19.03.2018 - 12:14 Uhr

Symposium im Kulturschloss Theuern Eisen formt eine Region

Aus unzähligen Kohlenmeilern steigt Rauch in den Himmel. In Rennöfen wird der Rohstoff geschmiedet, den der König unbedingt braucht: Eisen für Schwerter. Die Oberpfalz liefert, was Karl der Große verlangt.

Über Jahrhunderte wurde unsere Region vom Eisen geprägt. Jetzt beschäftigt sich ein Symposium mit diesem Thema. Bild: Martin Schreiner
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

So ungefähr dürfte es über Jahrhunderte in unserer Region ausgesehen haben. Wo heute dunkle Wälder von Ruhe und Erholung künden, fraß im Mittelalter die alles beherrschende Montanindustrie die Bäume, die für Holzkohle eingeäschert wurden. Aus dunklen Löchern gruben die Menschen den Rohstoff, der die heutige Oberpfalz damals zum Industriegebiet des Mittelalters gemacht hat. "Schmieden für Karl den Großen" heißt ein Symposium im Kulturschloss Theuern, das sich am Donnerstag, 22. März, mit exakt diesem Thema beschäftigt.

Bisher galten ja vor allem das Hoch- und Spätmittelalter als die Blütezeit der Oberpfälzer Montanindustrie. Doch neuere Funde und Methoden erlauben es laut Silvia Codreanu-Windauer, auch schon für die Karolingerzeit, also um das Jahr 800 herum, rege Hüttentätigkeit im "Land der tausend Feuer" zu belegen. Codreanu-Windauer, die oberste Archäologin in der Oberpfalz, stellte gemeinsam mit Landrat Richard Reisinger und Michael Ritz, dem Leiter des Kulturschlosses, das Programm des ganztägigen Symposiums vor, mit dem am Donnerstag viele - vor allem neue - Aspekte präsentiert werden können.

Historischer Schatz

"Es ist ja in unserer Region ein historischer Schatz begraben, der jetzt so nach und nach gehoben wird", gab Richard Reisinger zu bedenken. Dieses wertvolle Erbe solle auch auf gar keinen Fall vergessen werden. Zumal es durch die rege Bautätigkeit der vergangenen Jahre viele neue Funde gegeben hat, wie Silvia Codreanu-Windauer bei der Vorstellung des Symposiums am Montag sagte. In Kümmersbruck oder im Amberger Baugebiet Drillingsfeld sei man auf Funde aus der Montanzeit gestoßen, die sich dank der C14-Messmethode locker in die karolingische Zeit datieren lassen.

"Die Eisenproduktion war nichts, was Bauern machen konnten", so Codreanu. Vielmehr sei der Rohstoff immer auch mit der Herrschaft verbunden gewesen. "Karl der Große hat Eisen gebraucht, um Waffen für seine Kriegszüge zu schmieden." Damit einher gehe auch eine völlig andere Bedeutung unserer Region. Damals sei die Oberpfalz nicht an den Rand Europas gedrückt worden, sondern habe mit ihren reichen Eisen-Vorräten direkt im Zentrum des Reichs gestanden. Hier habe Karl der Große den Rohstoff bekommen, den er für die Eroberung seines Reichs benötigt habe.

Das Symposium in Theuern nähert sich der Montangeschichte im Land zwischen Amberg und Sulzbach-Rosenberg aus sehr vielfältigen Richtungen. So wird es natürlich unter anderem einen Blick auf den aktuellen Forschungsstand von Professor Bernd Päffgen von der Uni München geben wie auch den ganz praktischen Überblick aus Sicht des Archäologen Mathias Hensch, der seit Jahren auf den Spuren des Eisens in der Oberpfalz gräbt.

Wieviel Erz war nötig

Einen ganz besonderen Aspekt bietet das Referat des jungen Doktoranden Martin Schreiner, der aus einer Schmiedfamilie stammt und sich vor diesem sehr praktischen Hintergrund der Thematik nähert. Schreiner hat einfach einmal ausprobiert, wie viel Holz die mittelalterlichen Köhler für die Erzeugung der Holzkohle benötigt haben, welche Menge an Eisenerz man brauchte und welchen Aufwand es bedeutete, ein einziges Schwert zu schmieden, von denen unzählige in der Oberpfälzer Montanregion entstanden sind.

Die Oberpfalz ist wirklich reich an noch ungehobenen Schätzen aus dieser Ära. Fernziel sei es daher, so sagt es Michael Ritz, bei uns in der Region eine Forschungsstelle für diesen Bereich zu etablieren. Entsprechende Gespräche laufen seiner Aussage nach unter anderem mit der Uni in Jena. Übrigens: Karl der Große ließ nicht nur Unmengen an Waffen produzieren, er verhängte auch das erste bekannte Waffenembargo der Geschichte, um zu verhindern, dass die benachbarten Slawen in den Besitz von Schwertern kamen.

"Schmieden für Karl den Großen" beginnt am Donnerstag, 22. März, um 10 Uhr im Kulturschloss in Theuern. Sieben Referate rund um das Thema Montanregion sind eingeplant, um 16 Uhr folgt dann noch eine Schlussdiskussion mit Professor Bernd Päffgen und Silvia Codreanu-Windauer. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird aber gebeten. Und zwar unter 0941/595748-10 oder E-Mail Birgit.Armer[at]blfd.bayern[dot]de.

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