20.10.2017 - 12:00 Uhr
Oberpfalz

Lauterachtler Boum feiern Revival: Bei "Sierra Madre" funkelt die Nacht in Pilsheim

Vom Internet hatte noch kaum einer was gehört. Die Jugendlichen mussten noch in Telefonzellen gehen, um ungestört telefonieren zu können. Und im Landkreis Amberg-Sulzbach kam der Festzelt-Hype so richtig in Gang. Das war die Zeit der "Lauterachtaler Boum" - eine der angesagtesten Musikkapellen der 90er-Jahre. Jetzt gab es ein umjubeltes Revival.

Vor 20 Jahren haben die Lauterachtaler Boum aufgehört, Musik zu spielen - jetzt standen sie wieder auf der Bühne (von links): Roland "Bird" Vogl, Jakob "Jackl" Fromm, Herbert "Happy" Zapf, Josef "Sepp" Auer, Afons Fischer, Alfred "Fredl" Gietl und Günther "Charly" Rudolf. Bilder: Paul Böhm (2)
von Paul BöhmProfil

Pilsheim/Schmidmühlen. Beim Weinfest der Jurablaskapelle in Pilsheim erfüllten sich manche Träume: Nach zwei Jahrzehnten Pause traten die legendären "Lauterachtaler Boum" noch einmal in Originalbesetzung auf.

Der Spruch "Geht scho dahi" war nicht nur stets die Ansage für ihre Musikstücke - er war in ihrer Glanzzeit auch der Titel einer Fanzeitschrift. Ein Alleinstellungsmerkmal für eine regionale Band in den 90er-Jahren.

90 Auftritte im Jahr

Ende 1997 nahmen die Fans beim Truckerfestival in Sulzbach-Rosenberg Abschied von den Musikanten. Leicht fiel es ihnen nicht, ihre Erfolgsgeschichte mit einem letzten "Sierra Madre" und dem Stück "Ein Wiedersehen" abzuschließen. Letztlich waren es die beruflichen Verpflichtungen und der enorme Zeitaufwand der "Boygroup", die sie zu diesem Schritt bewogen. "In unseren Spitzenzeiten sind wir schon auf 80 bis 90 Auftritte pro Jahr gekommen", erzählt Alfons Fischer, der sich damals als Chef der Gruppe um die Terminplanung kümmerte .

Zuerst eine Tanzlmusi

Erste Gehversuche machten Johann Merz aus Hohenburg, Andreas Fischer aus Pilsheim, Jakob Fromm aus Erlheim und Günther Rudolf aus Schmidmühlen mit kleineren Auftritten bis 1984. Zu Proben trafen sie sich meist in Hohenburg. Damals trugen sie noch den Namen Lauterachtaler Tanzlmusi. Daraus formierten sich ab 1985 die Lauterachtaler Boum mit einigen neuen Gesichtern.

Bandmitglieder der ersten Stunde waren Günther "Charly" Rudolf (Schmidmühlen), Jakob "Jackl" Fromm (Erlheim), Alfons Fischer (Pilsheim), Günther "Bubi" Wächter (Amberg) und Josef "Sepp" Auer (Pilsheim). Anfang 1986 kam Roland "Bird" Vogl (Schmidmühlen) dazu. 1994 stieg noch Alfred "Fredl" Gietl (Winkerling) mit ein. Nach dem Ausscheiden von "Bubi" Wächter im Jahr 1990 setzte sich Herbert Zapf aus Ensdorf hinter das Schlagzeug. Dass alle riesige Freude an der Musik hatten und es auch verstanden, diese ihren Fans zu vermitteln, zeigten ihre vielen Auftritte in der Region. Von Faschingsbällen bis hin zu Volks- und Kirchweihfesten reichte die Bandbreite ihrer Engagements.

Spezielle Auftritte gab es immer bei der Amberger Dult, beim Weiberfasching und bei den Altstadtfesten. Fest gebucht waren die Jungs auch mindestens einmal pro Jahr in Vordorf im Fichtelgebirge, in Berleburg bei Kassel und für einen längeren Zeitraum sogar im Münchner Hofbräuhaus. "Nicht vergessen werden wir unsere Auftritte beim Burglengenfelder Volksfest und der Burglengenfelder Musikantenparade, bei der auch Florian Silbereisen dabei gewesen ist." Dazu kamen Auftritte beim Amberger Musikantenstadel im Josefshaus und später im ACC unter der Regie von Barbara Lanzinger.

