23.03.2018 - 14:38 Uhr

Symposium im Kulturschloss Theuern Schmieden an der Geschichte

Riesige und unberührte Urwälder, dazwischen erste primitive Siedlungen. Das Bild unserer Region im frühen Mittelalter ist so idyllisch wie falsch. Denn schon vor der Jahrtausendwende ist der Raum Amberg-Sulzbach industriell geprägt, schmieden unsere Vorfahren Waffen für Karl den Großen.

Im Jahr 2015 legte das Team um Mathias Hensch in Kümmersbruck eine große Handwerkeranlage frei, in der Eisen erzeugt und verarbeitet wurde. Bereits um 880 wurde diese schon wieder aufgegeben. Archivbild: Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Engagierte Archäologen wie Mathias Hensch sind es, die dem Oberpfälzer Boden Schicht für Schicht seine Geheimnisse entreißen, die ein Bilderbuch unserer eigenen Geschichte aufblättern. Beispiel Kümmersbruck. Dort sollten 2015 am Bachweg ein paar Bauparzellen erschlossen werden. Die vorherige archäologische Untersuchung ließ nicht nur die Fachwelt aufhorchen. Bereits im 7. und 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, so sollte sich zeigen, befand sich dort ein großes Handwerker-Areal.

Die Reste von Rennöfen, von Grubenmeilern und Schmieden aus der Karolingerzeit erzählten davon, dass dort im großen Stil Eisen aus Erz geschmolzen und zu Alltagsgegenständen und Waffen verarbeitet wurde. Bereits um das Jahr 886 herum wurde diese "Werkstatt" bereits wieder aufgegeben. Wahrscheinlich weil es kein Holz mehr in der Gegend gab, das man in den Grubenmeilern in Holzkohle umwandeln konnte, die man in den Rennöfen benötigte. Darauf lässt zumindest die Tatsache schließen, dass sich in einigen der von Mathias Hensch gefundenen Meilern sehr junge Weidenbäume fanden, die zum Verkohlen eigentlich noch nicht geeignet waren.

Wichtige Waffenschmiede

Aber hier in Kümmersbruck wurden möglicherweise Waffen geschmiedet, die das Heer Karl des Großen bei seinen Eroberungen benutzte. "Schmieden für Karl den Großen. Neue Ergebnisse zur frühen Montangeschichte Bayerns" war auch der Titel des Symposiums, zu dem das Landesamt für Denkmalpflege am Donnerstag ins Kulturschloss Theuern eingeladen hatte. Organisatorin Silvia Codreanu-Windauer war völlig baff, dass unter der Woche zu einer ganztägigen Veranstaltung so viele interessierte Menschen gekommen sind. Der Saal von Theuern war voll - und die Teilnehmern wurden nicht enttäuscht. Denn Vortrag für Vortrag verdichtete sich das Bild einer sehr lebhaften Montanregion im damaligen Nordgau.

Was wohl auch dazu geführt hat, dass um das Jahr 1000 herum unsere heute so waldreiche Region sehr licht und offen gewesen ist. Sie wohl in großen Teilen so ausgesehen hat wie die heutigen Magerrasenhänge im Lauterachtal. Dass daher die Bodenerosion leichtes Spiel hatte, wie Professor Thomas Raab in seinem Vortrag über die Bedeutung der Montanindustrie für die Landschaftsentwicklung des Vilstals aufzeigte. Was nicht zuletzt sehr früh schon zu einer systematischen Holzwirtschaft führte, um das Nachwachsen des begehrten und knappen Rohstoffs zu gewährleisten.

Und an Holz benötigte man Unmengen, um beispielsweise ein einziges Schwert zu schmieden. Praktisch ausprobiert hat das Martin Schreiner, der aus einer Schmiedfamilie in Kötzting stammt. Er hat für seine Doktorarbeit den Versuch unternommen, wie im Mittelalter Eisen zu produzieren und daraus eine Art Schwert zu schmieden. Schreiner hat zunächst mehrere Rennöfen gebaut und darin das Erz ausgeschmolzen. Aus dem darin gewonnenen Eisenschwamm ist es ihm tatsächlich durch vielfältige Bearbeitung und in unzähligen Schmiedeprozessen gelungen, einen rund 70 Zentimeter langen und einen Zentimeter dicken Eisenstab zu erzeugen.

Ein riesiger Aufwand

Schreiner benötigte dafür am Ende 34,5 Stunden Arbeit, knapp 42 Kilogramm Eisenerz, 183,5 Kilogramm Holzkohle und 750 Gramm Flusssand. Er musste den zunächst gewonnenen Eisenschwamm in zahlreichen Arbeitsschritten aufwerten zum Luppen-Eisen, das verarbeitet werden konnte. Durch unzählige Faltungen gelang es ihm schließlich, einen Rohstoff zu erzeugen, der für die Herstellung von Schwertern verwendet werden könnte. "Jede Klinge, die im frühen Mittelalter geschmiedet wurde", so sagte Schreiner, "besteht aus bis zu 6000 Lagen Stahl." Das konnte nicht ein Bauer so nebenher machen, so sein Schluss daraus. Es muss bereits vor der Jahrtausendwende in der Oberpfalz professionelle und hochangesehene Schmiede gegeben haben.

Die frühe Montangeschichte unserer Region aber liegt noch immer in großen Teilen im Dunkeln und im Boden. Höchste Zeit, so die Teilnehmer des Symposiums, endlich eine Forschungsstelle für diesen Bereich einzurichten. Mit Mathias Hensch wäre auch sofort der ideale Mann für diesen Job gefunden, waren sich alle einig in ihrer Einschätzung.

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