08.06.2017 - 14:14 Uhr
Oberpfalz

Mühlentag in Theuern: So lebte er, der Müller

Ob es so idyllisch war, wie es das Lied von der "klappernden Mühle am rauschenden Bach" verkündet, mag man nicht so recht glauben. Eher schon das: Müller zu sein, war damals, vor 300 Jahren, ein "hartes Brot".

Cornelia Platz war die Museumsführerin in Person der Müllerin, erklärte den Besuchern Technik und Betrieb einer Mühle, das Leben der Familie eines Müllers
von Klaus HöglProfil

Theuern/Oed. (e/fm) Einblick in dieses Leben gab es beim Mühlentag in Theuern (Kümmersbruck) und Oed (Weigendorf). In die Außenstelle des Industrie-Museums Theuern kamen auch diesmal viele Interessierte. Der Müller und gewöhnlich auch seine Familie hatten eine mühevolle, beschwerliche Arbeit zu verrichten: Davon berichtete Cornelia Platz, die "Müllerin", die eigentlich Museumsführerin ist: Vor der uralten Mühle erläuterte sie die Arbeitsabläufe und die historischen Techniken, sprach aber auch vom sagenumwobenen Leben des Müllers von einst.

Nicht nur die Kinder, auch viele Erwachsene in Theuern hatten bis dato noch nicht gesehen, wie eine Mühle einst in Schwung gekommen ist. Heutzutage kommt das Mehl aus dem Supermarkt, kennen manche nicht einmal mehr das Getreide. So hat der jährlich an Pfingstsonntag von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde (DGM) ausgerufene Mühlentag einen tieferen Sinn.

Auch in der Oedmühle gab es diese Einblicke. Der kleine Ort im Lehental erlebte wieder einmal eine Invasion oft von weit her gekommener Besucher. Der Bau am Etzelbach beherbergt noch eine vollständig erhaltene Kunstmühle von 1929, die bis in die 60er-Jahre betrieben wurde. Die Eigentümer, die Familie Fabian und Gabriele Bräutigam, führten den ganzen Tag über Gruppen über fünf Stockwerke. Begonnen wurde im Untergeschoss, wo die (abgehängten) Treibriemen auf den Stahlrädern alle darüber angebrachten Geräte versorgten. Der Turbinenantrieb über einen Kanal produzierte dazu den Strom für die vier Mahlstöcke einen Stock höher, über eine ausgetretene Holztreppe zu erreichen. Mit den Erläuterungen über die Geräte und das Verfahren ging es die offenen Stockwerke hinauf bis unter den Giebel. Da war oft noch Menschenkraft erforderlich: So ein Müller hatte kein leichtes Los.

Das Warten auf eine Führung konnten sich die Besucher gemütlich im Umfeld vertreiben. Im grünen Areal neben dem Etzelbach und im Hof waren Biertischgarnituren aufgestellt, Getränke holte man aus dem Nachbarstadel, dazu als Stärkung ökologische Brotzeiten. Beim Spaziergang über die Wiese kam man an eisernem Gartenschmuck vorbei und konnte auch einkaufen - zum Beispiel beim Hobby-Korbmacher, Ständen mit wohlriechenden Schafmilchseifen oder bunten Schmuckschächtelchen und dem Streuobstwiesen-Stand mit Aufklärung über ihren Wert und angebotenen Säften.

Hintergrund

Erst mit der Erfindung der Dampfmaschine und Ende des 18. Jahrhunderts, mit dem Beginn des Industriezeitalters, waren die Mühlen unabhängig vom Wasser. Nach und nach hat sich der Beruf des Müllers mehr und mehr verklärt.

Eigentlich aber war er verrufen, nicht gerngesehen im Dorf: Er musste den Galgen errichten, zahlte fürs Getreide nicht immer, was es wert war, war relativ begütert, wohnte etwas außerhalb. Legenden rankten sich schon immer um den Müller. Und um seine Familie: Die "schöne Müllerin" und ihre Töchter spielten immer eine Rolle in Märchen und Sagen.

Gewohnt allerdings haben sie auch nicht viel besser als die Bevölkerung seinerzeit - ärmlich halt, mit Kachelofen, mit Roggen- oder Haferstroh gefüllten Betten, primitivem Tisch und Stuhl. Das Relikt einer alten Mühle ist in Theuern ausgestellt. Dazu die beiden riesigen Mühlsteine, deren Antrieb eigentlich die Ursache für die "klappernde" oder doch eher rumpelnde Mühle waren: Der Lärm, den der Betrieb verursacht, ist gewaltig.

Zwischen den riesigen Steinen wurde das Getreide gemahlen, erst zu Schrot, dann zu Kleie, zu grobem und feinem Grieß - dann erst entstand das feine, weiße Mehl. Natürlich hatten die Müller in ihren Betrieben auch als Erste Strom: Sie hatten ja Wasser. (e)

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