08.09.2017 - 18:52 Uhr

Landkreis Amberg-Sulzbach will Hausnamen erhalten Wenn im Dorf der Schneider der Müller ist

Gut möglich, dass man den Schneider im Dorf als Müller kennt. Warum? Das lässt sich heute zuweilen nicht mehr klären. Die Herkunft manches Hausnamens ist schon vergessen. Doch dort, wo man noch etwas darüber weiß, verraten künftig landkreisweit Schilder, was es mit der jeweiligen Bezeichnung auf sich hat.

Maria Schmalzl von der LAG Regionalentwicklung und Kreisheimatpfleger Dieter Dörner zeigen ein Modell der Acrylglasschilder, auf denen die Hausnamen verewigt werden sollen. Bild: Steinbacher
von Heike Unger Kontakt Profil

Die Idee dazu wurde vor ein paar Jahren im Kreis der Heimatpfleger geboren. Der ursprüngliche Plan war, alle Hausnamen im Landkreis in einem Sonderband des heimatkundlichen "Eisengau" vorzustellen. Die Begeisterung war nicht bei allen groß, verrät Kreisheimatpfleger Dieter Dörner: Schließlich leiten sich manche Hausnamen von Eigenheiten ab, die heute als entehrend empfunden werden.

Verloren ist verloren

Schwierig wird es, wenn man seinen Hausnamen kennt, aber nichts über seinen Ursprung weiß. "Sie finden im Archiv sicher Hunderte von Hausnamen, aber kaum etwas über die Herkunft", sagt Heimatpfleger Dieter Dörner - und erklärt auch, warum: "Es gab keinen Grund, die Herkunft aufzuzeichnen. Die Menschen damals wussten ja, wo der Hausname herkam." Über die einfachen Leute sei damals ohnehin wenig aufgeschrieben worden. "Eigentlich nur, wenn sie ein Verbrechen begangen haben." (eik)

Damit war die Sache zunächst eingeschlafen. Bis sie jetzt in veränderter Form wieder aufgeweckt wurde - als freiwillige Aktion, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wer weiß, woher sein Hausname kommt, und mitmachen möchte, kann ihn auf einem Schild am Gebäude für alle sichtbar machen und damit ein Stück Ortsgeschichte bewahren. Manche Gemeinden, zum Beispiel Pittersberg (Ebermannsdorf) oder einige AOVE-Kommunen, haben damit schon vor einiger Zeit begonnen. Doch jetzt wurden über die Heimatpfleger und die Regionalentwicklung (LGA) Amberg-Sulzbach einheitliche Hausnamen-Schilder auf den Weg gebracht. Die Umsetzung läuft ganz pragmatisch: Bereits vorhandene Schilder können bleiben, wenn neue Interessenten mitmachen wollen, bekommen sie das neue, einheitliche Modell aus Acrylglas.

"Leader" zahlt mit

Wer seinen Hausnamen in dieser Form verewigt haben will, meldet sich bei seiner Gemeinde: Die Kommunen im Landkreis wurden im April aufgerufen, mitzuteilen, ob sie bei dieser Aktion mitmachen wollen. Um dann die in Frage kommenden Hausbesitzer entsprechende Fragebögen ausfüllen zu lassen. Diese "Stoffsammlung" wollen die Verantwortlichen nun bis Freitag, 15. September, abschließen, um die entsprechenden Schilder anfertigen zu lassen. Weil diese einheitlich gestaltet werden, gibt es eine Förderung über das Leader-Programm.

Auch die Gemeinden beteiligen sich finanziell, allerdings fällt dieser Zuschuss von Ort zu Ort unterschiedlich aus. Dörner schätzt, dass die Eigenbeteiligung der Hausbesitzer bei etwa 25 Euro liegen wird. Genaueres wisse man im Oktober, berichtet Maria Schmalzl vom LAG-Management. Dann tagt ein Entscheidungsgremium unter Vorsitz von Landrat Richard Reisinger, das die Aktion offiziell als Leader-Projekt beschließen soll. Zuständig ist dafür das Landwirtschaftsamt Neumarkt. "Bis die Schilder aufgehängt werden, wird es Frühjahr", meint Schmalzl.

20 Gemeinden machen mit

Insgesamt seien rund 20 Gemeinden dabei, berichtet Dörner, der deshalb mit einem Potenzial von 500 bis 600 Hausnamen-Schildern rechnet. "Eine ganz schöne Anzahl", findet er. Die Zahl der Hausnamen im Landkreis sei aber deutlich größer: "Ich denke, dass da schon 1500 bis 2000 zusammenkommen. Aber man muss davon ausgehen, dass es zu vielen Hausnamen keine Anwesen mehr gibt."

Woher kommt der Name?

Möglich sei auch, dass das ursprüngliche Gebäude leersteht, der Besitzer inzwischen anderswo gebaut und seinen Hausnamen dorthin mitgenommen hat. Eine weitere Variante: Ein Haus hat mehrfach den Besitzer gewechselt - und dabei ist der Hausname verlorengegangen. Oder es gibt ihn noch - aber die Bewohner des Hauses wissen nicht mehr, woher er einst kam. Genau diese Information ist den Verantwortlichen der Aktion aber wichtig: Sie wollen nicht nur einen Namen festhalten, sondern auch die Erklärung dafür.

Erfreut sind Dörner und Schmalzl, dass die Hausnamen eine Renaissance erleben: "Die Jungen im Dorf bekommen sie wieder als Spitznamen", weiß Schmalzl. Eine schöne Entwicklung, findet Dörner, nicht nur auf diesem Gebiet: "Wenn Sie 30 Jahre zurückgehen, da war Dialekt verpönt. Heute pflegt man ihn wieder. Auch die Trachten kommen bei den jungen Leuten wieder an - und die Hausnamen auch.

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