01.12.2017 - 17:50 Uhr
Oberpfalz

"Der Holledauer Schimmel" auf dem Buchberg Ein Streit, der richtig Spaß macht

Gut möglich, dass sie ein Pferd auf den Buchberg schaffen. Schließlich geht es ja um den "Holledauer Schimmel". Wer die Freilichtbühne am Buchberg kennt, weiß, dass sie für ihre Inszenierungen alle möglichen Hebel in Bewegung setzt. Und auch unmögliche. Dazu gehören diesmal drei Fässer Bier.

Die Masskrüge gibt es bislang nur auf Eintrittskarten und Werbebildern. Die Details ihrer neuen Inszenierung müssen die Macher von der Freilichtbühne am Buchberg (von links), Stefan Reindl, Kerstin Donhauser und Thomas Reiß, und ihr Team erst noch austüfteln. Aber das Stück steht fest: Die Schnaittenbacher spielen 2018 das Volksstück "Der Holledauer Schimmel". Bild: Steinbacher
von Heike Unger Kontakt Profil

Schnaittenbach. Nach einem zweijährigen Ausflug in die Welt des Musicals mit der Bettleroper kehrt der Schnaittenbacher Theaterverein zurück zum Volksstück. Die Buchbergbühne inszeniert 2018 ein "Schelmenstück aus dem Hopfenlande": "Der Holledauer Schimmel", ein Klassiker von Alois Johannes Lippl. Der sei "geprägt von vielen Schauspielern, die mit dabei sind", sagt Spielleiter Stefan Reindl. Genau das Richtige für die Buchbergbühne, bei der Schauspielen Familiensache ist: Teilweise stehen hier inzwischen drei Generationen auf der Bühne.

Die neue Produktion ist laut Reindl "an sich eine Komödie", hat aber "durchaus auch einige Komponenten zum Nachdenken". Es geht um Gier, Neid und darum, was Menschen alles tun, um an Geld zu kommen. "Der Holledauer Schimmel" biete da schon Themen, die "der Zuschauer, wenn er es will, ins Jetzt übersetzen kann", sagt Reindl. "Und wenn er nicht will, dann stört es ihn auch nicht und er hat einen unterhaltsamen Abend."

Den Verantwortlichen war es wichtig, ein Stück zu wählen, in dem der Schauspieler-Nachwuchs des Vereins nicht nur als Statisten, sondern auch in tragenden Rollen eingebunden werden kann. Live-Musik gibt es ebenfalls wieder, diesmal in Gestalt von Moritaten-Sängern und Wirtshaus-Musik.

Die Sache mit dem Fassl

Eine Herausforderung ist, dass in den 13 Bildern, aus denen das Stück besteht, 12 eine unterschiedliche Kulisse erfordern. Sehr viel mehr Kopfzerbrechen bereitet Reindl derzeit aber eine andere Frage. In jeder Aufführung muss dreimal ein frisches Fassl Bier angezapft werden - "wie machen wir das?"

Gegenüber stehen sich dabei wie auch im ganzen Stück die beiden Dörfer Haselbach und Banzing, die seit Jahrzehnten im Streit miteinander sind. Doch jetzt die Versöhnung wagen wollen. Klar, dass das nicht einfach wird: Die Alten sind und bleiben verfeindet - doch die Jungen haben im Hintergrund schon lange Liebschaften quer über die Ortsgrenzen hinweg geknüpft. Dann erscheint noch einer, dem man vor 30 Jahren einen Schimmel-Diebstahl in die Schuhe geschoben hat. Und der rächt sich jetzt auf seine Weise.

Nicht nur Haselbach und Banzing haben damit ein Problem. Die Buchbergbühne hat auch eins: eine Wirtshaus-Schlägerei. Dabei sollen natürlich die Fetzen fliegen auf der Bühne. Und auch ein paar Scherben. Dafür könnte man vielleicht ein paar der 450 Weinbecher opfern, die der Theaterverein vor Jahren anfertigen ließ. Aber es sind nicht mehr genügend davon übrig. Die meisten sind bei Aufführungen kaputt gegangen. "Gewollt kaputtgegangen", betont Vereinsvorsitzender Thomas Reiß.