"Da hat es Zeiten gegeben, wo wir an Wochenenden oft auf drei Baustellen unsere Anlage aufgebaut haben", erinnert sich Günther Rudolf. Große Erfolge waren ihre fünf Open-Air-Festivals von 1993 bis 1997 in Pilsheim mit riesigem Andrang.

Ein Rundruf genügte

Wie Alfons Fischer verrät, war es die Idee des ehemaligen Klarinettisten und Gitarristen Alfred "Fredl" Gietl, nach 20 Jahren jetzt noch einmal die Instrumente auszupacken. "Da gab es einen Rundruf - und alle haben sofort zugesagt". Dass es ihnen Spaß machte, wieder einmal ihre Musik in der alten Runde zu spielen, hörte man schon mit den ersten Akkorden. "Da ging ein Ruck durch die Reihen", berichtet Fischer. "Geprobt haben wir für diesen einmaligen Auftritt im Keller unseres Schlagzeugers Herbert Zapf in Ensdorf", berichtet Alfons Fischer. "Werbung haben wir für unseren Auftritt nicht gemacht, aber es hatte sich schnell herumgesprochen, wer mit der Boygroup gemeint war, die nach zwei Jahrzehnten eine Stunde Comeback geplant hatte." Nur eine dezente Ankündigung in der Presse hatte gereicht, um die Fangemeinde neugierig zu machen.

Und dann "ging's scho dahi" - ganz wie zu den besten Zeiten, mit einer breiten Auswahl ihrer größten Erfolge als Lauterachtaler Boum. Dass da ihre "Maria Magdalena", das "Schinder-Louda", der "Morgenmuffel" und natürlich "Sierra Madre" dazugehörten, versteht sich von selbst. Mehrere Hundert Leuchtstäbe der Fans funkelten dazu in der Pilsheimer Nacht. Ein Dankeschön für eine schöne Zeit, die weder die Lauterachtaler Boum noch ihre große Fangemeinde missen wollen.

Den Zwiefachen mit dem schönen Namen "Oaschloch von Leinsiedl" haben wir mit unseren Auftritten in der Region erst hoffähig gemacht.Jakob "Jackl" Fromm

Ein großes Vorbild

"Unser großes Vorbild waren damals die Zillertaler Schürzenjäger", erzählt der Chef der Gruppe, Alfons Fischer, beim Blättern durch seine Erinnerungsordner. Neben der traditionellen Volksmusik mit Polkas, Zwiefachen, Walzern, Landlern und Schottischen nahmen die Boum später auch das aufkommende Segment der volkstümlichen Musik, des Schlagers bis hin zu modernen Arrangements in ihr Programm auf. "Den Zwiefachen mit dem schönen Namen ,Oaschloch von Leinsiedl' haben wir mit unseren Auftritten in der Region erst so richtig hoffähig gemacht. Ein Stück, das wohl auch wegen seines Namens immer etwas hinten angestanden hatte", sagt Jakob "Jackl" Fromm als einer der großen Verfechter der bodenständigen Volksmusik. Unvergessen sind seine Auftritte, wenn er sich unter dem Gekreische seiner großen weiblichen Fangemeinde auf den Boden legte und mit seiner Klarinette im Liegen seine eigene Show abzog. (bö)

Im Tonstudio

Im November 1990 waren die Lauterachtaler Boum zum ersten Mal im Tonstudio Tyrolis in Zirl zur Aufnahme einer Musikkassette mit dem Titel "Weil ma a Gaudi hom". Auch zwei CDs ("Musig spieln'n mit Leib und Seel"" und "Was wär'n wir Männer ohne Frauen") kamen auf den Markt. "Beide Titel hatten wir nach dem Motto ,Musik spielen, die aus unserer Heimat kommt, und die wir können' ausgewählt", erinnert sich Josef Auer. (bö)

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