Heimatkundlicher Stammtisch in Heinzhof
So war das früher in der Lehrzeit

Konrad Graml (rechts) und Wolfgang Wenkmann erzählten beim heimatkundlichen Stammtisch in der Waldschänke Heinzhof aus ihrer Lehrzeit. Bilder: schß (3)
Kultur
Kreis Amberg-Sulzbach
14.09.2017
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"Lehrjahre sind keine Herrenjahre" - der Spruch stammt aus einer Zeit, in der es viele Bewerber für wenige Ausbildungsplätze gab. Der Azubi oder "Stift" hatte einen schlechten Stand. Ausbildungspläne gab es so gut wie keine, dafür viele Zusatzdienste und Schikanen: Ein Thema beim heimatkundlichen Stammtisch in Heinzhof.

 Besonders zwei Stammtisch-Teilnehmer in der Waldschänke, Georg Bauer und Wolfgang Wenkmann, schilderten eindrucksvoll ihre eigene Lehrzeit in Amberger Betrieben: Beide haben den Beruf des Brauers erlernt. Wer von den Alt-Ambergern weiß noch, dass sich die Mälzerei des Brauhauses noch bis in die 1970er-Jahre in der oberen Altstadt befand? "Die Arbeit war sehr hart", erzählte Bauer. Auch an Wochenenden und sogar an Weihnachten seien Lehrlinge zum Umschaufeln des Getreides eingeteilt gewesen.

Die Brotzeit wurde im "Schalander", so hieß beim Brauhaus die Brotzeitstube, eingenommen: Dabei mussten die Lehrlinge die Gesellen regelrecht bedienen. "Lehrlinge bekamen einen Kasten Haustrunk pro Woche, Gesellen drei Kästen", berichtete Bauer. Wolfgang Wenkmann erinnerte an die schwere Arbeit des "Pichens" der Holzfässer im Hof der Brauerei Bruckmüller.

"Von den Lehrlingen wurde damals erwartet, dass sie nach dem langen Arbeitstag eine Woche pro Monat noch von 18 bis 22 Uhr für den damals fluktuierenden Straßenverkauf ausschenkten. Da kamen die Leute aus dem Viertel mit Kannen und Masskrügen, um in der Brauereigaststätte ihr Bier abzuholen." Egid Ströhl erlernte ab 1967 den Beruf des Landwirtschaftsmechanikers. Er arbeitete an den alten Lanz-Bulldogs, die man heute bei Oldtimer-Treffen sieht. "Ein Geselle verlangte beim Brotzeit-Holen immer ein Viertel Pfund Schnürpfel-Wurst", erzählte Ströhl. "Das waren die Wurstanschnitte, die billiger waren."

Konrad Graml berichtete von den Erfahrungen von Söhnen aus kleinen Landwirtschaften, denen die Väter die Nachfolge auf ihren Höfen schmackhaft machten. "Die Landwirtschaft hat Zukunft", habe es da geheißen. Deshalb besuchten die Buben nach der Volksschule oft die landwirtschaftliche Berufsschule.

Doch bald sei zu beobachten gewesen, dass Höfe mit kleinen Flächen keine Zukunft haben würden. Graml machte dann als "Altlehrling" zusätzlich noch eine Maurerlehre. Die Ausbildungszeit war dabei auf zwei Jahre verkürzt,
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