Da fliegen die Fetzen

Aber eigentlich bräuchte man für eine zünftige Wirtshaus-Rauferei auch eher andere Scherben. "Wir überlegen gerade, ob wir jetzt 450 Masskrüge machen lassen - die dann wieder zu Bruch gehen." Ins Auge gefasst hatte der Verein den "Holledauer Schimmel" schon öfter, verrät Kerstin Donhauser. Aber dann tauchte er auf den Spielplänen anderer Ensembles auf, in Wunsiedel und Leuchtenberg. Jetzt aber ist Schnaittenbach an der Reihe. Und die alten Hasen im Team machen Platz für die jungen: Sie sollen diesmal die Hauptrollen spielen, betont Donhauser: "Wir wollen ja, dass sie bei der Stange bleiben." Die Erfahrung, nicht zuletzt in den beiden vergangenen Bettleroper-Jahren, habe gezeigt: "Wenn man es jemandem zutraut, dann ist es erstaunlich, was daraus wird."

Vielleicht hätte sich Thomas Reiß, der Vereinsvorsitzende der Buchbergbühne und Schauspieler ist, diese Erkenntnis auch in Sachen Fußball zu Herzen nehmen sollen. Nicht nur er ist glühender Fan des 1. FC Bayern. Kein gutes Thema, wie sein Gesichtsausdruck zeigt. Reindl lacht. "Als wir die Aufführungstermine festgelegt haben, hat noch Ancelotti die Bayern trainiert. Und der Thomas hat gesagt: Die Champions-League, das kannst du vergessen, die kommen nie ins Finale." Reiß erinnert sich gut: "Als wir die Theater-Termine ausgemacht haben, haben die Bayern gerade 3:0 in Paris verloren."

Das ist wahre Liebe

Jetzt sind sie mit Jupp Heynckes doch im Finale. Und Reiß muss an dem Tag auf die Bühne. Ohne Fernseher. Das ist echte Liebe zum Theater. Immerhin: Als das vor ein paar Jahren schon mal so war, haben die Bayern gewonnen. Ein kleiner Trost für Reiß.

Vorverkauf läuft

Traditionell hat der Vorverkauf für die Buchbergbühne am 1. Dezember begonnen. Der Theaterverein plant neben seiner Premiere (Freitag, 25. Mai) auf der Freilichtbühne am Buchberg (Schnaittenbach) sieben Vorstellungen von "Der Holledauer Schimmel": am Samstag, 26 Mai sowie 2. und 9. Juni, am Sonntag, 27. Mai (18 Uhr), am Donnerstag, 31. Mai sowie am Freitag, 1. und 8. Juni. Beginn ist außer am 27. Mai jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es zum Preis vön zwölf Euro im Internet (www.buchbergbuehne.de). (eik)

"Der Holledauer Schimmel" kommt auf die Buchbergbühne. Momentan gibt es ihn aber (noch) nicht. Also das Pferd im Stück. Aber die Schnaittenbacher haben ja ihren Bömmel. Wolfgang Gerhards hat diesen Spitznamen weg, seit er 2013 als gleichnamiger Professor in der Feuerzangenbowle brillierte. Im wahren Leben ist er Pferdebesitzer. Und gerade intensiv auf der Suche nach einem Schimmel, wie Thomas Reiß lachend berichtet: Gerhards versuche, seine Frau davon zu überzeugen, dass "sein" Theaterverein unbedingt einen Schimmel braucht. Natürlich könnten die Theaterleute stattdessen auch in die Trickkiste greifen. Wie damals beim Faschingszug zum Thema Astrid Lindgren, als sie für Pippi Langstrumpfs Schimmel "Kleiner Onkel" einfach ein Pony "verkleidet" haben: Das weiße Pferdchen bekam damals einfach schwarze Pünktchen mit Haarspray "aufgeklebt".

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