10.01.2018 - 17:38 Uhr
Oberpfalz

Sonderzüge sind eine teuere Angelegenheit: 1800 Euro für ein Stück Papier

Es ist eine Idee, die den SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl umtreibt. Er will gemeinsam mit dem Verein Amberger Kaolinbahn mit einem Sonderzug von Schnaittenbach zum Drachenstich nach Furth im Wald fahren. Aber ganz so einfach ist das dann doch nicht. Denn dafür braucht er eine Menge Geld.

von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Das Problem liegt zwischen Schnaittenbach und Amberg. Auf dieser Nebenstrecke existieren zwar Gleise. Und es fahren dort auch regelmäßig Züge. Aber die transportieren Kaolin von den Gruben um Hirschau und Schnaittenbach nach Amberg - und keine Menschen. Dafür benötigt man eine Ausnahmegenehmigung. Diese stellt das Eisenbahnbundesamt (EBA) in Bonn aus. Und zwar gegen eine Gebühr von 1800 Euro gemäß der Bundeseisenbahngebührenverordnung (BEGebV). "Ist für eine geplante Fahrt eine genehmigte Ausnahme von der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) notwendig, muss das Eisenbahn-Bundesamt eine Gebühr dafür erheben, diese zu erteilen (siehe Bundeseisenbahnverkehrsverwaltungsgesetz - BEVVG, § 3 Abs. 4)", heißt es dazu in einer Presseanfrage der Amberger Zeitung beim Eisenbahnbundesamt.

Ausnahme ohne Ausnahme

Ausnahmen von der Ausnahmegenehmigung gibt es übrigens keine. Ob Sonderfahrt mit historischen Zügen, Nikolausfahrt der Amberger Kaolinbahn mit den Garnituren der Länderbahn oder vorübergehend rein kommerzielle Nutzung: Alle zahlen pauschal 1800 Euro.

"Das ergibt dann nur einen Sinn, wenn man das konzertiert macht und beispielsweise drei oder mehrere Fahrten am Stück anbietet", sagt dazu Stephan Stauber, der Vorsitzende des Vereins Amberger Kaolinbahn. Stauber kennt das aus eigener Erfahrung. Hauptberuflich ist er als Lokführer bei der Länderbahn beschäftigt, für seinen Verein stand er wiederholt im Führerstand der Nikolausfahrten von Amberg nach Schnaittenbach.

"Diese Gebühr macht das Ganze einfach sehr kostenintensiv", klagt Stauber. Unter anderem aus diesem Grund habe der Verein in den vergangenen Jahren auf diese Sonderfahrten verzichtet. Dabei kann Stauber - gegen eine entsprechende Gebühr natürlich - von seinem Arbeitgeber das Fahrzeugmaterial leihen.

"Aber das ist ohnehin nur das Wenigste", sagt Stauber. "Wenn wir so eine Fahrt machen, bekommen wir eine umfangreiche Auflagenliste." Die reicht von der Bahnsteigsicherung bis hin zu einem ganz besonderen Handy mit Aufzeichnungsfunktion - obwohl bis Schnaittenbach eigentlich der ganz normale Zugfunk auch hinreicht, wie Stauber anmerkt. Der sehr dankbar dafür ist, dass beispielsweise die Reederei Ruttmann, der das ehemalige Schnaittenbacher Bahngelände jetzt gehört, immer sehr entgegenkommend war. Und die Stadt Schnaittenbach selbst habe sich mit Ausstiegstreppen beteiligt.

Nicht mehr finanzierbar

"Schön wäre es ja schon", sagt Stauber. Aber mit Fahrzeugmiete, Treibstoff, Versicherung und Mietkosten für die Trasse sowie der Ausnahmegenehmigung durch das EBA sei das nicht mehr zu finanzieren. "Wenn einer mit dem Bayernticket kostengünstig von Amberg nach Furth im Wald kommt, kann man ihm nicht plausibel erklären, warum er das Doppelte mit dem Sonderzug bezahlen müsste", sagt er.

"Die Einzige Chance wäre tatsächlich ein Sponsor, der das finanziert." Vielleicht eine der großen Firmen, die entlang der ehemaligen Bahnstrecke von Amberg nach Schnaittenbach angesiedelt sind.

Trassenkosten

Wer auf einer der für den Personenverkehr stillgelegten Bahnstrecken in Deutschland auf eigene Rechnung oder aus Spaß fahren will, braucht dazu die Ausnahmegenehmigung des Eisenbahnbundesamtes. Kostenpunkt: 1800 Euro.

Für dieses Geld stellt die Behörde lediglich eine Bescheinigung aus. Dazu kommen aber noch die Kosten für die Miete der Trasse, die bei der DB Netz zu entrichten sind. Die fallen im Vergleich dazu aber eher "normal" aus. Von Schnaittenbach nach Amberg sind das einfach 69,08 Euro. Hin und zurück also knapp 140 Euro. Fährt der Sonderzug tatsächlich von Schnaittenbach nach Furth im Wald, sind 351,08 Euro netto in eine Richtung zu zahlen - knapp 700 Euro für die komplette Fahrt. (ass)

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