29.06.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Neuer Eisengau-Band erklärt Straßennamen Mit den Franzosen kam die Adresse

Eine Stadt ohne Straßennamen und Hausnummern ist für uns unvorstellbar. Was wir heute als selbstverständlich betrachten, und zur Orientierung erforderlich ist, galt noch bis weit in das 18. Jahrhundert als höchst überflüssig. Ein Thema, das jetzt der Eisengau aufgreift.

von Externer BeitragProfil

Amberg-Sulzbach. Mit Unterstützung der Heimatpfleger, Gemeindemitarbeiter und historisch interessierter Bürger hat die Regionalgruppe Amberg des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg den Sonderband (Nr. 47) mit Erklärung fast aller Straßennamen in Amberg und im Landkreis erarbeitet.

Postzustellung war sinnlos

Post erhielten einst nur die Regierenden, die reichen Kaufmannsfamilien, das Militär, einige wenige Gebildete. 90 Prozent der Menschen waren Analphabeten, eine Postzustellung wäre also sinnlos gewesen. Und da der Durchschnittsbürger seinen Wohnort kaum verließ, waren auch keine Straßennamen zur Orientierung nötig. Falls doch, hieß es "das Haus zwischen dem Bäcker X und dem Schneider Y" oder "das Haus hinter dem Rathaus".

Später kamen Hausnamen hinzu. Doch auch diese waren, wenn es etwa in einem Ort drei "Schouster" gab, verwirrend. Schließlich wollten auch die Steuereinnehmer klare Verhältnisse haben. So begannen Mitte des 18. Jahrhunderts die Franzosen mit der Systematisierung.

Straßennamen in der Stadt

Straßennamen waren zumindest in den Städten schon gebräuchlich. Doch dienten diese mit Einführung von Hausnummern (Litera-Nummern) nicht der Definition bestimmter Häuser.

Auch in Amberg waren Litera-Nummern üblich. 1834 teilte man die Stadt in vier Viertel ein: Frauen- (A), Kloster- (B), Martins- (C) und Spitalviertel (D). Später kamen Katharinen-, Mariahilfberg- und Dreifaltigkeitsviertel hinzu. Erst 1925 kam es zur noch heute gültigen Nummerierung, bezogen auf die jeweilige Straße, stets von der Stadtmitte aus gesehen. Gleichzeitig veröffentlichte der Verlag Carl Mayr einen "Nummernschlüssel" mit der Gegenüberstellung der alten Litera-Nummern.

Anders in vielen Landkreisgemeinden. Hier orientierte man sich ursprünglich an den Hausnamen. Später wurden die Häuser - anfangs der Bestand, dann die hinzukommenden - durchnummeriert. Erst mit der Gebietsreform 1972 führten viele Gemeinden Straßenbezeichnungen ein.

Über 2400 Straßennamen

Im Sonderband des Eisengaus (Band 47) wird die Herkunft von etwa 2400 Straßennamen beschrieben. Lediglich selbsterklärende Namen wie Kümmersbrucker Straße, Nelkenweg oder Bahnhofstraße (soweit der Bahnhof noch existiert) wurden eines vertretbaren Umfangs wegen nicht aufgenommen.

Viele Straßennamen sind auf Flurnamen zurückzuführen, deren Bedeutung oft nicht mehr bekannt ist oder mehrdeutig sein kann. Ein besonderes Schmankerl ist die Aufnahme nicht mehr vorhandener Namen, von Straßen, die nicht mehr existent sind, die mehrmals den Namen gewechselt haben oder aufgrund veränderter politischer Verhältnisse umbenannt werden mussten. Allein in Amberg sind dies über Hundert.

Der neue Eisengau ist im Buchhandel und übers Internet (www.der-eisengau.de) erhältlich. Hier finden Interessierte auch alle noch lieferbaren Bände.

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