflich, zuverlässig, freundlich, aufmerksam zu sein und sich stets im Griff zu haben. Hirsch deutet auf die Begriffe, die im Trainingszentrum, Dojo genannt, für alle sichtbar an der Wand hängen: Hier stehen Wörter wie Respekt und Achtung voreinander, Hilfsbereitschaft - den Sportsfreunden, aber auch dem Trainer gegenüber. "Das sind Eigenschaften, die wir unseren Kindern und Jugendlichen vermitteln und ihnen auch vorleben." Zumal Ruhe und Aufmerksamkeit für sie heutzutage "nicht so selbstverständlich" seien.

Gerade Judo werde oft als "der sanfte Weg" bezeichnet - hier könne man "siegen durch Nachgeben". "Sanftes Judo" und "weiches Karate" - beides sei auch für die mit der Sportcard angesprochene Altersgruppe "50 plus" zu machen (Hirsch: "Ich bin 67"). Und auch zu empfehlen, schließlich trainiere man dabei nicht nur die Fitness, sondern auch Beweglichkeit und Koordination. Letztere spielt zum Beispiel eine Rolle, um auch im Alltag Stürze zu vermeiden oder so abzufangen, dass man sich nicht verletzt.
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