08.04.2018 - 16:48 Uhr
Oberpfalz

SV Schmidmühlen verköstigt Junut-Teilnehmer Hart, härter, Ultralauf

Es ist noch stockfinstere Nacht, als der SV Schmidmühlen am Samstag seinen Pforten öffnet. Punkt 6 Uhr stehen Mitglieder der Familie Fochtner und Maja Burkhardt aus Vilshofen bereit - die ersten Hungrigen können kommen.

Sandy Winkler-Spekker bewältigt den Junut in Sandalen.
von Autor FOPProfil

Schmidmühlen. Bis dahin hatte Peter Fochtner bereits einige Kilo Nudelsalat und Annelies Fochtner eine Gemüsesuppe zubereitet. Maja Burkhardt hatte Brownies zubereitet. Zudem wurden Dutzende weitere Speisen und Getränke angeliefert. All das wurde auf einem rund acht Meter langen Büfett angerichtet. "Dabei gibt es keine Tabus", berichtet SV-Vorsitzender Fochtner. Wienerle, Bratwürste oder Super-Food wie Energieriegel sind genauso gefragt wie frisches Obst, Kekse oder Griebenschmalz.

Jeder Sportler habe da seine eigene Philosophie, in Schmidmühlen versucht man, jedem Wunsch gerecht zu werden. Dabei ist es nicht nur das Speisenangebot, das die Herzen der Extremsportler, die sich an den Junut (Jurasteig nonstop Ultratrail) wagen, höher schlagen lässt, sondern auch das Gesamtkonzept des Vereins. Dank der baulichen Voraussetzungen bietet der SV nahezu alles: Duschen (sogar Einzelkabinen für Frauen), Umkleideräume und einen eigenen Raum, in dem die Sportler kurz schlafen können. Zudem stand ein Physiotherapeut zur Verfügung, um so manche kleinere Blessur wieder in Ordnung zu bringen. "Der ganze Verein ist in den Junut eingebunden", erklärt Fochtner. Denn an diesem Tag könne kein Sportbetrieb auf dem SV-Gelände stattfinden.

Seit dem Rennen im vergangenen Jahr sind alle Junut-Teilnehmer mit GPS-Trackern ausgerüstet. Nach einigen Problemen wechselte Organisator Gerhard Börner in diesem Jahr den Anbieter, die Funktionsweise der Geräte war bestens. Als gegen 6 Uhr am Samstagmorgen im Sportheim Schmidmühlen der PC hochfährt und die Karte mit den Live-Tracks zu sehen sind, staunt der SV-Vorsitzende. Was angezeigt wird, kann es eigentlich gar nicht geben.

Der Junut startet nämlich in zwei Gruppen. Die langsameren Läufer machen sich am Freitag um 9 Uhr in Dietfurt auf den Weg, die schnelleren um 15 Uhr, also satte sechs Stunden später. Doch die Live-Track-Grafik zeigt um 6 Uhr am Samstagmorgen einen Sportler der schnellen Gruppe an, angeblich ist er bereits kurz vor der Ortschaft Schmidmühlen. Das restliche Feld befindet sich etwa eine Stunde hinter diesem "Phantom". So etwas hat es in den acht Jahren, in denen der Junut organisiert wird, noch nie gegeben.

Von wegen Technikfehler! Es stimmt wirklich. Das stellen die Schmidmühlener um 6.10 Uhr fest. Der 40-jährige Tobias Krumm aus Bergisch-Gladbach hat tatsächlich die ersten 138 Kilometer von Dietfurt nach Schmidmühlen in einer fabelhaften Zeit von rund 15 Stunden absolviert. Er hält sich aber nicht lange beim SV auf, sondern setzt um 6.25 Uhr seinen Rekordversuch fort.

Gegen 14 Uhr reiben sich die Schmidmühlener wieder verwundert die Augen. Eigentlich sind alle Läufer professionell von Kopf bis Fuß ausgestattet. Doch die Startnummer 133 ist nur in sogenannten Juna-Sandalen unterwegs - damit hat sie die ersten 138 Kilometer des Laufes bereits absolviert. Läuferin Sandy Winkler-Spekker erklärt den erstaunten Gastgebern, dass sie die erste Frau in Deutschland sein will, die 170 Kilometer mit diesem Schuhwerk finisht. Normalerweise laufe sie darin barfuß, doch aufgrund der tiefen Temperaturen in der Nacht habe sie sich für "Zehen-Socken" entschieden. Letztendlich schafft sie es tatsächlich: In Kastl trifft die 37-jährige aus Viersen nach einer Gesamtzeit von 38 Stunden und 8 Minuten ein.

54 Stunden maximal

Der Jurasteig als 239 Kilometer langer Rundweg führt über die Höhen und Täler von Donau, Altmühl, Weisser und Schwarzer Laber, Lauterach, Vils und Naab. 18 Schlaufenwege, die von der Hauptroute abzweigen, bieten sich als zusätzliche Tagestouren an. Wandern am Jurasteig wird zum Erlebnis, garantiert durch einen hohen Anteil naturbelassener Wege, eine einzigartige, attraktive Mittelgebirgslandschaft, aber auch zahlreiche Rastmöglichkeiten. Ursprüngliche Flusslandschaften wechseln sich ab mit mediterran anmutenden Karstlandschaften. Schlösser und Klöster liegen ebenso am Jurasteig wie Felszinnen, duftende Wacholderheiden, lichte Kiefern- und schattige Buchenwälder. Beim Junut (Jurasteig nonstop ultratrail) haben Extremsportler etwas mehr als zwei Tage (maximal 54 Stunden) Zeit, den kompletten Jurasteig zu bewältigen. Normalerweise wird der Jurasteig in 13 Tagesetappen erwandert. (fop)

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